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Devisenmarkt : Überraschende Zinserhöhung stützt die isländische Krone

  • Aktualisiert am

In Island laufen Preise und Löhne weiter heiß Bild: AP

Die Notenbank in Island hat überraschend die Leitzinsen angehoben. Die Landeswährung reagiert auf den Schritt mit deutlichen Kursgewinnen.

          Im Gegensatz zur erwarteten Zinssenkung der amerikanischen Zentralbank überraschte in Island die Notenbank die Marktakteure am Donnerstag mit einer unerwarteten Zinserhöhung. Konkret wurde der Leitzins um 45 Basispunkte auf rekordhohe 13,75 Prozent erhöht.

          Gleichzeitig wurde mitgeteilt, in einer außerplanmäßigen Sitzung im kommenden Monat (20. Dezember) werde man sehen müssen, ob ein weiterer Zinsschritt erforderlich ist oder nicht. Zudem wurde die Schätzung für den durchschnittlichen Zinssatz im kommenden Jahr von bisher 12,4 Prozent auf 13,3 Prozent angehoben. Die Prognose für 2009 wurde dagegen von 7,3 Prozent auf 6,7 Prozent gesenkt.

          Inflationsziel erst 2009 zu erreichen

          Die Notenbank rechnet außerdem im kommenden Jahr mit einer Inflationsrate von durchschnittlich 4,1 Prozent und damit, dass die angestrebte Zielgröße von 2,5 Prozent im dritten Quartal 2009 erreicht wird. Angehoben wurde die Prognose für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr und zwar von 0,2 Prozent auf 0,9 Prozent. 2008 wird dann mit einem Plus von 0,4 Prozent kalkuliert und 2009 mit einem Minus von zwei Prozent.

          Die traditionell relativ volatile isländische Krone reagierte auf die Maßnahme mit deutlichen Kursgewinnen. Gegenüber dem Euro kletterte ihr Wert um zwei Prozent auf 84,79 Kronen. Gleichzeitig erhöhte sich die Rendite der bis Juni 2009 laufenden isländische Kronen-Anleihen um 39 Basispunkte auf 13,78 Prozent.

          Analysten auf dem Holzweg

          Wie überraschend der Beschluss gekommen ist, zeigt sich daran, dass im Vorfeld alle acht von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragten Volkswirte unveränderte Zinsen vorhergesagt hatten. Bei Glitnir Research hatten die Verantwortlichen am Vortag in einer Studie sogar damit gerechnet, dass die Leitzinsen bis in den kommende Jahr hinein unverändert bleiben und dann im Mai eine erste Zinssenkung auf 13,0 Prozent prognostiziert.

          Die Notenbank sah sich aber zu einer anderen Vorgehensweise gezwungen und begründeten das mit der Inflationsrate. Die Konsumentenpreise stiegen im Oktober um 4,5 Prozent nach 4,2 Prozent im September und die Teuerungsrate bewegt sich damit schon seit April 2004 über dem von der Zentralbank angestrebten Zielniveau von 2,5 Prozent. Gleichzeitig liegt die Arbeitslosenquote bei unter einem Prozent und der damit verbundene Arbeitskräftemangel führt dazu, dass die Lohnkosten zuletzt mit einer Rate von 8,1 Prozent gestiegen sind, was natürlich weiteres Inflationspotential birgt.

          Hinzu kommen nach wie vor steigende Immobilienpreise, die im Oktober um 13 Prozent zulegten. „Die Inflation ist unverändert hoch, der Arbeitsmarkt verspannt und es gibt keine Anzeichen für eine Entspannung. Die Notenbank befindet sich in einer schwierigen Situation und wir können nicht ausschließen, dass sie bei ihrer nächsten Sitzung die Zinsen erneut in einer ähnlichen Größenordnung erhöhen wird“, so Asgeir Jonsson, Chefvolkswirt bei der Kaupthing Bank.

          Hohes Leistungsbilanzdefizit bleibt die Achillesferse

          Diese Aussicht dürfte die isländische Krone weiter stützen. Diese war von Mitte Juli bis Mitte August wieder einmal kräftig unter Druck geraten, hat sich inzwischen von diesem Einbruch aber fast wieder vollständig erholt. Und die Experten bei Glitnir Research beispielsweise konnten sich schon vor dem jetzigen Zinserhöhungsbeschluss nicht zuletzt wegen dem bestehenden Renditevorsprung einen mittelfristigen Anstieg gegenüber dem Euro bis auf 83 Kronen vorstellen.

          Das rekordverdächtig hohe Leistungsbilanzdefizit, das sich im Vorjahr auf 27 Prozent des Bruttoinlandsproduktes belief (in den ersten neun Monaten 2007 hat sich das Handelbilanzdefizit dagegen von 111 Milliarden auf 77,6 Milliarden Kronen verbessert), wird aber dafür sorgen, dass die Wechselkursentwicklung volatil bleiben wird. Immer dann, wenn die Akteure an den Finanzmarkt risikoaverser agieren, wird die Krone zumindest temporär unter Druck geraten. Anlagen in Kronen sind somit nichts für vorsichtige Anleger .

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