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Devisenmarkt : Schwedens Krone ist in Euro unterbewertet

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Bild: FAZ.NET

Mit extremer Geldpolitik hat die schwedische Zentralbank die Krone vorübergehend geschwächt und die Wirtschaft wiederbelebt. Inzwischen hat sich die Krone zwar stark erholt. Gegen den Euro jedoch ist sie weiterhin stark unterbewertet.

          Die skandinavischen Staaten gelten wirtschaftspolitisch vielfach als Vorbilder. Sie hätten schon vor Jahren die richtigen Schlüsse aus ihren Strukturkrisen gezogen, heißt es gemeinhin. Ihre Volkswirtschaften entwickelten sich vergleichsweise robust und der Wohlstand sei hoch obwohl oder gar weil die Abgabenquoten sehr hoch seien, wird nicht selten argumentiert.

          Dabei ist Norwegen eine Ausnahmeerscheinung, weil das Land von den hohen Öleinahmen profitieren kann. Schweden dagegen hat ein „schmutziges Geheimis:“ Das Land hält seine Währung unterbewertet und lebt auf diese Weise zumindest zu einem Teil auf Kosten seiner Handelspartner.

          Schweden hält die eigene Währung gerne unterbewertet

          Diese Tatsache lässt sich sowohl daran ablesen, dass der real effektive Wechselkurs Schwedens schon seit Jahren im Trend nach unten läuft.

          Auf der anderen Seite ist die schwedische Währung gegen den Euro gemessen an Konzepten wie der Kaufkraftparität immer noch um 15 Prozent unterbewertet, obwohl sie sich in den vergangenen zwei Jahren mit Kursgewinnen von bis zu 33 Prozent auf zuletzt 8,742 Kronen je Euro vom vorhergehenden Ausverkauf erholt hat. Dieser war durch die Wirtschafts- und Finanzkrise auslöst worden. Denn die schwedische Zentralbank hat auf sie reagiert und den Leitzins innerhalb kürzester Zeit von 4,75 auf bis zu 0,25 Prozent gesenkt.

          In den vergangenen Monaten hat sie den Leitzins zwar in fünf Schritten auf zuletzt 1,5 Prozent erhöht. Allerdings folgte sie dem Beispiel anderer Zentralbanken, die Zinsen bei Krisen zeitnah und stark zu senken, im umgekehrten Falle jedoch nur zögerlich zu reagieren. Sie rechnen sich die Preisentwicklung schön, obwohl hohe Energie- und Rohstoffpreise - unter anderem getrieben durch die einseitig extremen Strategien der Zentralbanken - stark steigen und Hypotheken teurer werden. Das hat dazu geführt, dass die Inflationsrate in Schweden im Januar auf 2,5 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit zwei Jahren gestiegen ist.

          Sie ging allerdings im Vergleich mit dem Vormonat leicht zurück, während die Arbeitslosenquote mit 8,2 Prozent höher ausfiel als befürchtet. Diese Kombination führt im Markt zumindest kurzfristig zur Vermutung, die schwedische Riksbank werde nicht so rasch und so stark auf die geldpolitische Bremse treten wie bisher erwartet. Aus diesem Grund wertete die schwedische Krone unmittelbar nach Veröffentlichung der Daten leicht gegen den Euro ab. Der Kurs stieg innerhalb von Minuten von 8,7140 auf bis zu 8,7530 Kronen je Euro. Gegen den amerikanischen Dollar sieht die Entwicklung vergleichbar aus.

          Wird die Riksbank zögerlicher?

          Die Aufwertung der schwedischen Währung der vergangenen Monate scheint zumindest kurzfristig den Preisauftrieb, der von den hohen Energie- und Rohstoffpreisen ausgeht, dämpften zu können. Allerdings zeichnet sich der Monat Januar regelmäßig durch aggressives Preisgebaren der Händler aus, die nach dem Weihnachtsgeschäft mit Preisabschlägen ihre Lager räumen und die Umsätze auf Niveau halten wollen. Ob sich die Inflationsentwicklung in Schweden beruhigen wird, dürfte sich erst noch zeigen müssen. Da die Preise der Agrargüter weiterhin stark steigen, sind entsprechende Zweifel berechtigt.

          Auf der anderen Seit zeigt inzwischen auch die schwedische Börse gewisse Ermüdungserscheinungen. Immerhin ist der OMX Stockholm 30 Index unter den 90-tätigen gleitenden Durchschnitt gefallen. Daran ist nicht nur die Schwäche Nokias schuld, sondern die Kurse der Aktien zyklischer Unternehmen wie Scania, SKF, Modern Times, Electrolux, Alfa Laval, Sandvik, SSAB, Volvo und Atlas Copco haben in den vergangenen vier Wochen zwischen 8,4 und 13,5 Prozent ihrer Werte verloren.

          Zusammen genommen kann die Vermutung aufkommen, die schwedische Zentralbank könne der Tradition der vergangenen Jahre folgen und zinspolitisch zögerlicher werden um die Währung unterbewertet zu halten.

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