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Devisenmarkt : Leu dürfte 2007 schwächer tendieren

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Rumänien möchte gerne schnell zur EU aufholen Bild: AP

Mit der zweiten Zinssenkung in nur sieben Wochen überraschte die rumänische Nationalbank am Montag die Märkte. Zwar hat sich der Leu wieder gefangen, die starke Aufwertung des Vorjahres dürfte sich 2007 aber nicht wiederholen.

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          Der Beitritt zur Europäischen Union ist ein Ereignis, das bereits seit Jahren dazu angetan ist, Devisen- und Anleihenkurse auf dem alten Kontinent in starke Bewegungen zu versetzen. Der rumänische Leu etwa verzeichnete im ganzen Jahr 2006 eine deutliche Aufwertungsbewegung.

          Gegenüber dem Dollar verbesserte sich der Kurs von 3,1058 Leu für den Greenback bis auf 2,5393 Leu zum Monatsende, gegenüber dem Euro legte der Kurs von 3,7175 Leu auf 3,3275 Leu etwas weniger deutlich zu, nachdem sich der Euro gegenüber dem Dollar den größten Teil des Jahres sehr stark zeigte.

          Positive Wirtschaftsentwicklung

          Seit dem Jahresbeginn, nachdem Rumänien EU-Mitglied ist, haben sich die Wechselkursbewegungen stark beruhigt. Gegenüber dem Euro hat sich der Leu kaum verändert und auch gegen den Dollar konnte er nur leicht aufwerten.

          Dies hat auch fundamentale Gründe. Denn die rumänische Wirtschaft zeigte in den vergangene Jahren deutliche Aufwärtstendenzen. Nach einem Rekordwachstum von über acht Prozent im Jahr 2004 expandierte die Wirtschaft mit 4,1 Prozent im Jahr 2005 und 6,7 Prozent im vergangenen Jahr kräftig. Wachstumsmotor ist eine lebhafte Binnennachfrage.

          Auch Teuerung und Arbeitslosigkeit gingen zurück. Betrug die Inflationsrate 2003 noch über 15 Prozent, sank sie 2005 in den einstelligen Bereich und dürfte im vergangenen Jahr auf unter sieben Prozent gefallen sein. 2005 fiel die Arbeitslosenquote unter sechs Prozent und dürfte im vergangenen Jahr weiter leicht zurückgegangen sein.

          Ein Manko ist hingegen die Entwicklung des Außenhandels, denn das Wachstum der Importe hält mit dem der Exporte nicht schritt und liegt sowohl absolute als auch relativ darunter. Das hat dazu geführt, dass sich das Defizit seit 2003 annähernd verdreifacht hat.

          Paradigmenwechsel in der Politik

          Auch die Beruhigung der Aufwertung dürfte wohl der fundamentalen Entwicklung geschuldet sein. Denn da die Inflationsrate mittlerweile ein 17-Jahres-Tief erreicht hat, hat die Zentralbank begonnen, die Leitzinsen zu senken. Einem ersten Schritt von 67 Basispunkten im Februar folgte am Montag eine unerwartete Absenkung um weitere 50 Basispunkte auf 7,50 Prozent gesenkt.

          Aber nicht nur die Zinsentwicklung, sondern auch ein spürbarer Paradigmenwechsel in der Regierungspolitik dürften dazu beitragen, die Aufwärtsbewegung zu bremsen. Nachdem Rumänien in den vergangenen Jahren eine starke Stabilisierungspolitik betrieb und dabei 2005 das Staatsdefizit auf 18 Prozent und das Haushaltsdefizit auf 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) drückte, hat sich diese Disziplin Ende des vergangenen Jahres deutlich gelockert.

          So genehmigte das Parlament im Dezember Ausgabenpläne, die das Haushaltsdefizit auf zwei bis drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes anschwellen lassen werden, nachdem es bereits 2006 auf 1,7 Prozent des BIP gestiegen ist.

          Erhebliche Haushaltsrisiken

          Das Bestreben der Regierung ist es nach den Stabilisierungsjahren nunmehr verstärkt den Anstand beim Wohlstandsniveau zur Europäischen Union zu verringern. Das Pro-Kopf-Einkommen der Bevölkerung lag mit rund 3.500 Euro im Jahr 2005 nur bei rund einem Drittel des EU-Durchschnitts. Selbst zu Lettland, dem bis 2007 mit einem Pro-Kopf-Einkommen von rund 5.500 Euro ärmsten EU-Land, besteht noch merklicher Abstand.

          Indes warnen sowohl der Internationale Währungsfonds (IWF) als auch die Zentralbank des Landes davor, dass die Regierungspläne die Geldwertstabilität gefährden könnten. So sollen die Gehälter im öffentlichen Dienst um 20 Prozent angehoben werden, nachdem die Löhne 2006 im Durchschnitt um elf Prozent gestiegen sind. Außerdem will Premierminister Calin Tariceanu erheblich mehr für das Gesundheits- und Erziehungswesen und die Landwirtschaft ausgeben. Durch Investitionen kann sich das Land nach seinem Beitritt zur EU am 1. Januar 2007 Mittel in gleicher Höhe aus EU-Strukturfonds für Beitrittsländer sichern.

          Nach Ansicht des IWF unterschätzt die Regierung in ihrem Haushaltsansatz die Ausgaben und überschätzt die Einnahmen. So könnte das Haushaltsdefizit deutlich stärker anschwellen und 3,8 Prozent des BIP erreichen.

          Wahlen werfen ihre Schatten voraus

          Die Nationalbank sieht ihr Ziel gefährdet, die Preissteigerungsrate im laufenden Jahr auf vier Prozent zu drücken. Daher rechnen Analysten höchstens noch mit einer Senkung um weitere 50 Basispunkte. „Weniger als sieben Prozent sind ein Risiko“, sagte Florin Citu, Chefökonom der ING Bank Rumänien der Nachrichtenagentur Bloomberg.

          Unter den gegebenen Umständen ist daher im weiteren Jahresverlauf nicht mit einer Wiederaufnahme des deutlichen Aufwertungstrends des Vorjahres zu rechnen. Zwar hatte der Leu am Montag in Reaktion auf die Zinssenkung deutlich von seinem Jahreshoch abgewertet, doch hat sich die Bewegung am Dienstag nicht weiter fortgesetzt.

          Viel wird auch darauf ankommen, wie sich die innenpolitischen Machtverhältnisse. Im kommenden Jahr stehen Parlamentswahlen an. Diese sind zwar erst im November, aber dennoch möchte die Regierung sich eine gute Position sichern, denn die Koalition aus den der Allianz für Wahrheit und Gerechtigkeit vereinten Nationalliberalen und Demokraten sowie der Partei der ungarischen Minderheit und 18 unabhängigen Abgeordneten ist keineswegs eine geschlossenen Einheit.

          Sollte sich etwa das Wachstum deutlicher abschwächen als auf die prognostizierten 5,25 Prozent, so könnte die Fiskalpolitik weiter zulasten der gesamtwirtschaftlichen Stabilität forciert werden. Nachdem der Beitritt vollzogen ist, fällt auch dieses disziplinierende Korrektiv weg. Die Destabilisierung des ungarischen Staatshaushalts sollte hier als warnendes Beispiel dienen. Eine solch expansive Politik dürfte auch am Kurs des Leu dann nicht spurlos vorübergehen, insbesondere gegenüber dem Euro.

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