https://www.faz.net/-gv6-150k9

Devisenmarkt : Wird der Schweizer Franken zum D-Mark-Ersatz?

  • Aktualisiert am

Bild: UBS FX Strategy

Der Schweizer Franken wertet stark auf. Die Schweizer Zentralbank hält mit massivsten Interventionen dagegen. Die wirken aber nicht, sondern laden Spekulanten ein. UBS-Analysten denken, der harte Franken werde zum D-Mark-Ersatz.

          Während der Euro seit Anfang Dezember des vergangenen Jahres gegen den Dollar 20 Prozent abgewertet hat, legt der Schweizer Franken in derselben Periode rund zehn Prozent zu. Mit Kursen von bis zu 1,3743 Franken je Euro hat die Schweizer Währung am Mittwoch im Verhältnis zur europäischen Einheitswährung ein neues Rekordniveau erreicht.

          Diese Kursentwicklung ist nicht nur auf die allgemeine Verunsicherung der Anleger und auf die unkonventionellen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank zurückzuführen, die Anleger auf der Suche nach sicheren Häfen und aus Sorge über eine inflationäre Entwicklung in den Schweizer Franken treibt. Sondern zum Teil geht sie auch auf verfrühte Interventionen der Schweizer Zentralbank zurück.

          Interventionen der Schweizer Zentralbank haben nicht gewirkt

          Sie versuchte zunächst mit massiven Käufen, den Kurs auf einem Niveau von 1,43 Franken je Euro gegen einen weiteren Verfall zu schützen. In diesem Rahmen warf sie riesige Frankenbeträge auf den Markt und sammelte alleine im Mai Währungsreserven im Gegenwert von rund 80 Milliarden Franken an. Das war das Dreifache dessen, was in früheren Interventionen monatlich jemals aufgewendet worden war. Die Währungsreserven der Schweiz erreichten zuletzt eine Größenordnung von unerhörten 40 Prozent der Wirtschaftsleistung.

          Allerdings haben diese Interventionen bisher nichts bewirkt. Im Gegenteil, sie stellten förmlich eine Einladung an die Banken und Spekulanten dar, gegen die Zentralbank zu spekulieren. Denn da die Nationalbank nicht lange in diese Dimension intervenieren kann, ohne die Entwicklung der Geldmenge im Binnenmarkt völlig außer Kontrolle geraten zu lassen, war absehbar, dass sie nicht wirken würden. Einzelne Bankinstitute wie etwa J.P.Morgan Chase machen sich sogar lustig über die Strategie der Zentralbank. Die Investmentbank hält jede Erholungsbewegung des Euro gegen den Franken für eine weitere Verkaufsgelegenheit und empfiehlt sogar den Kauf so genannter One-Touch-Optionen mit Ausübungswerten von bis zu 1,25 Franken je Euro.

          Währungs-, Gold- und IWF-Reserven in Höhe von 262 Milliarden Dollar machten die Schweizer Zentralbank zu einer der wichtigsten Vermögensverwalterin im öffentlichen Bereich weltweit und machten den Franken zu einer Hartwährung, erklären die Währungsanalysten der UBS. Er werde zum Mark-Ersatz, nachdem die Stärke der Deutschen Mark zu Zeiten der Bundesbank durch hohe Währungsreserven und Goldbestände gesichert worden sei. Die UBS-Analysten gehen davon aus, dass die Schuldenkrise in den Jahren 2010 bis 2020 zu einer dauerhaft starken Nachfrage nach Franken führen werde, da er von vielen Anlegern als Ersatz zur starken D-Mark betrachtet werde.

          Wird der Franken zum D-Mark-Ersatz?

          Der Franken werde schließlich auch deshalb stark bleiben, weil der Kursrückgang des Euro die deutsche Exportindustrie beflügeln. Diese wiederum werde in ihrem Boom immer mehr hochwertige Güter in der Schweiz einkaufen und auf diese Weise sowohl die Handelsbilanz als auch den Kurs des Franken stärken.

          Ob solche Argumente tatsächlich tragen können, wird sich erst noch zeigen müssen. Fakt ist allerdings, dass sich die Schweizer Wirtschaft vergleichsweise robust entwickelt, dass die Schweizer Großbanken ihre Vermögensbestände im Ausland abbauen und Mittel repatriieren und dass nervöse Anleger auf der Suche nach scheinbar sicheren Häfen in den Franken strömen. Zusammen genommen hat das nicht nur zur Aufwertung der vergangenen Wochen geführt, sondern kann sie kurzfristig möglicherweise sogar noch etwas weiter tragen.

          Sobald sich die Lage an den Finanzmärkten jedoch etwas beruhigt, dürfte es zu deutlichen Gegenbewegungen kommen. Denn die „Franken-Eurphorie“ ist derzeit sehr ausgeprägt.

          Weitere Themen

          Fed am Wendepunkt

          Zinssenkung erwartet : Fed am Wendepunkt

          Alle rechnen heute Abend mit einer Zinssenkung der amerikanischen Notenbank. Mit Spannung erwarten sie die Lageeinschätzung des Präsidenten Jerome Powell. Der allerdings steht unter Druck – Trump wirft ihm Ahnungslosigkeit vor.

          Topmeldungen

          Künast hat sich bei zahlreichen Gelegenheiten von der früheren Position mancher Grüner distanziert.

          Hass-Posts gegen Renate Künast : Erlaubt ist alles

          „Stück Scheiße“, „Schlampe“, „Drecksau“ – solche und noch krassere Kommentare prasselten auf Renate Künast ein. Das Landgericht Berlin sieht darin keine persönliche Schmähung, sondern nur zulässige Sachkritik.
          Die Stadt Sassnitz auf der Insel Rügen hat etwa 9000 Einwohner.

          SPD kooperiert mit AfD : „Ich habe da kein schlechtes Gewissen“

          Immer wieder hat die SPD in Bund und Ländern bekräftigt, mit der AfD nicht zusammenarbeiten zu wollen. In Sassnitz auf Rügen reichen die beiden Parteien aber jetzt gleich sieben Anträge gemeinsam ein.

          Prozess um Steuerskandal : Streit über Rolle der Depotbank im Cum-Ex-Wirrwarr

          Der aktuelle Cum-Ex-Prozess am Landgericht Bonn wirft Fragen auf: Wer hätte wann Steuern einziehen sollen? Und wer hätte das wissen müssen? M.M.Warburg und die Deutsche Bank liegen in ihrer Einschätzung sehr weit auseinander.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.