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Devisenmarkt : Philippinischer Peso dürfte zum Dollar seitwärts gehen

  • Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

Der philippinische Peso hat in den vergangenen Monaten eine ausgeprägte Berg- und Talfahrt erlebt. Zum Jahresende dürfte sich der Kurs jetzt beruhigen.

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          Währungen sind komische Tiere. Mal laufen sie stur in eine Richtung, dann überlegen sie es sich plötzlich anders und machen ein 180-Grad-Wendung. An irgendwelchen „Jetzt-ist's-aber-genug-Marken“ beißen sie sich dann jahrelang fest, bevor sie dann plötzlich beschließen, sich einen Deut darum zu scheren.

          So auch der philippinische Peso, der fünf Jahre lang beschlossen hatte, gegenüber dem Dollar, vor allem aber gegenüber dem Euro stur abzuwerten. Dann überlegte er es sich praktisch zum Jahreswechsel auf einmal anders und begann ordentlich aufzuwerten.

          Doch so ganz traute FAZ.NET schon damals dem Braten nicht (Erholung des philippinischen Peso könnte von kurzer Dauer sein) und sollte Recht behalten. Anfang Juni begann der Peso wieder abzuwerten. Das hielt aber auch nur bis Anfang diesen Monats. Seitdem hat der Peso wieder begonnen aufzuwerten.

          Kurz war die Hoffnung

          Die ersten Bewegungen sind rasch erklärt. Die Staatsverschuldung der Philippinen wucherte lange Zeit vor sich hin, bis sie die doppelte Höhe dessen erreichte, was im Dezember 2001 Argentinien dazu veranlaßte den Schuldendienst einzustellen. Auch beim Haushaltsdefizit und der Verschuldung schneiden die Philippinen schlechter ab als Argentinien. Das Länder-Rating wurde immer bescheidener.

          Doch Anfang des Jahres schöpften die Anleger Hoffnung. Der philippinische Export zeigte sich positiv, die Regierung bemüht, die wirtschaftliche Situation die bedrohliche Haushaltslage zu verbessern. Dazu wurden Mehrwert- und Körperschaftssteuer angehoben. Außerdem sollten Steuereintreibung verschärft und Steuersparmöglichkeiten gestrichen werden und so in der Konsequenz am Jahresende das Haushaltsdefizit 180 Milliarden Peso unter Plan zu treiben.

          Am erstem Juli aber machte der der High Court der Philippinen (in etwas das oberste Zivilgericht) Präsidentin Arroyo einen Strich durch die Rechnung, als er ein neues Steuergesetz wenige Stunden nach dem Inkrafttreten kassierte. Das Gesetz hätte Ausnahmen bei der Umsatzsteuerpflicht abgeschafft und den Steuersatz ab nächstem Januar von zehn auf zwölf Prozent erhöht.

          Wahlfälschung, Glücksspiel, Kriegsgericht

          In der Konsequenz senkten die Ratingagenturen Fitch und Standard & Poor's den Ausblick für die Kreditwürdigkeit der Philippinen von stabil auf negativ. Dabei war der Konflikt um das Steuergesetz noch harmlos. Das gesamte politische System der Philippinen war in Aufruhr. Rufe nach einem Rücktritt von Arroyo wurden laut, nachdem Zeugen ausgesagt hätten, die Wahlen seien unter tatkräftigem Einsatz von Arroyos Ehemann manipuliert worden durch Ergänzungen in den Wählerverzeichnissen, Kauf von Stimmen und vieles mehr.

          Mittlerweile hat Arroyo ihre Position festigen können. Mitte des Monats überstand sie im Kongreß ein Amtsenthebungsverfahren. Nahezu gleichzeitig urteilte der Supreme Court, daß die Umsatzsteueränderung zulässig sei, so daß die Regierung das Gesetz noch einmal durch den High Court überprüfen lassen und dieses schließlich in der ein oder anderen Form wird in Kraft treten können.

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