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Devisenmarkt : Zloty gibt gegen den Euro weiter nach

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Bild: FAZ.NET

Befand sich die polnische Währung in den Jahren 2004 und 2005 in einem Aufwertungstrend gegen den Euro, so hat sich das inzwischen geändert. Kurzfristig steht sie weiterhin unter Druck, auch wenn es fundamental nicht zu schlecht aussieht.

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          Die polnische Währung ist auch nicht mehr das, was sie einmal war. Denn im Zusammenhang mit der zunehmenden Risikoaversion in den vergangenen Wochen und den dadurch implizierten Korrekturen kam auch der Zloy unter die Räder und hat zumindest gegen den Euro den Aufwertungstrend der vergangenen beiden Jahre längst durchbrochen.

          Waren im Februar des laufenden Jahres 3,9729 Zloty nötig, um einen Euro erwerben zu können, so kostet der Euro inzwischen 4,1044 Zloty. Das ist ein Plus von 3,3 Prozent innerhalb relativ kurzer Zeit. Gegen den Dollar ist der langfristige Trend zwar noch intakt, allerdings zeichnet sich schon seit Monaten so etwas wie eine Konsolidierung ab.

          Spekulationen um die Finanzministerin

          Gegen den Euro geht der Wechselkurs alleine am Freitag um 236 Stellen nach oben. Hintergrund sind Spekulationen, daß die Finanzministerin des Landes, Zyta Gilowska, abgesetzt werden könnte, falls gegen sie Anklage wegen Meineides erhoben werden sollte. Jeder, der in Polen ein öffentliches Amt anstrebt, muß eine Erklärung unterschreiben, in der kommunistischen Ära nicht mit den Geheimdiensten zusammengearbeitet zu haben. Genau das aber ist jetzt umstritten.

          Solche Überlegungen mögen zu kurzfristigen Effekten führen. Mittel- und langfristig scheint es jedoch auch Bedenken zu geben, das Wachstum könne nachlassen, wenn die Zentralbanken weltweit die Zinsen weiter erhöhen sollten.

          Dabei sieht es zumindest bisher in Polen gar nicht so schlecht aus. Denn die Regierung hat die Wachstumsprognosen für das laufende Jahr von zuvor 4,6 auf 4,7 bis 4,8 Prozent angehoben. Und die Arbeitslosigkeit ist im Mai den dritten Monat in Folge gefallen auf 16,5 Prozent und damit den tiefsten Stand seit mehr als fünf Jahren. Kurzfristig mögen dafür saisonale Gründe verantwortlich sein, mittelfristig zeigt der Trend jedoch eindeutig nach unten. Im Februar des Jahres 2002 war noch eine Arbeitslosenrate von etwas mehr als 20 Prozent verbucht worden. Gleichzeitig haben auch die Einzelhandelsumsätze im Mai mit einem Plus von 13,7 Prozent angezogen.

          Aktien und Anleihen optisch interessant, aber nicht en vogue

          Mit einer Rendite von 5,945 Prozent bieten zehnjährige polnische Staatsanleihen im internationalen Vergleich eine relativ interessante Rendite. Gleichzeitig scheint sich in Polen bei einer anhaltend tiefen Inflationsrate keine Zinserhöhung abzuzeichnen. Auf dieser Basis wären die Papiere grundsätzlich zwar relativ interessant, allerdings scheint im Moment das globale Umfeld - restriktive Notenbanken und mögliche konjunkturelle Abkühlung in den Vereinigten Staaten - dagegen zu sprechen, auf sie zu setzen. Ähnliches dürfte auch für die Aktien des Landes gelten, auch wenn sie mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp zwölf auf Basis der Gewinnschätzungen optisch relativ attraktiv aussehen mögen.

          Insgesamt befindet sich die polnische Währung gegen den Euro kurzfristig aufgrund des reduzierten Risikoappetits der internationalen Anleger in der Defensive. Sollte der „Hunger“ jedoch wieder kommen, dürften die Finanzmärkte und damit auch die Währung des Landes wieder gewisse Reize haben.

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