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Devisenmarkt : Über dem Forint schwebt ein Damoklesschwert

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Bild: FAZ.NET

Der Forint hat gegenüber dem Euro zuletzt bereits deutlich an Wert verloren. Das ist nicht alles, denn wenn die Kursschwäche anhält, könnte es wegen der hohen Zahl an Fremdwährungskrediten in Ungarn demnächst sogar richtig turbulent werden.

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          Der Forint zählte in den vergangenen Jahren zu den schwankungsfreudigsten Währungen weltweit. Um diese Behauptung verifizieren zu können, genügt ein kurzer Blick auf die Kursentwicklung (siehe Chart

          Aktuell macht die ungarische Landeswährung ihrem volatilen Ruf wieder einmal alle Ehre. Gleich sieben Mal mußte er zuletzt gegenüber dem Euro Wochenverluste hinnehmen. Durch die längste Verlustserie seit Einführung des Euro hat der Forint seit Anfang September im Verhältnis zum Euro mittlerweile 4,4 Prozent verloren. Bei aktuellen Kursen von 254,25 Forint notiert er dadurch inzwischen ganz in der Nähe der tiefsten Stände seit Juni 2004.

          Haushaltsdefizit eine schwere Bürde

          Unter Druck gebracht hat den Forint sicherlich auch die bei den Akteuren an den Finanzmärkten zuletzt angesichts der wachsenden Unsicherheiten allgemein vorherrschende Tendenz, Kapital aus den Schwellenländern abzuziehen.

          Im Falle Ungarns spielen aber auch hausgemachte Gründe eine sehr wichtige Rolle. In erster Linie erweist sich dabei das hohe Defizit im Staatshaushalt als schwere Bürde. Nachdem bereits in den vergangenen drei Jahren die Budgetziele verfehlt wurden, tauchen auch jetzt wieder neue Finanzierungslöcher auf. Im Jahr 2005 dürfte das Defizit gemessen am BIP 6,1 Prozent betragen und im Jahr 2007 dann 4,7 Prozent. Als Konsequenz des unsoliden Finanzgebarens ist auf Jahre hinaus die Einführung des Euros sehr unwahrscheinlich geworden.

          Hohe Zahl an Fremdwährungskrediten könnte nach hinten los gehen

          Trotz des vergleichsweise hohen Wirtschaftswachstums - das Bruttoinlandsprodukt stieg im zweiten Quartal um 4,1 Prozent , dem noch immer bestehenden deutlichen Zinsvorsprung (der Leitzins liegt trotz zuletzt zwölf Zinssenkungen bei sechs Prozent) von Forint-Anleihen reicht alleine der Problemfaktor Haushaltsdefizit aus, um eine ohnehin beliebte Zielscheibe wie den Forint negativ zu beeinflussen.

          Doch mit etwas Pech kommen die echten Belastungsproben auf die ungarische Landweswährung in den nächsten Wochen und Monaten erst noch zu. Denn im Hintergrund baut sich ein Problem auf, das an den Devisenmärkten bisher noch gar nicht richtig als ein solches gespielt wird. Gemeint ist damit die Tatsache, daß in den vergangenen eineinhalb Jahren viele Ungarn die im Ausland niedrigeren Zinsen zur Aufnahme von Fremdwährungskrediten genutzt haben. Solange die eigene Währung stabil bleibt oder im Idealfall vielleicht sogar zulegt, geht diese Taktik blendend auf.

          Zum Bumerang wird diese Strategie allerdings schnell dann, wenn die eigene Währung einen Schwächeanfall erleidet. Denn dann wird es schwieriger, die im Ausland aufgenommenen Schulden zu bedienen und zu begleichen. Und da der Forint aktuell nicht nur wegen dem Haushaltsdefizit, sondern auch wegen dem bestehenden Leistungsbilanzdefizit bereits einen angeschlagenen Eindruck hinterläßt, haben die verantwortlichen Notenbanker in Ungarn allen Grund, sich langsam Sorgen zu machen.

          Weiterhin volatile Kursausschläge praktisch vorprogrammiert

          Den Daten der Notenbank zufolge machen die von Privathaushalten aufgenommenen Fremdwährungskredite inzwischen fast 25 Prozent aller Kredite im Privatsektor aus. Wie stark das Wachstum hier ist, zeigt sich daran, daß der Anteil Ende 2003 erst bei rund fünf Prozent lag. Alleine in diesem Jahr nahmen die Ungarn von Januar bis August Kredite in fremder Währung in Höhe von 465 Millionen Euro auf. Das ist ein um 20 Prozent höherer Wert, als die in der gleichen Zeitspanne getätigte Nettohypothekenkreditaufnahme.

          Es bedarf nicht allzu viel Phantasie um sich ausmalen, was passiert, wenn der Forint sich in den nächsten Monaten weiter abschwächen sollte. Über die Schiene der Fremdwährungskredite wäre dann schnell eine negative Kettenreaktion denkbar. Noch bestehen zwar Chancen, daß der Forint doch noch einmal die Kurve bekommt. Aber die offenbar sorglose Verschuldung in fremder Währung bietet allen Spekulanten, die es auf den Forint abgesehen haben, eine offene Flanke. Ein Ende der hohen Kursschwankungen ist beim Forint folglich mit Sicherheit nicht in Sicht.

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