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Devisenmarkt : Spanien bringt Euro unter Druck

  • Aktualisiert am

Nach Jahren des Booms will in Spanien kaum mehr jemand bauen Bild: AFP

Deutlich unter Druck steht am Montag der Euro. Dazu tragen nicht nur die schwachen Konjunkturprognosen der EU, sondern auch die Senkung der Bonitätsnote Spaniens durch die Rating-Agentur Standard & Poor's bei.

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          Deutlich unter Druck steht am Montag der Euro. Nachdem schon am Donnerstag erwartungsgemäße Leitzinssenkung der EZB der europäischen Gemeinschaftswährung Kursverluste bescherte, die sie aber am Freitag wieder mehr als wettmachen konnte, so lassen gleich mehrere schlechte Nachrichten den Kurs zu Wochenbeginn erneut fallen.

          1,6 Prozent gibt die europäische Devise gegen den Dollar ab und 2,5 Prozent gegen den japanischen Yen. Nur gegen das selbst chronisch schwächelnde britische Pfund verzeichnet der Euro Kursgewinne, nicht zuletzt weil die britische Regierung den heimischen Banken am Montag erneut massiv unter die Arme greifen muss.

          Wenig aussichtsreicher Kampf um Maastricht-Kriterien

          Grundsätzlich blicken viele Marktteilnehmer auf die konjunkturelle Entwicklung in den verschiedenen Wirtschaftsräumen und justieren ihre Investitionen nach deren voraussichtlicher Schwäche und Stärke. Galten die Vereinigten Staaten bislang als deutlich schwächer, so mehren sich die Zweifel, dass die Eurozone so viel besser davon kommen wird wie bisher angenommen.

          Bild: F.A.Z.

          Immerhin prognostiziert die EU-Kommission dem Währungsraum im laufenden Jahr einen Einbruch der Wirtschaftsleistung um 1,9 Prozent. Damit korrigierte sie ihre frühere Konjunkturprognose vom November scharf nach unten. Der Bundesrepublik sagt die Kommission ein Minus von 2,3 Prozent, das wäre die tiefste Rezession in der Nachkriegsgeschichte und einen massiven Anstieg der Neuverschuldung voraus.

          4 der 16 Euroländer-Staaten haben die Drei-Prozent-Hürde nach vorläufigen Zahlen schon im vergangenen Jahr gerissen, erklärte die Kommission. Neben Griechenland, Frankreich und Malta war dies auch Spanien. Diese Länder müssen nun die Einleitung eines Defizitverfahrens befürchten. EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Joaquín Almunia erklärte zwar, er werde „bei der Anwendung des Stabilitätspakts berücksichtigen, dass wir eine sehr schwierige Wirtschaftslage haben“. Die Regeln des Stabilitätspakts könnten deshalb aber nicht außer Kraft gesetzt werden, betonte Almunia.

          Wasser auf die Mühlen der Skeptiker

          Nichtsdestoweniger häufen sich die Zweifel an der Stärke der Eurozone. Vor rund zwei Wochen sorgte eine vertrauliche Studie für Aufsehen, die die EU-Finanzminister vor den Gefahren einer auseinanderlaufenden Wettbewerbsfähigkeit warnte. Diese sorge in einigen Ländern für eine reale Überbewertung des Euro.

          Die Befürchtungen galten vor allem den südeuropäischen Ländern, unter anderem Spanien. Mit der Herabstufung der Bonität des Landes durch die Rating-Agentur Standard & Poor's am Montag von „AAA“ auf „AA+“ haben die Euro-Skeptiker neuen Zulauf bekommen.

          Spanien nicht mehr erstklassig

          Die spanische Volkswirtschaft weise strukturelle Schwächen auf, die mit der Spitzenbonitätsnote „AAA“ nicht vereinbar seien. „Die Herabstufung
          spiegelt unsere Erwartung, dass die öffentlichen Finanzen infolge der zu erwartenden Eintrübung der spanischen Wachstumsaussichten leiden werden“, sagte Analyst Trevor Cullinan.

          Zwar besitze Spanien mit Blick auf die öffentlichen Finanzen eine relativ starke Ausgangslage, doch dürfte das Haushaltsdefizit im laufenden Jahr auf 6,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steigen, bevor es bis 2011 wieder auf 4 Prozent des BIP zurückfallen werde. S&P geht davon aus, dass das Potentialwachstum Spaniens mittelfristig auf etwa 2 Prozent fallen wird, nachdem es zwischen 2003 und 2007 im Schnitt noch 3,5 Prozent betragen hatte.

          Manchen nützte die Euroschwäche

          „Es herrscht große Unsicherheit über die Gesundheit der Wirtschaft der Eurozone und den Ausblick auf die finanzielle Stärke. Das unterminiert das Vertrauen der Anleger in die Einheitswährung“, meint Lena Komileva, Volkswirtin bei Tullett Prebon.

          Die Unsicherheit stärkt die Erwartungshaltung, dass die Regierungen der angeschlagenen Länder zunehmend auf eine Schwächung des Euro drängen. Solche Forderungen haben Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi und auch der spanische Regierungschef José Luis Zapatero in der Vergangenheit schon erhoben.

          Kurzfristig weiter abwärts?

          Andererseits erwartet die Kommission, dass die europäische Wirtschaft ab der zweiten Jahreshälfte 2009 wieder wächst. 2010 werde die Wirtschaft dann auch auf das Gesamtjahr gesehen wieder wachsen, EU-weit allerdings nur um bescheidene 0,5 Prozent.

          Die Euroschwäche kommt am Montag nicht unerwartet. Analysten hatten bereits mit schwächeren Daten und Kursverlusten gerechnet. Insofern käme eine weitere Euroschwäche bis Mitte des Jahres nicht überraschend. Die Analysten der britischen Barclay-Bank senkten ihr Kursziel für die Devise von 1,30 auf 1,25 Dollar. Bis Jahresende aber rechnen die Volkswirte mit einem Kurs von 1,45 Dollar.

          Das setzt allerdings voraus, dass zum einen die Konjunkturprognosen eintreffen, zum anderen dass die EZB ihren Kurs beibehält und sich nicht bewegen lässt, auf eine Politik der Euro-Schwächung einzuschwenken.

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