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Devisenmarkt : Neuseeland-Dollar verliert etwas Zinsphantasie

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Mit Kursrückschlägen reagiert am Donnerstag der Kurs des Neuseeland-Dollars auf die zweite Leitzinserhöhung nach der Finanzkrise um 0,25 Prozentpunkte auf nun drei Prozent. Die Zentralbank verzögert die geldpolitische Straffung.

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          Vergleichweise hohe Zinsen und die Aussicht auf Zinserhöhungen machten den Neuseeland-Dollar in den vergangenen Monaten interessant für ausländische Anleger. Er ist als Anlagewährung besonders bei japanischen Anlegern beliebt, die aufgrund der nun schon Jahrzehnte dauernden Tiefzinspolitik der Zentralbank zur Anlage im Ausland gezwungen werden, wenn sie eine interessante Rendite erzielen wollen.

          So kann es kaum verwundern, dass sich der Kurs der Währung in den vergangenen Monaten rasant vom Rückschlag erholte, den er im Jahr 2008 im Rahmen der Wirtschafts- und Finanzkrise und in Verbindung mit dem zwischenzeitlichen Ausverkauf an den Energie- und Rohstoffmärkten hatte hinnehmen müssen.

          Das Kurspotenzial der Währung scheint vorerst ausgereizt zu sein

          Der Kurs des Neuseeland-Dollar hat sich von 49,40 amerikanischen Cents im März des vergangenen Jahres auf bis zu 76 amerikanische Cents noch im Oktober desselben Jahres erholt und hält sich seitdem in einer volatilen Seitwärtsbewegung knapp unter diesem Niveau. Gegen den Euro führte die Aufwertungsbewegung von 2,56 Neuseeland-Dollar im März des vergangenen Jahres auf bis zu 1,72 Kiwi-Dollar je Euro noch vor fünf Wochen.

          Nun scheint allerdings das Kurspotenzial der Währung vorerst ausgereizt zu sein. Denn der Kurs reagiert am Donnerstag gegen den amerikanischen Dollar kaum und gegen den Euro sogar mit einer weiteren Abwertung von 0,7 Prozent auf die zweite Leitzinserhöhung in etwas mehr als einem Jahr um 25 Basis- oder 0,25 Prozentpunkte auf nun drei Prozent. Nach der Erhöhung der Official Cash Rate (OCR) erklärte Reservebankgouverneur Alan Bollard, die wirtschaftlichen Aussichten Neuseelands hätten sich zwar etwas abgeschwächt, trotzdem sei es sinnvoll die in den Jahren 2008/09 implementierten geldpolitischen Stimulantien außerordentlicher Stärke weiter zurückzuführen.

          Die Erholung der Weltwirtschaft sei allenfalls fragil, während die Endnachfrage in Neuseeland selbst gedämpft bleibe. Die Privathaushalte blieben vorsichtig, die Einzelhandelsumsätze nähmen nur zögerlich zu, der Verkauf von Häusern sei rückläufig und die Vergabe von Krediten an Private schwach, erklärt die Zentralbank weiter. Selbst die Einwanderungsbewegung flaue ab und das Investitionsverhalten der Unternehmen bleibe gedämpft. Kurzfristig bleibe der Wachstumsausblick robust, wobei der Unternehmensvertrauen hoch und die Exportnachfrage nach Holz zunehme. Das Wiederaufleben der Investitionstätigkeit werde das Wachstum mittelfristig stützen.

          Die Zentralbank verzögert die geldpolitische Straffung

          Auf der anderen Seite wundert sich die Zentralbank über die Stärke der eigenen Währung. Die Aufwertung der vergangenen Monate sei inkonsistent mit dem verhaltener werdenden wirtschaftlichen Ausblick und der moderateren Preisentwicklung bei den Preisen der exportierten Rohstoffe. Insgesamt seien weitere Zinserhöhungen in Neuseeland notwendig, da die Geldpolitik immer noch stimulierend wirke. Allerdings werde die Geschwindigkeit, mit der sie gestrafft werde, voraussichtlich weniger zügig sein, als noch im Juni angenommen wurde.

          Die Erhöhung der Güter- und Dienstleistungssteuer und andere administrative Maßnahmen würden zwar zu einem Preisimpuls führen, das Inflationsniveau jedoch wohl nicht nachhaltig erhöhen, erklärte Bollard weiter. Gleichzeitig jedoch werde die Zentralbank die Lohn- und Preisentwicklung im Unternehmens- und Privatsektor genau beobachten, zum mögliche Änderungen der Inflationserwartungen rechzeitig zu registrieren.

          Insgesamt hat die Zentralbank Neuseelands etwas Zinsphantasie aus dem Markt genommen. Damit nehmen die spekulativen Reize der Währung etwas ab. Auf der anderen Seite bleibt der Zinsvorteil. Immerhin liegt der Drei-Monatszins in Neuseeland bei 3,5 Prozent, während der in Japan gerade einmal 0,35 Prozent beträgt. Bei Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren beträgt die Renditedifferenz zwischen Japan und Neuseeland mehr als vier Prozentpunkte. Sie stützt den Kurs der Währung in einem normalen Umfeld. Deutlichere Kursrückschläge sind allerdings bei zunehmender Risikoaversion und bei deutlich fallenden Rohstoffpreisen wahrscheinlich. Denn sollte es zu konjunnkturellem Gegenwind kommen, köennen die hohe Verschulung und die hoch gebliebenen Hauspreise in Neusseeland zum Problem werden.

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