https://www.faz.net/-gv6-6li3p

Devisenmarkt : Starke Kursschwankungen am Devisenmarkt

  • Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

Die Kursschwankungen am Devisenmarkt haben deutlich zugenommen. Kursbewegungen, für die früher Tage, Wochen oder gar Monaten benötigt wurden, finden heutzutage in wenigen Stunden statt. Kein Wunder, dass die Volatilitäten hoch sind.

          2 Min.

          Die Kursschwankungen an den Finanzmärkten haben in den vergangenen Monaten, zumindest in Teilbereichen, deutlich zugenommen. Während der VDax, der die Schwankungserwartungen der im Dax enthaltenen Aktien abbildet, nach rekordverdächtigen Werten noch im Mai des vergangnen Jahres auf ein bescheidenes Niveau von zuletzt knapp 18 Prozent gefallen sind, sind die Volatilitäten am Devisenmarkt groß.

          Bezogen auf das Kursverhältnis zwischen Euro und Schweizer Franken haben sie sich über die gesamte Laufzeitstruktur hinweg auf Jahressicht sogar verdoppelt und halten sich beharrlich auf dem hohen Niveau. Nachdem die europäische Schuldenkrise Anleger zunächst zum Verkauf des Euro verleitet hatten, fiel der Kurs von 1,53 Franken vor eineinhalb Jahren auf bis zu 1,2427 Franken je Euro bis Ende des vergangenen Jahres.

          Trichet überrascht den Markt mit Zinserhöhungsphantasie

          Auf diese Niveau ist die Schweizer Währung jedoch deutlich überbewertet. So kann es kaum verwundern, dass es im Zusammenhang mit den Versuchen der Europäischen Union, die strukturellen Finanzierungskrisen in den europäischen Peripheriestaaten zu lösen, immer wieder zu Erholungsversuchen des Euro kommt. Sie gehen einerseits von einer extrem einseitigen Positionierung des Marktes aus, der Marktteilnehmer bei aufkommenden Kursimpulsen rasch zur Bereinigung ihrer Positionen zwingt.

          Andererseits machen sich Schweizer Unternehmen inzwischen aufgrund der starken Währung sorgen über ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit. Solche Überlegungen können zu Strategien führen, die die Abwertung der Währung zum Ziel haben, nachdem vorzeitige Interventionsversuche der Schweizer Nationalbank gescheitert waren.

          Neuerdings tragen Äußerungen der Europäischen Zentralbank dazu bei, dass der Kurs des Euro sich gegen den Franken rasch und deutlich erholen kann. Nach 1,2430 Franken noch zu Anfang der Woche sind inzwischen wieder mehr als 1,29 Franken nötig, um im professionellen Handel eine Einheit der europäischen Einheitswährung erwerben zu können.

          Der Kurs des Euro hat sich auch gegen den amerikanischen Dollar etwas erholt, obwohl der Euro gemessen an der Kaufkraftparität deutlich überbewertet ist. Im Laufe des Vormittags waren bis zu 1,3454 Dollar nötig, um einen Euro erwerben zu können. Das war der höchste Stand seit etwas mehr als einem Monat. Hinter diesen Bewegungen stehen Äußerungen von Jean-Claude Trichet, dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank, der sich am Donnerstag über die Preisentwicklung besorgt gezeigt und ausdrücklich erklärt hatte, man könne unabhängig von sonstigen Sondermaßnahmen im Rahmen der Krise jederzeit den Leitzins erhöhen.

          Wird der Dollar auf- oder eher abwerten?

          Diese Formulierung ließ am Markt sofort eine gewisse Zinserhöhungsphantasie in Europa aufkommen und verleitete überraschte Anleger dazu, den Euro zu kaufen - und sei es nur, um vorhergehende Wetten auf fallende Kurse glatt zu stellen. „Der Euro ist nach der fulminanten Rally zum Dollar in dieser Woche technisch stark überkauft. Vermutlich werden vor dem Wochenende von einigen Akteuren Positionen glattgestellt und Kursgewinne mitgenommen“, vermutet ein Händler mit Blick auf die kurzfristige Kursentwicklung.

          In längerfristiger Betrachtung ist die weitere Kursentwicklung längst noch nicht absehbar. Denn während in Asien und Europa aufgrund der Preisentwicklung an den verschiedenen Märkten höhere Zinsen und restriktivere geldpolitische Strategien dringend nötig wären, sind sie in den Vereinigten Staaten noch lange nicht absehbar. Aufgrund der Zinserwartungen und der unheimlich starken Verschuldung der Vereinigten Staaten müsste der Dollar eigentlich abwerten.

          Sollten sich in Asien jedoch die Wachstumsaussichten wegen steigender Zinsen eintrüben, würden amerikanische Anleger die dort investierten Gelder abziehen und repatriieren. Das würde zusammen mit einer ausgeprägten Korrektur an den Rohstoffmärkten zu einer zyklischen Aufwertung des Dollar führen können.

          Tatsächlich hat China am Freitag zum vierten Mal in nur zwei Monaten die Kapitalanforderungen für Banken erhöht. Mit der Erhöhung der Mindestreserven der großen Staatsbanken um einen halben Prozentpunkt auf den Rekordwert von 19,5 Prozent soll Liquidität abgeschöpft und die steigende Inflation bekämpft werden. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Xinhua gilt die neue Regelung ab dem 20. Januar.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          IBMs Quantencomputer „System Q“ ist auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas zu sehen.

          Quantencomputer : Die nächste Revolution

          Quantencomputer können Verschlüsselungen knacken, neue Batterien entdecken und an Finanzmärkten Geld verdienen. Und das sind nur die Möglichkeiten, die bisher bekannt sind.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.