https://www.faz.net/-gv6-rwcp

Devisenmarkt : Kanadas „Loonie“ könnte bald wieder aufwerten

  • Aktualisiert am

Auch der neue Regierungschef Harper hat keine eigene Mehrheit Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Unsicherheit über das Aussehen der künftigen Regierung und die Ankündigung „bescheidener“ Zinsschritte haben den kanadischen Dollar jüngst geschwächt. Doch die Aussicht auf Lohn- und Inflationsdruck könnte den „Loonie“ bald wieder antreiben.

          2 Min.

          Nach dem mexikanischen Peso ist der kanadische Dollar diejenige Währung unter den wesentlichen Devisen, die binnen Jahresfrist gegenüber dem Euro am stärksten aufgewertet hat. Ein Plus von 11,4 Prozent steht zu Buche, während der amerikanische Dollar in Euro gerechnet 6,7 Prozent mehr wert ist als vor zwölf Monaten. Mithin ist der kanadische „Loonie“ nicht nur im Vergleich zum Euro hochgelaufen, sondern auch gegenüber der Währung des Nachbarn im Süden.

          Seit Anfang Dezember durchläuft er aber eine Phase der Schwäche. Nachdem er zum Euro auf das Mehrjahreshoch von 1,354 „Loonies“ gelaufen war, ging es schrittweise abwärts. Und zwar um bisher 4,3 Prozent: Zur Wochenmitte verbilligt er sich zur europäischen Gemeinschaftswährung um 0,1 Prozent auf 1,4151.

          Diese Bewegung zeigt, daß Leitzinserhöhungen einer Devise nicht immer nützen. Denn der am Dienstag erfolgte Trippelschritt aufwärts, den die Bank of Canada gegangen ist, konnte den „Loonie“ bisher nicht stärken. Dies liegt auch an der jüngsten Unsicherheit über das Aussehen der nationalen Regierung. Zwar ist die liberale Minderheitsregierung nur noch geschäftsführend im Amt, doch die Konservativen haben keinen vollständigen Wahlsieg errungen. Mithin könnte es wieder eine Minderheitsregierung geben. Und diese Aussicht wird von Marktteilnehmern nicht gerade beklatscht, da sie weiter Unsicherheit verheißt.

          Bild: FAZ.NET

          Gleichwohl könnte der kanadische Dollar bald seine Konsolidierung beenden. Denn die nationale Wirtschaft brummt weiter. Vor diesem Hintergrund sehen die Volkswirte der Deka-Bank steigenden Lohn- und Inflationsdruck. Der Preisauftrieb sei in der jüngsten Zeit nur deshalb langsamer als zuvor ausgefallen, weil die Energiepreise gefallen seien. Deshalb rechnen sie nun schon für März und Mai mit weiteren Zinsschritten - und nicht mehr erst für April und Juli.

          Das höchste Zinsniveau seit vier Jahren

          Die kanadische Notenbank hat die Leitzinsen am Dienstag zum vierten Mal in Folge angehoben. Der Tagesgeldsatz steigt um 25 Basispunkte auf 3,50 Prozent, wie die Bank of Canada (BoC) mitteilte. Damit wird in Kanada das höchste Zinsniveau seit mehr als vier Jahren markiert. An den Finanzmärkten war die Einscheidung fast einhellig erwartet worden.

          Da die Wirtschaft nahe der Kapazitätsgrenze produziere, seien weitere moderate Zinserhöhungen nötig, um die Inflation auf mittlere Sicht unter Kontrolle zu halten, hieß es. Die Risiken für 2006 sieht die Zentralbank als ausgewogen an, für 2007 überwögen allerdings die Abwärtsrisiken. Die Bank of Canada (BoC) hat zudem mitgeteilt, nun eine „bescheidene“ Zinsanhebung als notwendig zu erachten, um das Inflationsziel von zwei Prozent auf mittlere Sicht einhalten zu können.

          Diese Wortwahl, die in der Dezember-Stellungnahme noch nicht aufgetaucht war, ist von Devisenhändlern und -strategen zum Nachteil des „Loonie“ ausgelegt worden. „Die Stellungnahme deutet an, daß die Zentralbank einen Deckel auf ihren Zinserhöhungszyklus setzt“, sagte Stewart Hill von HSBC Securities Canada in Toronto zu Bloomberg News. Deshalb sei eine Abschwächung des Kurses die logische Antwort der nationalen Währung.

          Rohstoffhausse und Übernahmen pro „Loonie“

          Die Volkswirte der Deka-Bank setzen indes einen anderen Akzent: „Es ist bemerkenswert, daß die BoC in dieser späten Phase des Zinszyklus überhaupt derart konkrete Aussagen über die künftige Geldpolitik macht“, heißt es in einem Kommentar. Und dies ist der Grund, warum die Deka-Bank ihre Leitzinsprognose für Kanada angepaßt hat.

          Noch weitere Argumente lassen sich für ein erneutes Erstarken des „Loonie“ anführen. Außer der anhaltenden Rohstoffhausse, die Kanada in die Karten spielt, stützen Übernahmen kanadischer Unternehmen die nationale Devise. Zu nennen ist etwa der Fall des Stahlkonzerns Dofasco, den die luxemburgische Arcelor kaufen will und in „Loonies“ bezahlen müßte. Nicht zuletzt dürfte dem kanadischen Dollar die Aussicht auf ein baldiges Ende des Zinszyklus in Amerika dienen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Erholung im Low-Covid-Sommer vor der vierten Welle: Cihan Çelik im Klinikum Darmstadt.

          Lungenarzt Cihan Çelik : „Unser Team ist dezimiert“

          In Deutschland sinken die Fallzahlen. Oberarzt Cihan Çelik berichtet, wie es jetzt auf der Isolierstation im Klinikum Darmstadt aussieht, was mit der Delta-Variante auf uns zukommt und wie sinnvoll die Maskenpflicht noch ist.
          Die 28 Jahre alte Annalena Baerbock 2009 auf dem Landesparteitag von Bündnis90/Die Grünen in Angermünde (Uckermark).

          Buch von Annalena Baerbock : Ein konsensfähiges Leben

          Wenn irgendwo was rumliegt, räumt sie es auf: Wie Annalena Baerbock in ihrem Buch „Jetzt“ die neue Rolle der Grünen zu verkörpern versucht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.