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Devisenmarkt : Norwegens Krone fällt die Erholung schwerer als gedacht

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Von den Ende 2008 zum Euro markierten Tiefs hat sich die Krone zwar erholt. Seit Ende März geht es aber wieder etwas abwärts mit der norwegischen Währung. Das überrascht angesichts der soliden Finanzlage des Landes.

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          Von den meisten Volkswirten wird der volkswirtschaftliche Datenkranz Norwegens als weitaus solider eingeschätzt als dies bei den Vertretern des Euro-Raums der Fall ist. Doch trotz dieser positiven Bestandsaufnahme tut sich die Landeswährung Krone schwer, auf einen grünen Zweig zu kommen. Im Vorjahr stürzte die Notiz mit einem zum Jahreswechsel erreichten Tief von 9,9690 Kronen zum Euro sogar regelrecht ab.

          Verantwortlich dafür waren vermutlich vor allem die im Zuge der Kreditkrise aufgelösten Carry-Trades. Dazu muss man auch wissen, dass sich Norwegens Zentralbank seit Oktober auf einem ausgeprägten Zinssenkungskurs befindet. Während der Leitzins damals noch 5,75 Prozent betrug, beläuft er sich inzwischen nur noch auf ein Rekordtief von 1,25 Prozent.

          Ölfonds sorgt für solide Strukturen

          Unbeeindruckt davon zog der Kurs im ersten Quartal aber zunächst trotzdem wieder bis auf 8,59 Kronen an, doch seitdem ist die Luft auch schon wieder draußen. Aktuell notiert die Krone zum Euro bei 9,0785 Kronen und sie ist damit wieder in einen kurzfristigen charttechnischen Abwärtstrend abgerutscht.

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          Erstaunlich ist das wie erwähnt deshalb, weil sich zwar auch in Norwegen die öffentliche Finanzlage verschlechtert, das Land aber selbst 2009 dank der Öleinnahmen aller Voraussicht nach einen Haushaltsüberschuss behält. Wie die Volkswirte der Helaba vorrechnen, ist der norwegische Staat netto zudem auch nicht verschuldet, wenn das Vermögen aus dem staatlichen Ölfonds hinzugezogen wird. Dieser mit den Einnahmen aus dem Ölgeschäft bestückte Fonds ist noch immer mit rund 250 Milliarden Euro ausgestattet, was immerhin einem Anteil pro Bürger von rund 50.000 Euro entspricht.

          Außerdem schrumpft die Wirtschaft in diesem Jahr nach Schätzungen der Notenbank um 1,5 Prozent, was deutlich unter den Einbußen liegt, die den großen Euro-Volkswirtschaften droht. Und im kommenden Jahr soll das Bruttoinlandsprodukt dann wieder um 2,5 Prozent wachsen.

          Analysten mittel- bis langfristig positiv gestimmt

          Trotz dieser Vorzüge sind die Risiken für die norwegische Landeswährung aus Sicht der Commerzbank zunächst noch nach unten gerichtet. Zumal derzeit auch etwas Druck vom zuletzt wieder deutlich zurückgekommenen Ölpreis ausgeht. Ein zusätzlicher Belastungsfaktor stellt laut Commerzbank-Analystin Antje Praefcke die unsichere Lage im Baltikum dar. Dort sind speziell die schwedischen Banken stark vertreten, was indirekt negativ auf die schwedische Krone abfärbt. Und weil die norwegisch gerne mit der schwedischen Krone in Sippenhaft genommen wird, ist das auch ein Problem für Norwegens Währung.

          Zumindest sei es erfahrungsgemäß so, dass sich die Anleger bei steigender Risikowahrnehmung zügig aus diesen relativ illiquiden Märkten zurückziehen würden. Mit einer Normalisierung der allgemeinen Lage und einem mittelfristig vermutlich wieder anziehenden Ölpreises traut Praefcke der Krone dann aber im Jahresverlauf 2010 gegenüber dem Euro ein deutlicher Anstieg zugetraut. Auf Jahressicht werden Kurse wieder um die 8,00 Kronen-Marke für möglich gehalten.

          Bei der Helaba sieht man den Euro-Krone-Kurs sogar schon bis Jahresende bis auf 8,0 Kronen zurückgehen. Dies würde dann übrigens auch dem durchschnittlichen Kurs entsprechen, der in den vergangenen drei jahren vor der Lehman-Pleite Gültigkeit hatte. Auch deshalb klingt diese Prognose plausibel, wobei der Krone aktuell allerdings noch ein intakter kurzfristiger Abwärtstrend konstatiert werden muss.

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