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Devisenmarkt : Zloty bricht durch den Aufwertungstrend

  • Aktualisiert am

Zloty-Schein mit Papstbildnis Bild: AFP

Die polnische Währung befindet sich kurzfristig in der Defensive. Die Finanzmärkte sind verunsichert über den künftigen Kurs der Zentralbank und aufgrund der gegenwärtigen Reduktion der so genannten Carry Trades.

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          Nach einer ausgeprägten Aufwertungsphase in den Jahren 2004 und 2005 scheint der polnische Zloty gegen den Euro danach an seine Grenzen gestoßen zu sein. Denn in den vergangenen Monaten kam es zunächst im Rahmen der vorübergehenden Risikoaversion der Anleger zunächst zu einer Konsolidierung von 3,76 Zloty je Euro auf bis zu 4,1067 Zloty von Februar bis Juni, bevor sie sich in der zweiten Jahreshälfte wieder etwas stärker zeigte.

          In den vergangenen Tagen vollzog die Währung allerdings wieder eine Kehrtwende und hat den kurzfristigen Aufwertungstrend inzwischen wieder durchbrochen. Seit einem Kurstief bei 3,7824 Zloty Mitte Dezember hat die Währung auf zuletzt 3,8962 Zloty je Euro abgewertet. Alleine in den vergangenen drei Tagen hat sie um insgesamt 1,9 Prozent nachgegeben.

          Finanzmärkte verunsichert über den künftigen Kurs der Zentralbank ...

          Hintergrund scheint einerseits die Ernennung von Slawomir Skrzypek als Kandidat für den Chefposten der Zentralbank das Landes zu sein. Er war bisher Vorstand von Powszechna Kasa Oszczednosci Bank Polski, der größten Bank des Landes. Er sagte, er „werde sowohl die Währung als auch das Wachstum des Landes schützen, solange die Inflationsentwicklung kein Problem sei“. Allerdings scheint der Markt noch nicht zu wissen, was er darunter zu verstehen hat und reagiert kurzfristig entsprechend verunsichert.

          Strebte der bisherige Notenbankchef Leszek Balcerowicz eine restriktivere Finanzpolitik und möglichst rasche Einführung des Euro auch in Polen an, sei scheine bei der Ernennung Skrzypeks - die Wahl für sechs Jahre scheint angesichts der Mehrheitsverhältnisse gesichert zu sein - weniger auf die geldpolitische Kompetenz denn auf die politische Beeinflussbarkeit geachtet worden zu sein, heißt es. Der noch amtierende Notenbankchef äußerte öffentlich Zweifel an der Kompetenz des Kandidaten.

          ... und aufgrund der gegenwärtigen Reduktion der so genannten Carry Trades

          Nicht nur die landesspezifische Verunsicherung scheint jedoch für die gegenwärtige Kursentwicklung der Währung verantwortlich zu sein, sondern inzwischen deutet sich entgegen der allerersten Tendenzen zu Jahresbeginn, so etwas die die Reduktion oder gar Liquidierung der so genannten Carry Trades ab. Das zeigt sich nicht nur an den zumindest kurzfristigen Korrekturen bei den extrem exponierten Währungspaaren wie Euro-Yen und Euro-Schweiz, sondern eben auch bei Währungen wie dem südafrikanischen Rand und dem Zloty.

          Diese Tendenzen - auch die Korrektur an den Rohstoffmärkten - könnten sich noch verstärken, sollte die amerikanische Konjunktur weiter schwächeln. Das ließe sich beispielsweise von einem schwachen Arbeitsmarktbericht am Freitagnachmittag ablesen. Insgesamt dürfte der Risikoappetit und die Dynamik der Börsen nach oben erst wieder aufleben müssen, bevor der Zloty wieder Rückenwind erhalten kann.

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