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Devisenmarkt : Schwedenkrone unter Druck der Stagflationssorgen

  • Aktualisiert am

Immobilien- und Energiepreise wachsen sich in Schweden zum Problem aus Bild: dpa

Mit der Entscheidung die Leitzinsen nicht zu ändern, hat sich die schwedische Notenbank von ihrer bislang restriktiven Politik abgewendet. Die dräuende Gefahr einer Stagflation lässt nicht nur die Riksbank ratlos erscheinen.

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          Langfristig betrachtet liegt die Schwedische Krone gegen den Dollar in einem deutlichen Aufwertungstrend. Vor knapp sieben Jahren wurden noch mehr als elf Kronen für den Dollar bezahlt, heute sind es noch 6,5729. Damit vollzog die Währung weitestgehend die Veränderungen des Verhältnisses von Euro und Dollar mit.

          Und so überrascht auch nicht, dass sich der steile Aufwertungstrend vor wenigen Wochen umkehrte und der Kurs des Dollars von seinem Rekordtief bei 6,2346 Kronen mittlerweile wieder entfernt hat und die Krone sogar wieder weniger wert ist als als 1996.

          Abkehr von einstimmiger Zinserhöhungspolitik

          Es ist aber nicht allein das Verhältnis der großen Währungen, das über den Kurs der Krone entscheidet, hat doch der Euro in den vergangenen Wochen gegenüber der Krone weiter aufgewertet.

          Dafür scheinen binnenwirtschaftliche Entwicklungen im Land im Norden Europas verantwortlich zu sein, die auch heute wieder in einer deutlichen Abwertung der Krone von in der Spitze 0,44 Prozent gegenüber dem Dollar und 0,3 Prozent gegenüber dem Euro zum Ausdruck kommen.

          Hatte die schwedische Riksbank Ende Oktober noch einstimmig für eine zehnte Leitzinserhöhung um 25 Basispunkte auf vier Prozent votiert, die angesichts von rekordhohen Einzelhandelsumsätzen und -niedriger Arbeitslosigkeit die Inflationsgefahr eindämmen sollte, so entscheid sich die Zentralbank am Mittwoch dagegen. Angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten ließ man die Leitzinsen unverändert.

          Preise steigen, Wachstumsraten sinken

          Denn die volkswirtschaftlichen Rahmendaten haben sich zuletzt deutlich eingetrübt. Das Wirtschaftswachstum in Schweden habe zuletzt unerwartet deutlich an Fahrt verloren, erklärten die Notenbanker, die ihre Wachstumsprognose für das Jahr 2008 von 2,8 auf 2,4 Prozent und für 2009 von 2,3 auf 2,1 Prozent senkten. Auch in diesem Jahr zeichnet sich bereits mit einer rate von 2,6 Prozent ein deutlich niedrigeres Wachstum ab als die ursprünglich prognostizierten 3,1 Prozent.

          Die Unruhe an den Finanzmärkten habe Kredite für Unternehmen und Verbraucher verteuert, was die Nachfrage in Zukunft dämpfen werde. Gleichzeitig dürften die hohen Energiepreise die Inflation im kommenden Jahr anheizen. Daher beließ die Riksbank ihre Prognose unverändert, dass der Schlüsselzins voraussichtlich im ersten Halbjahr 2008 auf 4,25 Prozent steigt.

          Indes zeigt sich, dass auch die Notenbanken nicht wirklich weiter wissen. Denn im gleichen Atemzug erklärte die Bank, dass der Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung sowohl baldige Zinserhöhungen als auch Zinssenkungen möglich seien. Es war wohl dieser Ausblick, der dafür sorgte, dass die Krone wieder etwas aufwertete.

          Die unmögliche Stagflation

          Im Verhalten der Schweden wird das abermals deutlich, was Ökonomen und Zentralbanken mittlerweile immer mehr für möglich halten und was sie vor ein unlösbares Dilemma stellt, weil es das Phänomen nach einigen immer noch weithin anerkannten volkswirtschaftlichen Paradigmen, insbesondere der keynesianischen Theorie gar nicht geben dürfte, da Inflation immer als Begleiterscheinung des Wachstums gilt.

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