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Devisenmarktbericht : Rückenwind für den Dollar

  • -Aktualisiert am

Umdenken in der amerikanischen Geldpolitik: Fed-Präsident Ben Bernanke beim Verlassen des amerikanischen Finanzministeriums Bild: AFP

Niemand hat in den vergangenen Jahren der amerikanischen Notenbank geglaubt, dass sie an einem starken Dollar interessiert ist. Doch nun rückt für die amerikanischen Geldpolitiker die Bekämpfung der Inflation in den Vordergrund. Der Politikwechsel zeigt schon Wirkung.

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          Schon seit Jahren wiederholen Vertreter der amerikanischen Regierung gebetsmühlenhaft, dass ein starker Dollar im Interesse der amerikanischen Wirtschaft liege. Geglaubt hat diesen Beteuerungen an den Devisenmärkten kaum jemand - ist doch der Dollar bis vor kurzem gegenüber vielen Währungen auf immer neue Tiefs abgesackt.

          Seit Ben Bernanke, der Chef der amerikanischen Notenbank Fed, vor ein paar Tagen aber dargelegt hat, dass eine weitere Abwertung des Dollar wegen des davon ausgehenden Inflationsdrucks unerwünscht sei, hören die Devisenhändler plötzlich wieder hin. Weithin herrscht seither die Einschätzung vor, dass es die amerikanische Politik mit ihrem Bekenntnis zur Dollar-Stärke ernst meine.

          Bekämpfung der Inflation im Vordergrund

          „Bis vor kurzem war es der amerikanischen Politik ganz recht, wenn der Dollar abwertete - weil dies den Export und damit das Wirtschaftswachstum stimulierte“, erläutert Michael Klawitter, ein Währungsstratege bei Dresdner Kleinwort. Nun aber sei für die Fed, ähnlich wie für viele andere Notenbanken, die Bekämpfung der Inflation in den Vordergrund gerückt. An den Terminmärkten gilt inzwischen als so gut wie sicher, dass die Fed den Dollar-Leitzins demnächst von jetzt 2 auf 2,25 Prozent anhebt.

          Das Regierungstreffen der acht führenden Industrienationen (G 8) am Wochenende in Osaka habe diesen Eindruck bestärkt, sagt Eugen Keller, der bei der Privatbank Metzler die Finanzmarktforschung leitet. Schließlich habe die G 8 herausgestellt, dass die größten Risiken für Stabilität und Wachstum derzeit vom Anstieg des Ölpreises ausgingen.

          Der Dollar treibt den Ölpreis hoch

          Der Ölpreis aber werde zurzeit vor allem vom Auf und Ab des Dollar bestimmt: Verliere der Dollar an Wert, treibe dies den Ölpreis nach oben - was wiederum die Inflation rund um den Globus anheize. Um Ölpreisanstieg und Inflation zu dämpfen, gelte es somit, den Dollar zumindest zu stabilisieren. Für Klawitter hat die G 8 sogar angedeutet, dass sie dazu auch in den Devisenmarkt eingreifen könnte. So heiße es im Kommuniqué, man werde „individuell und gemeinsam“ geeignete Maßnahmen ergreifen, um Stabilität sicherzustellen.

          Dem Dollar hat die neue Einschätzung der Märkte in letzter Zeit einigen Auftrieb verschafft. Allerdings haben schlechte Konjunkturdaten den Dollar zwischenzeitlich auch wieder gedrückt - was den Ölpreis am Montag prompt auf ein neues Rekordhoch springen ließ.

          Bewegte Zeiten auch für den Euro

          Auch der Euro durchlief ein Wechselbad der Gefühle: Die hohe Inflationsrate im Euro-Raum nährte die Spekulationen auf eine Leitzinserhöhung im Juli; das wirkte in Richtung Aufwertung. Hingegen brachten das „Nein“ der Iren zum Lissabon-Vertrag und der jüngste Fall des ZEW-Konjunkturbarometers den Euro unter Druck. In diesem Spannungsfeld bewegte sich der Euro am Dienstag um die Marke von 1,55 Dollar.

          Zum Euro zuletzt stark abgewertet hat der japanische Yen. Am Dienstag mussten zeitweise fast 168 Yen für den Euro gezahlt werden, fast so viel wie im vergangenen Juli, als der Euro mit 168,95 Yen ein Rekordhoch erreichte. Klawitter führt die Yen-Schwäche vor allem auf den Vorsprung der Euro- vor den Yen-Zinsen zurück; dies veranlasse japanische Sparer, Geld im Euro-Raum anzulegen. Für Keller spielt zudem der Anstieg des Ölpreises eine Rolle; die japanische Wirtschaft werde davon besonders stark belastet, das schwäche den Yen.

          Mit dem Yen hat auch der Renminbi abgewertet

          Neben dem Yen haben in letzter Zeit die meisten asiatischen Währungen zum Euro abgewertet. Beim chinesischen Renminbi beträgt die Abwertung seit Jahresbeginn zwar nur 0,2 Prozent, doch hat der Hongkong-Dollar zum Euro fast 6 Prozent an Wert verloren. Bei der indischen Rupie und dem südkoreanischen Won betragen die Einbußen 13 Prozent, beim thailändischen Baht 15 Prozent.

          Für die Wirtschaft des Euro-Raums bedeutet dies, dass sich ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber diesen Ländern verschlechtert. Allerdings meinen sowohl Keller als auch Klawitter, dass sich die Konjunktur im Euro-Raum in der zweiten Jahreshälfte deutlich abkühlen wird. Das dürfte dann auch den Euro abwerten lassen, zumindest gegenüber dem Dollar. Keller sieht den Euro deshalb zu Jahresende bei 1,42 Dollar, Klawitter bei 1,40 bis 1,45 Dollar.

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