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Devisenmarkt : Schwellenländerwährungen - noch nicht aus dem Schneider

  • Aktualisiert am

Bild: ANZ/World Development Indicators

Nach massiven Kursturbulenzen in den vergangenen Wochen konnten sich die Währungen vieler Schwellenländer in den vergangenen Tagen etwas von den zuvor erlittenen Verlusten erholen. Allerdings sind sie noch nicht aus dem Schneider.

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          Nach massiven Kursturbulenzen in den vergangenen Wochen konnten sich die Währungen vieler Schwellenländer in den vergangenen Tagen etwas von den zuvor erlittenen Verlusten erholen.

          Allerdings stellt sich grundsätzlich die Frage, ob sie sich künftig und auf die Schnelle wieder so positiv werden entwickeln können, wie in den vergangenen Jahren des Kredit getriebenen Booms, der durch die allgemeine Euphorie der Anleger und den induzierten Risikoappetit ausgelöst worden war.

          Schwellenländer hängen wirtschafttlich zu einem großen Teil an der Weltkonjunktur

          Denn erstens hängt die wirtschaftliche Entwicklung dieser Staaten letztlich zu einem großen Teil an der globalen Konjunktur. Angesichts der Konsumschwäche und des negativen Wachstums in den Vereinigten Staaten, der schwachen Aussichten in Europa und der fallenden Energie- und Rohstoffpreise dürften sich die Schwellenländer davon kaum abkoppeln können.

          Bild: ANZ/Bloomberg

          Schon jetzt sind in den meisten dieser Regionen wirtschaftliche Bremsspuren erkennbar. In China tendiert das Exportwachstum schon seit Monaten nach unten und im Binnenmarkt sind in den vergangenen Wochen die Fahrzeugverkäufe förmlich eingebrochen. Gleichzeitig ist der Preisauftrieb auf der Produktionsseite noch ausgeprägt.

          In Indien wurde die Industrieproduktion den vergangenen Monaten immer schwächer. Zuletzt war die Wachstumsrate im August auf gerade noch 1,3 Prozent gefallen, nachdem sie im März des vergangenen Jahres noch Werte von bis zu 15 erreicht hatte. Die Produktion von Investitionsgütern ist förmlich eingebrochen, während die Herstellung von dauerhaften Konsumgütern deutlich zurückging. Die Großhandelspreise verharren auf hohem Niveau, während die internationale Anleger ihre Aktieninvestitionen in deutlich reduzierten.

          In Indonesien, Malaysia, Singapur und auf den Philippinen gehen die Exportnachfragen zurück, während die Inflationsraten zum Teil noch sehr hoch sind. Die indonesische Zentralbank war in den vergangenen Monaten sogar gezwungen, den Leitzins nach oben zu schrauben, während die Geldhüter in anderen Staaten schon trotz hoher Preisniveaus mit Zinssenkungen auf die schwache Weltkonjunktur zu reagieren.

          In Südkorea entwickelt sich die Wirtschaft trotz gewisser Schwächezeichen noch vergleichsweise robust. Die Währung geriet aufgrund starker Mittelabflüsse und eines Leistungsbilanzdefizits in die Defensive. Das dürfte sich erst ändern, wenn sich die Lage an den Finanz- und Gütermärkten beruhigt hat und sobald die Wirtschaft des Landes - vorausgesetzt die Rohstoffpreise bleiben tief - von der schwachen Währung profitieren kann. Die Zentralbank hat den Leitzins in den vergangenen Tagen kräftig gesenkt. In Taiwan, Thailand und auch in Vietnam schwächeln die Exportnachfragen. Immerhin zeigen die Inflationsraten rückläufige Tendenzen.

          Finanzposition verbessert - mit Ausnahmen

          Insgesamt dürfte es ratsam sein, die Staaten und ihre Währungen individuell zu betrachten. Viele Länder - mit Ausnahme von Indonesien vielleicht - konnten ihre Finanzpositionen in den vergangenen Jahren deutlich verbessern. Trotzdem rät zum Beispiel Morgan Stanley zum Verkauf von Devisen aus Schwellenländern. Anleger sollten Kurserholunge nutzen, um ihre Positionen in Währungen wie dem südkoreanischen Won aufzulösen, riet Stephen Jen, Chef-Devisenstratege bei Morgan Stanley, in einer Studie. Die weltweiten Leitzinssenkungen, die staatlichen Kapitalspritzen und das Angebot von Währungsswaps seien wohl nicht ausreichend, um eine globale Rezession abzuwenden. Das bringe neuen Druck auf die Schwellenländer und ihre Währungen.

          „In Bezug auf die Währungen der Emerging Markets bleiben wir besorgt“, schrieb der Devisenexperte. „Die Fundamentaldaten für die Weltwirtschaft werden weiterhin diejenigen einzelner Länder in den Schatten stellen, und die Fundamentaldaten der Weltwirtschaft sehen angesichts einer drohenden Rezession für die meisten Schwellenländer schlecht aus.“ Dollarknappheit, sinkende Mittelzuflüsse und die steigende Skepsis der Investoren hinsichtlich der Wachstumsaussichten belasteten die Währungen.

          Im vergangenen Monat ersuchten Island, Ungarn, Weißrussland, Pakistan und die Ukraine den Internationalen Währungsfonds (IWF) um Finanzhilfen. Die amerikanische Notenbank Federal Reserve kündigte an, Mexiko, Singapur, Südkorea und Brasilien durch Währungsswaps mit bis zu 120 Milliarden Dollar (94,4 Milliarden Euro) an Liquidität zu versorgen. Darüber hinaus senkten die Zentralbanken in den Vereinigten Staaten , China, Hongkong und Taiwan die Leitzinsen.

          Nach Einschätzung von Jen können die IWF- und Fed-Maßnahmen zur Unterstützung einzelner ausgewählter Schwellenländer das Gespenst einer weltweiten Rezession nicht vertreiben. Zudem richteten sich die Maßnahmen mitunter an Länder, die es gar nicht nötig hätten. „Es grenzt an Ironie, dass die meisten Zielländer der Hilfsaktionen im Besitz hoher Devisenreserven sind“, so Jen. „Es stellt sich die Frage, warum diese Länder nicht fähig oder nicht willens sind, diese Reserven zur Stützung ihrer Währungen einzusetzen.“

          Tatsächlich sind die Währungen Rumäniens, Indonesiens und auch Islands von Donnerstag auf Freitag wieder unter Druck geraten.

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