https://www.faz.net/-gv6-tn47

Devisenmarkt : Leitzinserhöhung bewegt den Kiwi-Dollar kaum

  • Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

Die Zentralbank von Neuseeland erhöht den Leitzins um 25 Basispunkte auf nun 7,5 Prozent, der Wechselkurs reagiert kaum. Das Land verbucht ein Leistungsbilanzdefizit von 9,5 Prozent und ist stark abhängig von ausländischem Kapital.

          2 Min.

          Neuseeland hat mit einem Dreimonatszins von 7,88 Prozent und mit einer Rendite von 5,775 Prozent bei Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit nicht nur eine inverse Zinskurse, sondern eines der höchsten Zinsniveaus weltweit.

          Am Donnerstag erhöhte die Zentralbank den Leitzins zum zehnten Mal seit dem Januar des Jahres 2004 um 25 Basispunkte auf nun 7,5 Prozent und schloss eine weitere Zinserhöhung nicht aus. Denn sie sieht die Gefahr, dass ein starker Konsum und die anhaltend regen Aktivitäten im Hausbau die Inflationsrate im Lande über die Zielzone von einem bis drei Prozent bewegen könnten.

          Neuseeländische Zentralbank ist wachstumsoptimistisch und inflationsskeptisch

          Immerhin hat sich in den vergangenen Monaten das Wachstum des Landes trotz der hohen Zinsen von einer Delle erholt und könnte nach Einschätzung der Zentralbank im kommenden Jahr Wachstumsraten von bis zu drei Prozent erreichen. Im laufenden Jahr werde die Inflationsrate zwar vorübergehend aufgrund von Basiseffekten fallen, im kommenden würde sie jedoch wieder anziehen, ließ die Zentralbank verlauten.

          Der Konsum werde angetrieben vom boomenden Häusermarkt - die Anzahl der verkauften Häuser stieg in Januar um 19 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode - und von Regierungszahlungen an Familien und von Steuersenkungen für die Unternehmen. Der Häusermarkt wiederum profitiere von der anhaltenden Immigration, einer geringen Arbeitslosigkeit und nicht zuletzt vom harten Wettbewerb der verschiedenen Banken um die Kunden. Der durchschnittliche Schuldendienst liegt bei rund 13 Prozent der verfügbaren Einkommen.

          Während die Zentralbank argumentiert, sie habe aus Rücksicht auf die Wirtschaftsentwicklung im Lande und vor allem auch auf internationale Anreize - Stichwort Carry Trades - den Leitzins nicht noch weiter erhöht, befürchten manche Ökonomen, sie hätte inzwischen schon überzogen. Welche der Einschätzungen mittelfristig richtig liegt, wird sich erst noch zeigen müssen. Die Exportentwicklung ist jedoch nicht sonderlich ermutigend.

          Tatsache ist, dass sich die neuseeländische Währung in den vergangenen Monaten zwar wieder deutlich von der massiven Kurskorrektur der ersten Hälfte des vergangenen Jahres erholt hat, inzwischen aber wieder auf dem erreichten Niveau von 1,9210 Kiwi-Dollar je Euro und 68,45 amerikanischen Cents je Kiwi-Dollar stagniert. Diese Entwicklung dürfte unter anderem mit der offensichtlich rasch vorübergehenden Risikoaversität der internationalen Anleger zu tun haben.

          Leistungsbilanzdefizit von 9,5 Prozent - starke Abhängigkeit von ausländischem Kapital

          Davon wird sehr wahrscheinlich auch sowohl die weitere Kursentwicklung der Währung als auch die Zinsentwicklung abhängen. Denn Neuseeland verzeichnete deutliche Defizite in den wirtschaftlichen Beziehungen nach außen. Das Leistungsbilanzdefizit liegt bei etwa 9,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Das zeigt, wie stark das Land vom ausländischen Kapital abhängig ist. Die Nettovermögensbilanz beläuft sich auf ein Minus von rund 7,5 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes.

          Sollten sich die hohen Zinsen schließlich doch dämpfend auf die Wirtschaftsentwicklung auswirken - die Zentralbank brachte auch alternative Möglichkeiten wie eine Änderung der Reserveanforderung und Steuerimpulse, um die Entwicklung im Hausbau ohne weitere Zinserhöhung zu dämpfen - dürfte die Währung möglicherweise weiter an Flair verlieren. Vor allem dann, wenn sich die Risikoneigung der internationalen Anleger noch deutlicher als in den vergangenen Tagen abkühlen sollte. In diesem Fall würde sich der Blick auch wieder auf die Ungleichgewichte des Landes richten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Dicke Luft in Stuttgart

          Klimagipfel : Mit Verzichtspanik wird nichts erreicht

          Als müsste in einer klimafreundlicheren Welt jemand aufs Auto, aufs Heizen, Fliegen oder auf Kinder verzichten! Das Vertrauen in die Technik ist bei denen, die den Innovationsgeist am lautesten für sich reklamieren, am geringsten.
          Warnt die SPD: der CSU-Vorsitzende Markus Söder

          Zukunft der Groko : „Stabilität ja, Siechtum nein“

          Einen grundlegend neuen Kurs der Koalition werde es nicht geben, warnt die Union die SPD. Beim Klimapaket, das am Abend im Vermittlungsausschuss beraten wird, erwartet der Unionsfraktionschef aber eine schnelle Einigung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.