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Devisenmarkt : Slowakische Krone vor dem größten Jahresgewinn seit der Euro-Einführung

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Bild: Unicredit Group

Die slowakische Krone eilt von Rekord zu Rekord. Der Aufwertungsdruck dürfte auch 2007 anhalten. Zumindest spricht dafür das volkswirtschaftliche Umfeld.

          Die slowakische Krone eilt von einem Rekord zum nächsten. Mit den aktuell gültigen 34,35 Kronen für einen Euro bewegt sie sich gegenüber der europäischen Einheitswährung auf dem höchsten Stand aller Zeiten. Insgesamt hat die slowakische Landeswährung damit gegenüber dem Euro in diesem Jahr schon um neun Prozent und gegenüber dem Dollar sogar um 18 Prozent zugelegt. Die Chancen stehen somit gut, daß die Krone 2006 das größte Jahresplus seit der Einführung des Euros im Jahr 1999 einfahren wird.

          Getragen werden die Kursgewinne von einem sehr vorteilhaften volkswirtschaftlichen Umfeld. So ist das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal begünstigt von hohen ausländischen Direktinvestitionen (dem Land ist es seit 1993 gelungen, 13,1 Milliarden Dollar oder gemessen am Bruttoinlandsprodukt 28,3 Prozent an ausländischen Direktinvestitionen anzulocken) um stramme 9,8 Prozent gestiegen.

          Das volkswirtschaftliche Umfeld spricht für die Krone

          Auch wenn die Aufwertung der Krone den Exporteuren natürlich das Leben erschwert, wird bis auf weiteres von Volkswirten mit einem strammen Wirtschaftswachstum gerechnet. So geht die Unicredit Group auch für 2007 von einem Plus beim Bruttoinlandsprodukt von mehr als sieben Prozent aus.

          Zuversichtlich stimmt die Akteure am Devisenmarkt zudem das unverändert gültige Vorhaben der Verantwortlichen, im Jahr 2009 der Euro-Zone beizutreten. Wird dieser Plan umgesetzt, wäre das Land in dieser Hinsicht wieder einmal schneller als die meisten anderen Nachbarn. „Da die Regierung an ihren Fahrplan für den Euro-Beitritt festhält, haben auch wir uns dazu entschieden, an der Krone als eine langfristige Wette festzuhalten. Angesichts der guten Fundamentaldaten ist der Risikoausblick ziemlich positiv. Es ist sinnvoll, die Krone zu kaufen, erklärt Barbara Nestor, Schwellenländer-Strategin bei der Commerzbank in London. Ähnlich beurteilt dies auch Steven Barrow, Währungsstratege bei Bear Stearns in London: „Der Euro-Beitritt ist immer ein Magnet, der eine Währung stärkt. Im Jahr 2007 wird die Krone deshalb weiter aufwerten.“

          Allerdings bleibt abzuwarten, ob das Land tatsächlich schon im Jahr 2009 alle Kriterien wird erfüllen können, die für einen Euro-Beitritt nötig sind. Zunehmend Probleme bereitet beispielsweise die Inflation. Im November erhöhten sich die Konsumentenpreise von 3,7 Prozent auf 4,3 Prozent und stiegen damit stärker als erwartet. Wegen dem zunehmenden Preisdruck hat die Notenbank zuletzt schon vier Mal den Leitzins um insgesamt 175 Basispunkte erhöht. So wie es aussieht, könnte im ersten Quartal des Jahres 2007 eine fünfte Zinserhöhung folgen. Insgesamt ist das zwar keine erfreuliche Entwicklung, kurzfristig stärkt dies aber die Krone. Denn schon jetzt bieten fünfjährige slowakische Anleihen eine um rund 30 Basispunkte höhere Rendite als deutsche Staatsanleihen vergleichbarer Laufzeit.

          Aufwertung dürfte sich fortsetzen

          Insgesamt spricht das Umfeld für eine weiter anziehende slowakische Krone. Die Notenbank, die zuletzt bereits verbal interveniert hat, wird zwar versuchen, die Aufwertung zu bremsen. Umkehren wird sie den Trend aber vermutlich nicht können. Vielmehr ist damit zu rechnen, dass sie den derzeit noch bei 38,455 Kronen je Euro festgezurrten Gleichgewichtskurs den Marktgegebenheiten anpassen wird. Auch charttechnisch gesehen spricht aktuell vieles für weiter steigende Notierungen.

          Dieses Fazit paßt auch zu den Schlußfolgerungen von Walter Demel von der österreichischen Raiffeisen Zentralbank: Seine Vorhersage lautet wie folgt: „Angesichts der außerordentlich positiven Einschätzung der Wirtschaftsentwicklung für das Jahr 2007 und der hohen Wahrscheinlichkeit, daß die Slowakei die Maastricht-Kriterien für den angestrebten Beitritt zur Eurozone 2009 erfüllen wird können, rechnen wir mit einer weiteren Fortsetzung des langfristigen realen und nominellen Aufwertungstrends, auch wenn wir die in den vergangenen Wochen gezeigte Geschwindigkeit der Aufwertung als überzogen erachten. Unser neuer Prognosewert für den Anfang 2009 geplanten Beitritt zur Eurozone beträgt nun 33,50 slowakische Kronen je Euro.

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