https://www.faz.net/-gv6-qxxo

Devisenmarkt : Niedriger Yuan fördert die Blasenbildung

  • Aktualisiert am

Bild: Tai-Pan

Der künstlich niedrig gehaltene Kurs des chinesischen Yuan schürt die Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft. Doch nicht nur das: Immer öfter warnen Volkswirte inzwischen auch davor, dass dies zu einer Blasenbildung bei Vermögenswerten führen könnte.

          4 Min.

          Am Sonntag trifft der amerikanische Präsident Barack Obama zu seinem ersten Staatsbesuch in China ein und wie nicht anders zu erwarten war, wird in Finanzmarktkreisen im Vorfeld wieder einmal intensiv über die weitere Entwicklung des chinesischen Yuan diskutiert.

          Ein teilweise hitzig diskutiertes Thema ist das auch deshalb, weil die chinesische Landeswährung schon seit Juli 2008 zum Dollar bei 6,83 Yuan fest zementiert ist und gegenüber dem Euro im Gleichschritt mit dem Dollar sogar bis auf 10,13 Yuan für einen Euro abgewertet hat.

          Relative Stärke der Wirtschaft spricht für anziehende Devisenkurse

          Kritisch wird dies von den Europäern und den Amerikanern deshalb gesehen, weil Chinas Währung wegen der starken heimischen Wirtschaft nach Lesart der meisten Experten eigentlich höher notieren müsste. Schließlich wächst die chinesische Industrie wieder so zügig wie vor Beginn der weltweiten Wirtschaftskrise. Die Industrieproduktion lag im Oktober um 16,1 Prozent über dem Vorjahresniveau - die größte Zunahme seit März 2008. Im September hatte der Anstieg 13,9 Prozent betragen. Auch der Einzelhandelsumsatz fiel mit einem jährlichen Anstieg von 16,2 Prozent unerwartet hoch aus.

          Für das laufende Jahr sagt die Weltbank für das chinesische Bruttoinlandsprodukt ein Wachstum von 8,4 Prozent voraus. Und die Konsensschätzung der Volkswirte für Chinas Wachstum im kommenden Jahr liegt bei neun Prozent. Zusammen mit den weltgrößten Devisenreserven und einem stattlichen Leistungsbilanzüberschuss würde das normalerweise für eine anziehende Währung sprechen. Doch China hält die Notiz künstlich unten, um so den lokalen Exporteuren zu helfen. China stehle damit den Industrieländern Arbeitsplätze und behindere eine weltweite Konjunkturerholung, indem es die Landeswährung niedrig halte, kritisiert Nobelpreisträger Paul Krugman. „Chinas schlechtes Benehmen stellt eine wachsende Gefahr für den Rest der Weltwirtschaft dar“, bemängelt er.

          Wann lenken die Verantwortlichen in China ein?

          Doch die Kritik entzündet sich nicht nur an diesem Vorteil, den man sich offenbar künstlich gegenüber den Konkurrenzen verschafft. Immer öfter warnen Volkswirte dagegen auch davor, dass die Anbindung des chinesischen Yuan an den Dollar zu einer Blasenbildung bei Vermögenswerten führen könnte. Schon jetzt habe die Währungsanbindung hat zu einer Expansion der Geldmenge um 29 Prozent und einem Zufluss spekulativer Gelder in Höhe von über 150 Milliarden Dollar beigetragen, berichtet China International Capital Corp. Als eine Folge davon ist der chinesische Aktienindex Shanghai Composite Index in diesem Jahr bereits um 74 Prozent geklettert und die Preise für Wohnimmobilien haben ein Rekordniveau erreicht. In diesem Jahr haben die chinesischen Banken bereits 1,3 Billionen Dollar an neuen Krediten vergeben, was die Investments in Wohnungen angeheizt hat. Diese stiegen im August um 35 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, nach einem Zuwachs von 20 Prozent im Juli.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          In der Kritik: Der neue Awo-Vorstand Steffen Krollmann liegt über Kreuz mit seinem alten Arbeitgeber.

          F.A.Z. exklusiv : Awo-Dienstwagen für den Ehepartner

          Die Staatsanwaltschaft weitet die Ermittlungen gegen Mitarbeiter der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt aus. Der neue Awo-Chef muss sich derweil gegen Vorwürfe seines ehemaligen Arbeitgebers zur Wehr setzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.