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Edelmetall-Fälschungen : Der Goldbarren-Skandal

Erstaunlich ist, wie es der BWF-Stiftung gelang, so viele Anleger von ihrem Angebot zu überzeugen, ohne aufzufliegen. „Das Angebot klang einfach zu gut, um wahr zu sein“, sagt der Frankfurter Rechtsanwalt Klaus Nieding, der geschädigte Anleger vertritt. Die BWF warb nicht nur mit einer günstigen Geldanlage (keine Abschlusskosten, keine Gebühren für die Lagerung des Goldes). Selbst für das lästige Problem, dass eine Investition in Gold keine Zinsen bringt und der Goldpreis dauernd schwankt, hatten die Berliner eine verlockende Lösung anzubieten.

Ihr Anlagemodell sah vor, dass der Anleger bei ihr Geld einzahlt und dafür Gold erwirbt. Das konnte er sich dann schicken lassen und „unter die Matratze legen“, wie es hieß (eine Option, die aber wohl keine rechte Empfehlung war). Oder aber, er lässt es in den Berliner Tresoren und überlässt es der Organisation im Rahmen eines sogenannten Sachdarlehens. Die Berliner sollten dann weiter damit Handel betreiben dürfen. Dafür boten sie im Gegenzug an, nach einem festlegten Zeitraum (zwei, vier oder acht Jahre) dem Anleger eine größere Menge Gold zurückzuerstatten, als sie sich zuvor geliehen hatten. Im ersten bis vierten Jahr sollte es vier Prozent geben, im fünften bis achten Jahr fünf Prozent und im neunten bis zwölften Jahr jährlich 6,5 Prozent.

Dazu gab es eine Garantie: Wenn jemand sein Gold später wieder an die Organisation verkauft, sollte er einen Mindestpreis bekommen, der sich noch erhöht, wenn der Goldpreis in der Zwischenzeit merklich steigt. Maßstab dafür sollte das „London Fixing“ sein, die tägliche Feststellung des Goldpreises durch Banken in London. Wenn der Kurs des Goldes dort stark steigt, so sollte der Anleger 25 Prozent des Preisanstiegs zusätzlich zu seinem garantierten Mindestpreis bekommen, hieß es.

Eine anonyme Anzeige bei der Bafin ließ den Betrug auffliegen

Klang das nicht klasse? Aber wie wollten die Berliner diese garantierte Gold-Rendite finanzieren? Die BWF-Stiftung argumentierte, sie sei nicht nur im Anlagegeschäft tätig, sondern versorge auch Juweliere, die von ihr abhängig seien, mit Gold für deren Schmuckfertigung. Die Juweliere kämen oft nicht schnell genug an eine ausreichende Menge von Gold, weil die Scheideanstalten und Raffinerien mehr als ausgelastet seien und Wartezeiten hätten. Und mit den Gewinnen aus diesem Geschäft könne man die Goldbesitzer problemlos dafür schadlos halten, dass sie ihnen ihr Gold vorübergehend zur Nutzung überließen.

Auch eine andere Zusicherung erschien vielen Anlegern sehr sympathisch: Das Gold, das bei der Stiftung eingelagert werde, stelle ein „Sondervermögen“ da, hieß es. Das kennen Anleger von Fonds bei den Banken: Dort wird immer damit geworben, dass diese Fonds und die darin enthaltenen Aktien den Anlegern gehören - und selbst bei einer Pleite der Bank vor dem Zugriff der Gläubiger und des Insolvenzverwalters geschützt seien. Es klang zumindest plausibel, dass das bei Goldbarren in einem Tresor auch so sein könnte.

Zwischenzeitlich trieben es die Leute von der BWF-Stiftung ganz schön bunt. Unter anderem ließen sie noch im November vergangenen Jahres Pressemitteilungen an Zeitungen verschicken, in denen sie mit Tipps und Ratschlägen rund ums Gold für ihr Angebot warben. Dort gab es zum Beispiel Empfehlungen, wie jemand aus einem Computer das Altgold von den Platinen herauslösen könne („Elektroschrott einlegen, umrühren und abwarten“) oder wie man mit Blattgold einfach Gebäck und Süßigkeiten dekorieren könne.

Geplatzt ist das Ganze offenbar durch eine anonyme Anzeige bei der Bundesagentur für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Die Bafin hat die Geschäfte unterbunden, setzte einen Abwickler ein und informierte die Staatsanwaltschaft wegen der strafrechtlichen Aspekte, wie eine Sprecherin sagte. Und zwar anfangs gar nicht, weil man Zweifel an der Echtheit der Goldbarren hatte. Sondern weil die Finanzaufsicht die Auffassung vertrat, es handele sich bei diesen Geschäften in Wirklichkeit um sogenannte Einlagengeschäfte, wie sie Banken betreiben. Und für die braucht man eine Erlaubnis, die der Organisation fehlte.

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