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Devisenmarkt : Plötzliche Dollaraufwertung nicht ausgeschlossen

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Die Finanzmärkte sind in den vergangenen Tagen nervös geworden. Das zeigt sich sowohl an den verschiedensten Kurskorrekturen als auch an den zunehmenden Volatilitäten. Kann die amerikanische Zentralbank den Rentenmarkt in Zaum halten?

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          Die internationalen Finanzmärkte sind in den vergangenen Tagen nervös geworden. Das zeigt sich sowohl an den verschiedensten Kurskorrekturen als auch an den zunehmenden Volatilitäten. So ist der VDax, der die im Markt bezahlten Volatilitäten für die Dax-Werte abbildet, von 24 Prozent noch vor einer Woche auf bis zu 32 Prozent am Montag im frühen Handel gestiegen.

          Die Volatilität einer Drei-Monats-Euro-Dollaroption (am Geld) ist von 10,8 Prozent Anfang Oktober auf zuletzt 12,53 Prozent angehoben worden, währen die einer Drei-Monats-Dollar-Yenoption von 12,73 auf zuletzt 15,15 Prozent stieg.

          Kann die amerikanische Zentralbank den Rentenmarkt in Zaum halten?

          Die Nervosität geht jedoch von den Rentenmärkten aus. Dort blicken die Marktteilnehmer mit zunehmendem Unbehagen auf die Fiskal- und Geldpolitiken der Regierungen und Zentralbanken. Das gilt insbesondere für die Vereinigten Staaten, wo Regierung und Zentralbank mit einer Kombination aus Staatsausgaben, die auf Pump finanzierte werden und die zu einer rasant zunehmenden Verschuldung führen, und extrem lockereren Geldpolitiken - tiefen Zinsen, hoher Geldmenge, quantitativen Maßnahmen - versuchen, die Wirtschaft aus dem Wachstumsloch zu heben, in die sie nach dem Platzen der Kreditblase in den vergangenen Monaten gefallen war.

          Sollten beide zusammen keine konstruktiven Wege aufzeigen, diese Strategie rechtzeitig zu revidieren, gingen die Rentenhändler von zunehmenden Inflationsrisiken aus und würden die bisher künstlich gestützten Preise der lang laufenden Papiere unter Druck setzen. Entwickelte sich eine Dynamik dieser Art, hätte die Zentralbank keine Chance, die Bewegung aufzuhalten und die Zinsen würden steigen. Genau diese Bewegung würde dazu führen, dass der Dollar rasant aufwerten könnte.

          Umkehrung der „Mutter aller Carry-Trades“?

          Denn eine Kombination zwischen Abwertungserwartungen und tiefen Zinsen hatte dazu geführt, dass der Dollar in den vergangenen Monaten zur globalen Refinanzierungswährung geworden war. Alle Welt hatte sich in Dollar verschuldet, um sich risikoreiche Aktien-, Renten- und Rohstoffpositionen ins Depot zu legen. Das führte dazu, dass viele Energie- und Rohstoffkontrakte immer teurer wurden, dass die Renditeaufschläge von Unternehmens- und Schwellenländeranleihen im Rekordtempo von extrem großen auf extrem keine Niveaus fielen und dass die Aktienmärkte in den Schwellenländern förmlich „durch die Decke“ gingen.

          Sollten sich nun jedoch Zins- und Wechselkurserwartungen urplötzlich verändern, wären alle Marktteilnehmer, die sich in Erwartung eines weiter fallenden Kurses in Dollar verschuldet haben, gleichzeitig gezwungen, die amerikanische Währung zurückzukaufen. Es käme möglicherweise zur „Umkehrung der Mutter aller Carry Trades“, wie es der amerikanische Ökonom Nouriel Roubini formuliert. Die Kursbewegung könnte noch extremer werden als jene, die im vergangenen Jahr im Rahmen der Krise zu beobachten gewesen war.

          Damals war der Euro innerhalb von drei Monaten von 1,60 Dollar auf gerade einmal 1,25 Dollar gefallen, während die Yen gleichzeitig von 110 auf 90 Yen je Dollar aufwertete. Der Grund lag darin, dass die internationalen Geschäftsbanken in den Jahren 2000 bis 2007 ihre Bilanzen unheimlich stark ausgedehnt hatten. Gerade die großen Institute in kleinen Staaten hatten riesige Dollarforderungen aus ländische Schuldner, die sie zum Teil sehr kurzfristig refinanziert hatten. Das führte dazu, dass die Dollarliquidität während der Krise äußerst knapp und der Dollar entsprechend teuer wurde, wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich erklärt.

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