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Devisenmarkt : Südafrikanischer Rand - schwächste Kern-Währung im Januar

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Bild: FAZ.NET

Hohe Zinsen mögen zwar interessant sein, aber sie können schnell überkompensiert werden. Das zeigte sich in den vergangenen Wochen in Südafrika: Der Rand litt unter abnehmendem Risikoappetit und unter hausgemachten Makro-Problemen.

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          Die Turbulenzen der Finanzmärkte und die zumindest kurzfristig zunehmende Risikoaversion der Anleger zeigte sich am Devisenmarkt daran, dass hoch verzinsliche Währungen in der Tendenz in die Defensive gerieten, während niedrig verzinsliche Währungen zulegen konnten.

          Diese Beobachtung gilt nicht generell. Allerdings konnten der Schweizer Franken und der Yen neben anderen Währungen im Januar gegen den Euro rund 3,3 Prozent zulegen, während der kenianische Schilling, der südafrikanische Rand und nicht zuletzt auch die isländische Krone zwischen 13 und fünf Prozent verloren.

          Carry Trades werden im Trend abgebaut

          Die relative Stärke der Schweizer und der japanischen Währungen deuten darauf hin, dass aufgrund der Kreditkrise - sie führte zu einer Verschärfung der Kreditstandards und reduzierte auf diese Weise die an den Finanzmärkten verfügbare Liquidität - die in den vergangenen Jahren des hohen Risikoappetits so beliebten Carry Trades reduziert wurden. Sie zeichneten sich durch Anlagestrategien aus, die sich in Währungen mit niedrigen Kosten refinanzierten, um die erlangten Gelder schließlich in höher rentierlichen Märkten zu investieren.

          Das führte beispielsweise dazu, dass viele Mittel aus der Schweiz oder Japan ins Ausland flossen. Auf diese Weise wurden lange Zeit nicht nur die Aktienmärkte in Europa beflügelt - es gibt einen bemerkenswerten Gleichlauf zwischen dem Euro-Franken-Kurs und den europäischen Indizes -, sondern in Osteuropa sind inzwischen viele Immobilien indirekt über die Schweiz finanziert worden.

          Auch der Kauf von hoch verzinslichen Staatsanleihen in den verschiedensten Schwellenländern war lange Zeit hoch interessant. Denn was konnte einem internationalen Anleger besseres passieren, als den Kauf einer Anleihe mit einem hohen Kupon, deren Wert aufgrund fallender Zinsen gleichzeitig zulegte und die zudem auch noch in einer Währung zu haben war, die aufwertete. Aufgrund dieser Konstellation befanden sich in den vergangenen Jahren viele Rentenfonds in der besten aller Welten.

          Inzwischen ist es jedoch auch damit vielfach vorbei. Das zeigt sich am Beispiel Südafrikas. Denn während in Europa und den Vereinigten Staaten die Staatsanleihen boomen, ist in Südafrika die Rendite lokal handelbarer Staatspapiere mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren von 7,355 Prozent noch im Februar des vergangenen Jahres auf zuletzt 8,6 Prozent gestiegen, der Preis ist von 103,75 auf zuletzt 95,79 Prozent gefallen. Gleichzeitig hat der Rand gegen den Euro rund 20 Prozent abgewertet. So hat ein europäischer Anleger auf Sicht eines Jahres insgesamt rund 28 Prozent verloren.

          Südafrikanischer Rand: Risikoreduktion und hausgemachte Makroprobleme hinterlassen Spuren

          Auf diese Weise wurde die scheinbar so große Zinsdifferenz zwischen südafrikanischen und deutschen Staatspapieren mit einer Laufzeit von zehn Jahren von 4,65 Prozentpunkten innerhalb kürzester Zeit von adversen Kurs- und Wechselkursbewegungen deutlich überkompensiert. Das zeigt, wie vorteilhaft der Kauf ausländischer Zinspapiere in der richtigen Phase zwar sein kann. Allerdings wird nun ebenso deutlich, wie schnell der Wind drehen und wie groß in diesem Fall die Risiken sind. So ist es ratsam, bei hohen Renditen immer auch zu hinterfragen, wie sie erzielt werden und wie beständig sie sein können, sollte die Strategie überhaupt seriös sein.
          Der Rand und die Rentenmärkte Südafrikas gerieten in den vergangenen Wochen und Monaten gleich von mehreren Seiten in die Defensive. An erster Stelle steht der abnehmende Risikoappetit der internationalen Anleger im Rahmen der anhaltenden Kreditkrise. Dazu kommen fundamentale Gründe: Ein zu schwache Infrastruktur, deutlich und im Trend steigende Preise und nicht zuletzt auch die Sorge, das Wachstum könnte unter anderem aufgrund der möglichen Rezession in den Vereinigten Staaten abflauen. Das hat die Zentralbank des Landes dazu gebracht, den Leitzins am Donnerstag unverändert bei elf Prozent zu belassen, nachdem sie ihn im vergangenen Jahr vier Mal angehoben hatte.

          Auf dieser Basis dürfte der Rand erst dann wieder deutlicher zulegen können, wenn sich die Gesamtsituation entspannen sollte. Selbst wenn die Dollarpreise für Platin, Gold und Silber durch die Decke gehen.

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