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Devisenmarkt : Kiwi-Dollar auf höchsten Stand seit 1982

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Bild: FAZ.NET

Die Zentralbank von Neuseeland könnte den Leitzins auf acht Prozent erhöhen, denken manche Experten. Der Zinsvorteil treibt die Währung nach oben, obwohl das Land ein deutliches Leistungsbilanzdefizit verbucht und stark abhängig ist von ausländischem Kapital.

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          Trotz aller zwischenzeitlichen Korrekturansätze leben bisher die so genannten Carry Trades immer wieder neu auf und treiben manche Währungsrelationen auf immer neue Höhen. Das gilt in erster Linie für Euro-Yen, aber auch für Währungen wie den kanadischen, den australischen und den Neuseeland-Dollar.

          Die Währungen werden weniger von den internationalen Warenströmen bewegt als vielmehr von den internationalen Kapitalströmen, die ausgelöst werden von den Anlegern auf der Suche nach attraktiven Anlagemöglichkeiten. Diese werden automatisch angezogen von Währungsräumen mit hohen Zinsen, insbesondere dann, wenn auch noch Aussicht besteht auf Zinserhöhungen.

          Zinsvorteil und aufwertende Währung - was wollen ausländische Anleger mehr?

          Genau diese Kombination machte in den vergangenen Jahren und Monaten den Neuseeland-Dollar immer wertvoller, obwohl das Land an sich ein massives Leistungsbilanzdefizit aufweist. Mit einer Rendite von knapp 6,5 Prozent bei Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren und von gar mehr als acht Prozent am kurzen Ende der Laufzeit bietet das Land weltweit mit die höchsten Zinsen.

          Angesichts einer rasch wachsenden Geldmenge - sie wuchs alleine im April um 14,6 Prozent auf Jahresbasis - und eines der hohen Zinsen widerstehenden Konsums scheint der Markt immer mehr davon auszugehen, die Zentralbank könnte den Leitzins am Mittwoch um einen weiteren Viertelprozentpunkt auf dann acht Prozent erhöhen. Das würde die Währung des Landes für ausländische Anleger noch attraktiver als bisher machen. Schon seit Monaten befinden sich zwischen 65 und 70 Prozent der Staatsanleihen des Landes in den Händen ausländischer Anleger.

          Diese konnten nicht nur von den hohen Renditen an sich profitieren, sondern gleichzeitig bisher auch noch Währungsgewinne verbuchen. Immerhin hat der Neuseeland-Dollar gegen den Dollar von 59,63 amerikanischen Cent im Juni des vergangenen Jahres auf zuletzt 75,26 amerikanische Cent je Neuseeland-Dollar aufwerten. Das ist der höchste Stand seit dem Jahr 1982. Auch gegen den Euro ging es nach einer massiven Zwischenkorrektur im Frühjahr des vergangenen Jahres wieder kräftig nach oben von 2,1112 Kiwis je Euro im Juli des vergangenen Jahres auf zuletzt 1,7948 Kiwis je Euro am Dienstag.

          Fragt sich nur, wie lange diese Konstellation anhalten kann

          Beide Trends sehen zumindest mittelfristig robust aus. Allerdings dürfte ihre Fortsetzung vom anhaltend hohen Risikoappetit der internationalen Anleger in Verbindung mit tiefen Volatilitäten abhängen. Sie führen dazu, dass immer mehr japanische Anleger und die so genannten „Carry Trader“ ihre Gelder im Ausland rentierlicher als im Binnenmarkt anlegen wollen. Das bringt den niedrig verzinslichen Yen immer mehr in die Defensive, während die höher rentierlichen Währungen davon profitieren. Das gilt nicht nur für den Neuseeland-Dollar, sondern auch für das australische Pendant und auch für den Euro.

          Es fragt sich allerdings, wie lange sich solche Strategien werden verfolgen lassen. Denn erstens führen sie über die Währungen zu Ungleichgewichten, zweitens zu Wettbewerbsverzerrungen. So profitiert die japanische Industrie nicht nur vom künstlich tiefen Zinsniveau, sondern auch von der Abwertung der Währung. Es ist verwunderlich, dass internationale Konkurrenten das Thema nicht schon längst auf die Agenda gebracht haben. Gleichzeitig führt es bei den Exportunternehmen in den Hochzinsländern zu Nachteilen und kann mittelfristig auf diese Weise das Wachstum bremsen. In diesem Sinne mögen die bestehenden Trends noch weiter laufen. Allerdings werden sie spätestens dann gefährdet, wenn sich die Erwartungen verändern. Im Moment scheint das noch nicht der Fall zu sein.

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