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Devisenmarkt : Schwacher Ifo-Index schwächt den Euro

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Bild: FAZ.NET

Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist auf den tiefsten Stand seit 2005 gefallen. Das nimmt dem Euro zumindest kurzfristig wieder einmal das Flair. Der Preisauftrieb fördert gleichzeitig das amerikanische Interesse an einem robustem Dollar.

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          Der Euro mag kurzfristig immer wieder von der von der allgemeinen Dollarschwäche, der relativen Zinsphantasie, von Diversifikationsinteressen der Überschussstaaten und nicht zuletzt auch vom resistenten Wirtschaftsoptimismus in Europa profitieren.

          Allerdings verändern sich die Rahmenbedingungen mehr und mehr. Am Montag gab es dafür neue Hinweise. So sind in Europa verschiedene Indizes, die die Stimmung unter den Einkaufsmanagern wiedergibt, schlechter ausgefallen als erwartet. Sie schwächten sich schon in den vergangenen Monaten im Trend ab und stehen damit im Gegensatz zu optimistischen Äußerungen, die trotz der konjunkturellen Schwäche in den Vereinigten Staaten von einer robusten Entwicklung in Europa ausgehen.

          Schwacher Ifo-Index schwächt den Euro

          Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist sogar auf tiefstem Stand seit Dezember des Jahres 2005 gefallen. Wie das Münchener Institut für Wirtschaftsforschung am Montag im Rahmen seines monatlichen Konjunkturtests mitteilte, fiel der Geschäftsklimaindex auf 101,3 Punkte, nachdem er im Mai 103,5 betragen hatte. Der Index zur Beurteilung der aktuellen Geschäftslage fiel auf 108,3, nach 110,1 Punkten im Mai. Die Erwartungskomponente ging von 97,2 auf 94,7 Zähler zurück. Die Indexergebnisse basieren auf einer Umfrage unter rund 7.000 Unternehmen der Bereiche verarbeitendes Gewerbe, Bauhauptgewerbe sowie Groß- und Einzelhandel. Daraufhin fiel der Euro von 1,5636 auf 1,5519 Dollar zurück.

          Der hohe Ölpreis werde zu einer immer stärkeren Belastung für die deutsche Wirtschaft. Konsumenten und Unternehmen ächzten unter den massiven Ölpreis-Steigerungen, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger am Montag in einem Reuters-Interview. Der Ölpreis drücke die Margen der Firmen und fresse die Lohnerhöhungen der Menschen an den Tankstellen wieder auf: „Das ist eine starke Belastung, aber es sieht noch nicht nach einer Rezession aus.“ Solche Äußerungen klingen beruhigend, da niemand eine Krise herbeireden möchte. Die abnehmende wirtschaftliche Dynamik ist jedoch längst unverkennbar.

          Das dürfte weder die Aktienanleger noch Euro-Bullen sonderlich begeistern, da die Gewinnerwartungen der europäischen Unternehmen geschmälert werden. Sie dürften aufgrund dieser Entwicklung nur wenig geneigt sein, hohen Lohnforderungen nachzugeben. Aus diesem Grund könnte die Europäische Zentralbank geneigt sein, nach einer durch die Blume angekündigten Zinserhöhung in den kommenden Wochen, stillzuhalten. Manche Devisenexporten rechnen gegen Ende des laufenden Jahres sogar mit Zinssenkungen. Das mag gewagt sein, angesichts des Preisauftriebs, der sich in der Pipeline befindet und der zu einem Teil auch auf den Öffentlichen Sektor zurückzuführen ist. Denn er treibt die Kosten durch aufgeblähte Bürokratien, die so gut wie keine Produktivitätssteigerungen aufweisen - wenn überhaupt.

          Preisdruck fördert amerikanisches Interesse an robustem Dollar

          Ob dem Euro die Zinsphantasie ausgehen wird, mag dahingestellt bleiben. Sicher ist jedoch, dass die Folgen des schwachen Dollars immer klarer werden. Sie zeigen sich vor allem in Staaten, die ihre Währungen mehr oder weniger stark an den Greenback gebunden haben, deren Wirtschaftsdynamik sich jedoch nicht mit der lockeren Geldpolitik vereinbaren lässt. Dort ist der Preisauftrieb ausgeprägt. Während die Ölstaaten aufgrund der hohen Einnahmen verkraften können, müssen andere Länder wie Indien oder China darauf reagieren und restriktiver werden.

          Auch in den Vereinigten Staaten selbst steigen die Importkosten rasant und treiben die Preisentwicklung gerade zu einem Zeitpunkt an, zu dem die Konsumenten schon angeschlagen sind. Auf diese Weise wird die durch die Immobilien- und Kreditkrise angeschlagene Wirtschaft weiter geschwächt, denn eine hohe Inflation beschneidet die Kaufkraft.

          Aus diesem Grund werden Äußerungen amerikanischer Stellen ernster genommen als bisher, sie seien an einem stabilen oder gar einem stärkeren Dollar interessiert. Das gilt alleine schon deswegen, weil die Entwicklung des Dollars und die des Ölpreises in den vergangenen Monaten stark negativ korreliert war. Der Ölpreis trägt wesentlich zum allgemeinen Preisauftrieb bei. Zusammen genommen spricht einiges dafür, dass sich der Dollar stabilisieren sollte, während der Euro an Flair verliert.

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