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Devisenmarkt : Wahl hält Kanadas Währung auf hohem Niveau

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Nachdem die konservative Partei von Premierminister Stephen Harper in Kanada offensichtlich eine absolute Mehrheit eingefahren hat, rechnet der Markt mit einem starken Kanada-Dollar. Die Korrekturrisiken bleiben aber trotzdem beachtlich.

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          Kanadas Währung gehört seit dem Aufkommen des allgemeinen Energie- und Rohstoffbooms unter den Anlegern zu den stärksten weltweit. Das zeigt sich unter anderem im Verhältnis zur Währung der Vereinigten Staaten. Hatte der kanadische Dollar vom Sommer des Jahres 1976 bis in den Januar des Jahres 2002 im langfristigen Trend von 96 kanadischen Cents auf bis zu 1,61 kanadischen Dollar je amerikanischem Dollar abgewertet, so wurde diese Bewegung in den Jahren danach komplett gemacht.

          Nur kurz unterbrochen von den Kursturbulenzen der Wirtschafts- und Finanzkrise fiel der Kurs von 1,61 auf zuletzt 95,38 kanadische Dollar je Einheit der amerikanischen Währung. Damit liegt der Kurs kurz vor dem Allzeittief, das er im November des Jahres 2011 erreicht hatte.

          Kanadas Zentralbank dämpft die Zinsphantasie

          Damals waren nur 93,47 kanadische Cents nötig gewesen, um im professionellen Handel einen Greenback erwerben zu können. Nicht nur gegen die Währung des nordamerikanischen Nachbarstaates wertete die kanadische Währung in den vergangenen Jahren auf, sondern selbst gegen den Euro legte er zumindest im langfristigen Trend zu.

          Bild: F.A.Z.

          Allerdings war diese Kursentwicklung in den vergangenen zehn Jahren deutlich volatiler als gegen den Dollar. Gerade auch in den vergangenen zwölf Monaten neigte der Kurs der kanadischen Währung gegen die europäische zu einer Konsolidierung. Dafür sind einerseits Zinserwartungen verantwortlich. Denn während die kanadische Zentralbank nach einer drei Zinserhöhungsschritten von 0,25 auf ein Prozent unter anderem wegen der dämpfenden Wirkung der starken Währung zunächst zu einer Zinspause übergegangen ist, deuten sich in Europa nach der jüngsten Zinserhöhung weitere Zinsschritte an.

          Auf der anderen Seite jedoch steht ein überhitzter Rohstoffmarkt. Sollte es zur längst überfälligen Preiskorrektur kommen, würde das auch die Perspektiven der kanadischen Währung eintrüben. Sie mag kurzfristig zwar etwas Phantasie dadurch erhalten, dass bei der jüngsten Parlamentswahl die Konservative Partei von Premierminister Stephen Harper Hochrechnungen zufolge eine absolute Mehrheit eingefahren hat. Nach Fernsehangaben vom Dienstag errang sie bei dem Urnengang am Vortag 166 von 308 Sitzen. Kanada könne nun „eine neue Seite aufschlagen“, sagte Harper in einer ersten Reaktion auf das voraussichtliche Ergebnis. „Die Kanadier haben die Hoffnung gewählt, ein geeintes und starkes Kanada.“ Er wolle „für alle Kanadier regieren, auch für diejenigen, die uns nicht gewählt haben“, fügte Harper hinzu.

          Risiken aufgrund einer Hauspreisblase

          Die Märkte erwarten eine Fortsetzung der Politik, die Kanada vergleichsweise gut durch die Krise gebracht habe, wie es heißt. Tatsächlich profitierte das Land zuletzt vom allgemeinen Rohstoffboom und den gewaltigen geld- und fiskalpolitischen Stimulierungen in aller Welt. Sie haben dazu geführt, dass sich die kanadische Wirtschaft rasch aus ihrer Rezession erholte und Jahreswachstumsraten von bis zu 4,2 Prozent im August des vergangenen Jahres erreichen konnte. Allerdings gingen sie danach im Trend wieder zurück, während die Preise anzogen.

          Die kanadische Wirtschaft verfüge weiterhin über beachtliche überschüssige Kapazitäten erklärte die Zentralbank zuletzt, während die Arbeitslosenquote lag zuletzt im Februar bei beachtlichen 7,8 Prozent. Das brachte die konservative Partei des Landes zum Versprechen, die fragile Wirtschaft mit Steueranreizen für Unternehmen zu stützen. Allerdings gibt es Zweifel, ob die mehr bringen, als Mitnahmeeffekte. Denn faktisch haben die amerikanischen Konsumenten in den vergangenen Jahren auf Kredit gelebt und riesige Schulden angehäuft. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten konnte zwar bisher das Platzen der ausgeprägten Haupreisblase vermieden werden. Selbst jedoch wenn das auch künftig der Fall sein sollte, wird es kaum möglich sein, die Entwicklung weiter auszureizen. In diesem Sinne bleibt die Phantasie für das kanadische Wachstum und damit für die Währung begrenzt, während die Korrekturrisiken beachtlich sind.

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