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Devisenmarkt : Nobelpreisträger Stiglitz sieht Dollar weiter unter Druck

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Der Chart zeigt die Kursentwicklung bei der Parität Euro-Dollar Bild:

Ungelöste strukturelle Probleme werden den Dollar laut Joseph Stiglitz auch künftig belasten. Zur Begründung nennt der Nobelpreisökonom das Haushalts- und Handelsbilanzdefizit sowie die sinkenden Ersparnisse der privaten Haushalte.

          Das sich ausweitende Haushalts- und Handelsbilanzdefizit in Amerika und die sinkenden Ersparnisse der privaten Haushalte dürften den Dollar weiter unter Druck bringen, erwartet Nobelpreisökonom Joseph Stiglitz.

          Die Steuersenkungen von Präsident George W. Bush, die geplante Neuordnung des amerikanischen Sozialversicherungssystems und der Irak-Krieg werden zu einem größeren Haushaltsdefizit führen, prognostizierte Stiglitz bei einer von Credit Suisse First Boston organisierten Konferenz in Hongkong.

          „Eine Billion hier, eine Billion dort, das läppert sich zusammen," sagte Stiglitz, der 2001 den Nobelpreis für Ökonomie erhielt und jetzt Professor an der Columbia University ist. „Die Aussichten für einen stärkeren Dollar sind dürftig."

          Das amerikanische Haushaltsdefizit erreichte im Februar 113,9 Milliarden Dollar, das ist der größte monatliche Fehlbetrag überhaupt, berichtete das Finanzministerium in der Vorwoche. Die Sorgen um eine Ausweitung von Haushalts- und Handelsbilanzdefizit haben dazu beigetragen, daß der Greenback gegenüber einem Korb von sechs wichtigen Währungen in den vergangenen zwölf Monaten 7,7 Prozent an Wert verloren hat.

          Die Notenbanken werden angesichts der Dollarschwäche langsam nervös

          Die Zentralbanken, insbesondere in den Schwellenländern, machen sich Sorgen um die Dollarentwicklung und bauen Reserven in anderen Währungen auf, berichtete Stiglitz. „Es gibt Anzeichen, daß die Zentralbanken sich" über den sinkenden Dollar besorgt sind der den Wert ihrer Devisenreserven schmälert, erläuterte er.

          Des weiteren dürfte seiner Meinung nach die Abneigung der ausländischen Investoren, ein anschwellendes amerikanische Defizit zu finanzieren, das Wachstum in der weltweit größten Volkswirtschaft beeinträchtigen. Laut einer Umfrage von Bloomberg News unter Ökonomen dürften ausländische Anleger ihre Käufe von amerikanischen Wertpapieren im Januar auf 59 Milliarden Dollar zurückgefahren haben, nach 61,3 Milliarden Dollar im Vormonat.

          Privatanleger kaufen am meisten amerikanische Wertpapiere

          Der Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds, Raghuram Rajan, der auf der selben Veranstaltung wie Stiglitz sprach, wies darauf hin, daß Privatanleger den Löwenanteil der ausländischen Käufer von amerikanischen Wertpapieren darstellen. Auf den "offiziellen Sektor" entfällt nur etwa ein Drittel der Käufe ausländischer Investoren. Die Zentralbanken dürften sich auch weniger Sorgen um die Auswirkungen der Dollar-Schwäche auf ihre Bilanzen machen, sagte Rajan.

          „Für ausländische Zentralbanken ist der Gewinn weniger wichtig. Es ist daher kaum damit zu rechnen, daß sie die Zusammensetzung ihrer Reserven rasch ändern. Aber angesichts des Volumens haben sie das Potenzial, die Märkte zu bewegen, wenn sie das tun. Oder wenn die Politiker durchblicken lassen, daß sie das vorhaben," erläuterte er.

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