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Devisenmarkt : Schock für Carry-Trader

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Hier handeln die Profis Bild:

Das Jahr 2006 schien schon gelaufen, da hat die thailändische Regierung noch für Wirbel gesorgt. Sie verfügte am Montag überraschend Maßnahmen, um den Zufluß von spekulativem Kapital zu bremsen - und machte am Dienstag einen Rückzieher.

          Den Devisenhändlern schien das Jahr 2006 schon fast gelaufen, da hat die thailändische Regierung noch für Wirbel gesorgt. Sie verfügte am Montag überraschend Maßnahmen, um den Zufluß von spekulativem Kapital zu bremsen - und machte schon am Dienstag wieder einen Rückzieher. Am Montag entzog sie den "Carry Trades" praktisch den Boden, also den mit billigen Krediten finanzierten, kurzfristigen Währungsspekulationen. Siehe auch Neue Kapitalverkehrsvorschriften: Baht und SET geben nach.

          Dem Motor des globalen Devisenhandels den Treibstoff entziehen?

          Sollte dieses Beispiel Schule machen, würde dies einem wichtigen Motor des globalen Devisenhandels den Treibstoff entziehen. Dementsprechend heftig reagierten die Märkte - und schickten nicht nur den thailändische Baht, sondern auch Währungen wie den koreanischen Won, den philippinischen Peso und die indonesische Rupiah auf Talfahrt. Gleiches galt für viele Aktienmärkte in Asien. In Thailand sackte der Leitindex SET am Dienstag sogar um fast 15 Prozent ab. Darüber erschreckt, beschloß die Regierung am Dienstag, Investitionen am Aktienmarkt von den Regeln auszunehmen.

          Als Gegenstück zur Abwertung des Baht profitierte die amerikanische Währung am Montag davon, daß die "Carry Trader" im Zuge der Rückführung ausländischer Engagements vermehrt Dollar nachfragten. So zeigte sich der Dollar am Montag trotz eines Rekorddefizits in der amerikanischen Leistungsbilanz gut behauptet. Am Dienstag gab der unerwartete Anstieg des Ifo-Konjunkturbarometers dem Euro Auftrieb und ließ ihn auf 1,3180 Dollar steigen.

          Nach der znuächst angekündigten, aber mittlerweile aufgrund der Kursverluste wieder entschärften, Vorschriften in Thailand müßten ausländische Investoren 30 Prozent ihres spekulativen Kapitals, das sie in Baht transferieren, für ein Jahr zinslos auf einem Konto einfrieren. Das macht solche Anlagen unattraktiv. Dahinter steht, daß im Laufe des Jahres viel spekulatives Kapital nach Thailand geflossen ist. Das hatte den Baht gegenüber dem Dollar seit Jahresbeginn um 16 Prozent aufwerten lassen - zu Lasten der Exportwirtschaft. Noch stärker als der Bath hat im ablaufenden Jahr nur noch die slowakische Krone aufgewertet.

          Schweizer Franken weiterhin schwach gegen den Euro

          Zum Dollar hat sie fast 20 Prozent an Wert gewonnen, zum Euro rund 8 Prozent. Sie schnitt damit unter den 70 größten Währungen der Welt am besten ab. Fast genauso stark hat auch der rumänische Leu aufgewertet, auf Rang drei dieser Liste, mit einem Plus von 5 Prozent gegenüber dem Euro, liegt die tschechische Krone. Die Stärke der ost- und mitteleuropäischen Währungen kommt nicht von ungefähr. Ihre Volkswirtschaften profitieren von der Nähe zum Euro-Raum. Als einer Art verlängerter Werkbank fließen ihnen beträchtliche Direktinvestitionen zu. Gleichzeitig brummt das Exportgeschäft, da die Wirtschaft des Euro-Raums derzeit auf hohen Touren läuft.

          Mit dem Beginn des neuen Jahres wird der Euro-Raum noch etwas größer: Slowenien ersetzt seine Währung Tolar durch den Euro. Einschließlich Rumänien und Bulgarien müssen gemäß den Beitrittsverträgen in den nächsten Jahren noch elf weitere EU-Mitglieder den Euro als Währung übernehmen. Aufgrund der strengen Beitrittskriterien haben derzeit aber nur Zypern und Malta eine Chance, den Euro Anfang 2008 einzuführen. Die Slowakei könnte 2009 folgen. Diese Aussicht hat zu dem Höhenflug der Krone beigetragen.

          Schlußlicht in der Tabelle der Wechselkursbewegungen ist der südafrikanische Rand: Er hat 2006 zum Euro rund 18 Prozent an Wert verloren. Ähnlich stark, um rund 14 Prozent, hat die türkische Lira abgewertet. Beide Länder haben große Leistungsbilanzdefizite; das belastet ihre Währungen. Den höchsten Stand seit März 2000 hat der Euro am Dienstag zur Schweizer Währung verzeichnet. In der Spitze mußten 1,604 Franken je Euro gezahlt werden. Händler erklären die Franken-Schwäche mit dem niedrigen Zinsniveau dort, welches zu "Carry Trades" und damit zu Kapitalabflüssen führe.

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