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Devisenmarkt : Norwegische Krone profitiert von Leitzinserhöhung

  • Aktualisiert am

Bild: Statistics Norway and Norges Bank

Mit leichten Kursgewinnen reagiert am Mittwoch die norwegische Krone auf die fünfte Leitzinserhöhung im laufenden Jahr auf nun fünf Prozent. Die Zinsdifferenz entwickelt sich zugunsten der Krone.

          Mit leichten Kursgewinnen reagiert am Mittwoch die norwegische Krone auf die fünfte Leitzinserhöhung im laufenden Jahr auf nun fünf Prozent, auch wenn diese alles andere als überraschend kam. Die Währung des nordischen Landes legt gegen den Euro 0,2 Prozent zu auf 7,7785 Kronen.

          Sie setzt damit den im Oktober des vergangenen Jahres etablierten mittelfristigen Aufwertungstrend gegen die europäische Einheitswährung ebenso fort, wie den langfristigen Aufwertungstrend gegen den amerikanischen Dollar. Waren im Oktober des Jahres 2000 noch 9,658 norwegische Kronen nötig, um einen amerikanischen Dollar erwerben zu können, so sind es inzwischen nur noch 5,5058 Kronen.

          Ausgeprägter Aufwertungstrend gegen den amerikanischen Dollar

          Das Minus von 42,7 Prozent in gerade einmal sieben Jahren macht die Schwäche der amerikanischen Währung ebenso deutlich wie die relative Stärke der norwegischen Währung. Der Wechselkurs Norwegens profitiert einerseits von der finanziellen Solidität des Landes, die unter anderem aus den hohen Öleinnahmen resultiert. Auf der anderen Seite hat der Energie- und Rohstoffboom der vergangenen Jahre zu einer Vollauslastung der norwegischen Wirtschaft geführt.

          Die wiederum hat dazu geführt, das die Lage am norwegischen Arbeitsmarkt so angespannt ist wie zuletzt vor 20 Jahren. Die geringe Arbeitslosigkeit - die Arbeitslosenrate liegt nach internationalen Standards bei 2,5 Prozent - treibt die Löhne nach oben und dies wiederum beflügelt den Immobiliensektor und den Konsum. Das Lohnwachstum wird im laufenden Jahr bei 5,25 Prozent erwartet, die Einzelhandelsumsätze legten im Juli auf Jahresbasis um acht Prozent zu. Kein Wunder also, dass sich die Inflationsrate auf dem höchsten Stand seit vier Jahren befindet. Das zwingt die norwegische Zentralbank zu einem restriktiven Kurs.

          Hatte sie schon eine weitere Zinserhöhung im laufenden Jahr auf dann 5,25 Prozent und weitere Schritte im kommenden Jahr auf einen Leitzins von schließlich 5,75 Prozent angekündigt, so scheint die Norges Bank diese Erwartungen nun aufgrund der Kreditkrise der vergangenen Wochen etwas dämpfen zu wollen. „Die Risiken für die internationale Konjunktur sind eindeutig stärker, als wir vor ein paar Monaten angenommen haben“, erklärte denn auch Zentralbankgouverneur Svein Gjedrem die gegenwärtige Lageeinschätzung seines Institutes.

          Zinsdifferenz entwickelt sich zugunsten der Krone

          Insgesamt dürfte der Leitzins in Norwegen bis auf weiteres eher nach oben als nach unten tendieren, auch wenn manche Marktbeobachter inzwischen schon behaupten, die Zentralbank des Landes habe im Zuge der Kreditkrise überzogen. Allerdings sprechen die Fakten bisher eine andere Sprache. Angesichts des anhaltend hohen Ölpreises dürfte sich daran vorerst nur wenig ändern. In diesem Sinne dürfte die norwegische Währung zumindest gegen den Dollar weiterhin Flair haben. Denn angesichts der Zinssenkungen in den Vereinigten Staaten läuft die Zinsdifferenz eher auseinander als zusammen.

          Allerdings dürfte es ratsam sein, den Markt mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten. Denn er ist relativ klein und kann aus diesem Grund empfindlich auf größere Transaktionen reagieren. Nicht nur der Government Pension Fund und das Investmentportfolio der Norges Bank, mit dem die Devisenreserven verwaltet werden, können für Bewegung sorgen, sondern auch ausländische Investoren und Hedge-Fonds, die die norwegische Krone entdeckt haben.

          Nach Angaben der Notenbank hat sich das Transaktionsvolumen an Norwegens Devisen- und Derivatemärkten in den vergangenen drei Jahren mehr als verdoppelt. Im April 2007 wurden täglich Transaktionen im Volumen von 38,7 Milliarden Dollar abgewickelt. Vor drei Jahren waren es lediglich 19 Milliarden Dollar täglich. Im gleichen Zeitraum stieg der Wert der gehandelten Derivatekontrakte um 31 Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar täglich. Der Anteil norwegischer Banken am weltweiten Devisenhandel stieg von 0,6 Prozent im Jahr 2004 auf aktuell 0,8 Prozent.

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