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Diamanten : Glücksspiel mit Hochkarätern

Die Preise sinken, aber nicht dramatisch: Diamanten bleiben im Wert stabil. Bild: dpa

Die Diamantenpreise sind unter Druck. Doch verglichen mit anderen Rohstoffen, halten sich die wertvollen Steine noch wacker. Die Branche wandelt sich indes.

          Für Johan Dippenaar ist es nur eine Frage der Zeit, bis das Glück wieder zuschlägt. In der legendären Cullinan-Mine in Südafrika steckten noch viele ungehobene Schätze, sagte der Chef von Petra Diamonds im Gespräch mit dieser Zeitung auf der Rohstoffmesse Mining Indaba in Kapstadt. Der größte börsennotierte Diamantenförderer der Welt hat in den vergangenen Jahren mehrfach für Schlagzeilen gesorgt, als er ungewöhnlich große blaue Diamanten an die Oberfläche brachte. Ein blauer 122-Karäter erzielte vor kurzem einen Preis von 27,6 Millionen Dollar, ein weißer 232-Karäter 15,2 Millionen Dollar. Solche Sensationsfunde treiben immer wieder den Aktienkurs in die Höhe.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Die Funde seien aber nicht nur Glückssache, sagt der Südafrikaner, ein Branchenveteran. „Die Diamantenproduktion folgt normalerweise einem bestimmten Muster, das sich wieder und wieder wiederholt.“ In der Cullinan-Grube habe Petra in den vergangenen sechs Jahren ungefähr 6 Millionen Karat gefördert und sei dabei auf fünf außergewöhnliche blaue Diamanten gestoßen. Grob gerechnet könne man demnach einen spektakulären Fund je eine Million Karat Ausstoß erwarten. Mit besseren Fördertechniken verkürzten sich die Zeitabstände. „Es ist wie beim Fischen. Je mehr Angeln man auswirft, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass einer anbeißt.“

          Starker Dollar verteuert die Edelsteine

          Die Stimmung am Diamantenmarkt ist immer noch gedrückt. Die Preise für Rohdiamanten sind in den letzten drei Monaten von 2014 um fast 7 Prozent gesunken, so stark wie seit dem zweiten Quartal 2012 nicht. Verglichen mit den drastischen Korrekturen an anderen Rohstoffmärkten aber, hält sich der Rückgang noch in Grenzen, zumal sich Rohdiamanten seit der Finanzkrise 2009 um 30 Prozent verteuert haben. Ähnlich sieht auch die Lage am Markt für geschliffene Steine aus. Wie der Branchenbericht Rapaport ermittelte, fielen die Preise für Einkaräter im vergangenen Jahr um knapp 9 Prozent gegenüber dem Jahr zuvor.

          Der Petra-Diamonds-Chefs erklärt die aktuelle Marktschwäche mit einer „Verkettung unglücklicher Umstände“. Der starke Dollar-Kurs verteuert Diamanten für die Käufer in Japan, Europa und anderen Ländern. Vor allem aber leiden Schleifer und Händler unter der Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe. Bei einem großen Teil dieser Betriebe handelt es sich um Familienunternehmen. „Früher kannte jeder jeden in der Diamantenbranche. Viele Transaktionen wurden nur mit einem Handschlag besiegelt. Heute ist das nicht mehr der Fall.“ Ein harter Schlag war die Mitteilung Ende vergangenen Jahres, dass die 80 Jahre alte Antwerp Diamond Bank, einer der wichtigen Finanzierer, nach einem missglückten Verkaufsversuch an eine chinesische Bank geschlossen wird. De Beers ermöglicht seinen direkten Kunden, den „Sightholders“, mittlerweile spätere Zahlungstermine. Der russische Alrosa-Konzern dürfte dem Beispiel folgen.

          „Es wird zu einigen radikalen Veränderungen kommen“, sagt Dippenaar. Diese beträfen weniger die Minenkonzerne als die so genannte Pipeline, die von den Händlern, Schleifern bis zu den Juwelieren reicht. Betriebe mit Finanzierungsschwierigkeiten müssten aufgeben. Gleichzeitig drängten große Schmuckhäuser wie Tiffany’s auf ihre Plätze, weil in den frühen Stadien der Diamantenverarbeitung die größte Wertschöpfung stattfindet. „Es sind turbulente Zeiten, aber am Ende wird die Branche gestärkt sein.“

          Weltweit gibt es nur 30 Diamantenminen

          Auf dem Diamantenmarkt deutet sich aus seiner Sicht bereits eine Besserung an. „Wir erwarten weiterhin Schwankungen, aber der Markt wird sich bis Juni voraussichtlich festigen.“ Wie die anderen Diamantenkonzerne setzt Petra langfristig auf die Schmuckbegeisterung einer wachsenden Mittelschicht in China und anderen Schwellenländern. Gleichzeitig nimmt das Angebot am Weltmarkt ab. Seit 2005 sank die internationale Produktion nach Unternehmensangaben um 27 Prozent auf 130 Millionen Karat. Obwohl viele Milliarden in Explorationsprojekte geflossen sind, wurden seit den frühen neunziger Jahren keine neuen Lagerstätten für Diamanten mehr gefunden. Selbst wenn es neue Quellen gäbe, wäre der Aufbau einer Mine sehr teuer, und es würde vermutlich sieben bis 14 Jahre dauern, bis der erste Diamant gefördert wird.

          Ungeachtet der Schwäche am Rohstoffmarkt investiert Petra wie andere Minenkonzerne daher kräftig in die bestehenden Minen, um ihre Lebensdauer zu verlängern. Man halte auch permanent nach Übernahmeobjekten Ausschau, sagt der Petra-Chef. Das Angebot sei aber äußerst begrenzt. Auf der ganzen Welt gibt es nur 30 Diamantminen, im südlichen Afrika, in Kanada, Australien und Russland. Petra Diamonds hat zwischen 2007 und 2011 fünf Bergwerke von De Beers übernommen, darunter auch die berühmte Cullinan-Mine. „Das war ein Glücksgriff“, sagt Dippenaar, „den es wohl nicht so schnell wieder geben wird.“

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