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Devisenmarkt : Was bei einer Freigabe des Renminbi passieren dürfte

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Bild: Commerzbank

China hat zuletzt mehr Flexibilität bei der Reform der Landeswährung Renminbi signalisiert. Der Frage, welche Folgen so ein Schritt für die Finanzmärkte und die Weltwirtschaft haben könnte, geht die Commerzbank in einer Studie nach.

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          Bis jetzt ist die chinesische Landeswährung noch immer nicht frei konvertierbar. Vielmehr wird der Wechselkurs nach wie vor kontrolliert. Im Sprachgebrauch der Regierung handelt es sich dabei um ein „Managed Floating“: Will heißen: Der Wechselkurs ist zwar grundsätzlich flexibel, die Zentralbank kann aber intervenieren.

          Seit geraumer Zeit gibt es aber immer wieder Hinweise darauf, dass sich die Chinesen künftig flexibler zeigen werden und wie ein auf ein Rekordhoch zum Dollar gestiegener Renminbi signalisiert, ist das auch schon der Fall. Langfristig ist es ohnehin das erklärte Ziel, aus dem Renminbi eine international genutzte Währung zu machen. In diese Richtung ging jüngst beispielsweise auch ein Aufsatz von Guan Tao. Der Chef der Abteilung für internationalen Zahlungsverkehr der Währungsaufsicht des Landes bezeichnete darin die Marktbedingungen für eine Bewegung des Renminbi in beide Richtungen als „reif“.

          Ähnlich sehen das auch Ashley Davies und Ulrich Leuchtmann. Die beiden Commerzbank-Analysten gehen in einer Studie vom Freitag von einer rascheren Flexibilisierung des starren Wechselkursregimes aus als die meisten Marktteilnehmer momentan erwarten. Weil es sich bei so einem Schritt aber um eine äußerst wichtige Veränderung im globalen Finanzgefüge handelt, ist die Frage spannend, was ein derartiger Wechsel für Konsequenzen nach sich ziehen könnte.

          Davies und Leuchtmann haben sich dazu Gedanken gemacht. Bei ihren Überlegungen weisen sie zunächst auf den deutlichen Überschuss in der chinesischen Leistungs- und Kapitalbilanz hin. Die daraus resultierenden Fremdwährungen landen bei der Zentralbank, die diese als Währungsreserven hortet oder im Ausland anlegt. Unter dem Strich werden so die Überschüsse von Leistungs- und Kapitalbilanz durch den Aufbau von Devisenreserven ausgeglichen.

          Wohin fließt das Kapital nach einer Liberalisierung des Kapitalverkehrs?

          Derzeit rechnen die meisten Marktteilnehmer bei einer Freigabe des Renminbi mit einer starken Aufwertung. Dafür spricht die Annahme eines deutlich steigenden Angebots an ausländischen Währungen, wenn die Nationalbank nicht mehr durch Interventionen die Fremdwährungsbestände abziehen sollte.

          Schwieriger wird es laut Davies und Leuchtmann aber die langfristigen Effekte zu beurteilen. Vermutlich werde es auf lange Sicht darauf ankommen, wie sich die Zahlungsbilanz Chinas nach der Freigabe des Kapitalverkehrs verschiebt. Wenn nicht mehr die Zentralbank die Überschüsse von Leistungs- und Kapitalbilanz durch den Aufbau von Devisenreserven ausgleiche, müsse entweder die Leistungsbilanz oder die Kapitalbilanz ins Defizit rutschen. China muss also entweder vom Netto-Exporteur von Gütern zum Netto-Importeur werden, oder es muss mehr Kapital exportieren als importieren.

          Warum die Chinesen so viel sparen

          Welches Szenario wahrscheinlicher ist, hängt nach Ansicht der Commezbank-Experten davon ab, ob eine Liberalisierung die äußerst hohe gesamtwirtschaftliche Sparquote Chinas merklich fallen und damit weniger Mittel für Investitionen im Ausland bereit stehen würden. Mit 52 Prozent lag die Sparquote Chinas deutlich über der anderer „BRIC“-Länder und deutlich über dem Welt-Durchschnitt (siehe Grafiken). Davies und Leuchtmann halten es dabei für unwahrscheinlich, dass die hohe Sparquote deutlich sinken wird:

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