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Devisenmarkt : Wird der „Kiwi-Dollar“ demnächst „geröstet“?

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Der Neuseeland-Dollar profitierte in den vergangenen Jahren vom Zinsvorsprung zu anderen Währungen. Wegen der schwächelnden Wirtschaft im Land am anderen Ende der Welt und des Leistungsbilanzdefizits wird er kritisch betrachtet.

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          Der für Carry-Trades beliebte neuseeländische Dollar steht nach Ansicht von Währungsexperten vor deutlichen Verlusten. Strategen unter anderem von BlackRock, DWS Investment und Citigroup erwarten, dass eine Abkühlung der Konjunktur die Notenbank zu massiven Zinssenkungen bewegen wird. Zudem dürften in den kommenden Monaten die Preise gerade der Rohstoffe fallen, die für die Exportwirtschaft des Landes wichtig sind.

          Seit seinem Rekordhoch vom 14. März bei 82,14 amerikanischen Cent hat der Kiwi gegenüber dem Greenback inzwischen sechs Prozent seines Werts eingebüßt. Am Montag fiel er 0,2 Prozent auf 77,56 amerikanische Cent. Die Währung Australiens, des wichtigsten Handelspartners Neuseelands, kletterte hingegen auf ein 24-Jahres-Hoch bei 95,71 amerikanischen Cent. Zum Euro war der Neuseeland-Dollar 0,1 Prozent höher bei 49,65 neuseeländischen Cent. Bis Jahresende prognostiziert BlackRock für den Kiwi einen Rückgang auf 73,50 amerikanische Cent. Der Fondsanbieter hält nach Worten Millers eine „bescheidene“ Verkaufsposition.

          Devisenanalysten betrachten die Währung Neuseelands skeptisch

          RBC Capital Markets, eine Tochter der Royal Bank of Canada, empfiehlt Investoren, den neuseeländischen Dollar zu verkaufen und dafür in den australischen Dollar einzusteigen. RBC- Analysten begründeten dies damit, dass die rasch wachsende Volkswirtschaft Chinas vor allem die Rohstoffe benötige, die Australien liefert, etwa Eisenerz und Kohle, und weniger die landwirtschaftlichen Exporte Neuseelands.

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          Unter allen 32 von Bloomberg befragten Devisenstrategen hat Lehman Brothers die pessimistischste Schätzung für den Kiwi abgegeben: Eine konjunkturelle Abkühlung werde die Währung bis Jahresende um 17 Prozent auf 64 amerikanische Cent drücken. Im Median liegt der Ausblick bei 74 amerikanische Cent. Morgan Stanley bekräftigte diesen Monat die Empfehlung, den Neuseeland-Dollar gegen den Euro zu verkaufen.

          Anlagen in Neuseelands Währung haben seit Mai 1998 aus Sicht eines amerikanische Investors eine Rendite von 174 Prozent gebracht, so viel wie keine andere Devise der Welt. Dabei sind Kursgewinne und Zinserträge durch Investments auf dem Rentenmarkt des Landes berücksichtigt. Zum Stichtag 30. April hielten Ausländer einen Rekordanteil von 71,8 Prozent der neuseeländischen Staatsanleihen, zeigen Daten der Zentralbank. Vor fünf Jahren waren 45,8 Prozent in ausländischer Hand.

          BlackRock und DWS, die Fonds-Tochter der Deutschen Bank, verweisen darauf, dass der Verkauf von Eigenheimen in Neuseeland im April auf ein 16-Jahres-Tief zurückging. Die Beschäftigtenquote fiel so deutlich wie zuletzt 1989. „Die Verfassung der Wirtschaft sieht ziemlich schlimm aus“, sagte Stephen Miller, aus dem Büro von BlackRock in Sydney. „Die Zentralbank dürfte den Leitzins senken, und zwar offensiv.“ Sowohl BlackRock als auch DWS haben Positionen im Neuseeland- Dollar abgebaut. Die Citigroup schrieb, der „Sinkflug des Vogels“ werde voraussichtlich ungeordnet verlaufen, der Kiwi werde nunmehr „geröstet“.

          Der Markt rechnet mit Zinssenkungen

          Dabei ist der sogenannte Kiwi-Dollar offenbar Opfer des eigenen Erfolgs: Dass die Notenbank den Leitzins seit 2004 dreizehn mal auf 8,25 Prozent erhöhte, machte die nach dem Bild des Nationalvogels auf der Ein-Dollar-Münze bezeichnete Währung nicht nur bei Investoren beliebter. Auch die Hypothekenzinsen stiegen und ließen den Verbrauchern immer weniger Geld für Konsum. Gleichzeitig drückt der Anstieg der Währung auf den Gewinn der Exportwirtschaft. Von Bloomberg befragte Volkswirte rechnen damit, dass das Wirtschaftswachstum 2008 auf 1,5 Prozent zurückgehen wird. Vergangenes Jahr lag es bei 3,1 Prozent.

          Einem Index der Credit Suisse Group zufolge, der auf Basis der Preise von Zins-Derivaten berechnet wird, dürfte die Reserve Bank of New Zealand den Leitzins in den kommenden zwölf Monaten rund 1,25 Prozentpunkte senken. Für die amerikanische Notenbank Federal Reserve signalisieren ähnliche Indizes eine Anhebung der Zinsen auf 2,5 Prozent, während die Reserve Bank of Australia ihren Benchmark-Satz bei 7,25 Prozent belassen dürfte. Dadurch verlieren neuseeländische Anleihen im Vergleich an Attraktivität, was wiederum die Nachfrage nach der Währung verringert. „Die Währung dürfte in dem Maße verlieren, in dem der Zinsvorsprung schrumpft“, sagte Marc Kersten von der DWS in Frankfurt.

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