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Devisenmarkt : Kanada-Dollar verliert an Flair

  • Aktualisiert am

Bild: Statistics Canada

In den vergangenen Monaten haben sich die so genannten „Rohstoffwährungen“ gut entwickelt. Auch der kanadische Dollar. Nun hat er allerdings an Flair verloren, die ihm die Bank of Canada die Zinserhöhungsphantasie entzogen hat.

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          Im Rahmen der Stimulus getriebenen Erholung der Weltwirtschaft, der allgemeinen Dollarschwäche und des Booms an den Rohstoffmärkten haben sich in den vergangenen Monaten die so genannten „Rohstoffwährungen“ von den Kursrückschlägen der Krise erholt. Sie seien so stark wie schon lange nicht mehr, heißt es immer wieder.

          Solche Argumente sind richtig, wenn man sie auf die vergangen 20 Jahre bezieht. Blickt man jedoch weiter zurück, so zeigt sich, dass 90er-Jahre gegen den Euro beziehungsweise gegen die Deutsche Mark deutlich und im Trend abgewertet haben. Aufgrund dieses Vergleichs und auch aufgrund der veränderten relativen Preis- und Nachfrageverhältnisse im Rohstoffsektor gibt es kaum Gründe, sich über das erreichte Kursniveau der Währungen zu sorgen.

          Konsumenten sind stark verschuldet ...

          Anders sieht es jedoch aus, wenn man sich die binnenwirtschaftliche Entwicklung in den beiden Staaten betrachtet. Denn sowohl in Kanada als auch Australien sind die Konsumenten im Verhältnis zu ihren Einkommen stark verschuldet und die Immobilienpreise liegen auf sehr hohen Niveaus. Sie sind in den vergangenen Monaten aufgrund von staatlichen Stimuli sogar noch weiter aufgeblasen worden.

          Bild: Statisitics Canada

          In Australien gewährte die Regierung Erstkäufern von Häusern beachtliche finanzielle Anreize wie die kanadische. Gerade in Kanada befinden sich die Hauspreise nahe an ihrem Allzeithoch, während der Preiszuwachs aufgrund des hohen Niveaus deutlich abgeflacht ist und die Verkaufsaktivitäten stagnieren. Die Anzahl der Baugenehmigungen ist im August um mehr als neun Prozent auf zuletzt 5748 gefallen, nachdem sie sich wegen der Stimuli vom Krisentief deutlich erholt hatten.

          Die kanadische Zentralbank hat in den vergangenen Monaten zwar den Leitzins in drei Schritten von 0,25 auf zuletzt ein Prozent erhöht. Trotz der ernorm tiefen Zinsen jedoch haben die konjunkturellen Frühindikatoren zuletzt wieder deutlich nach unten gedreht und die Arbeitslosigkeit verharrt auf einem vergleichsweise hohen Niveau von acht Prozent, obwohl die Einkaufsmanager des Landes zuletzt mit einem Indexstand von 70,3 im September auf dem höchsten Stand seit dem Jahr 2006 befindet.

          ... und die Hauspreisblasen gleichzeitig ausgeprägt

          Trotz dieser Stimmung und wohl aufgrund der ernüchternden harten Fakten sowie mit Blick auf die verhaltene wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten - mit denen Kanada konjunkturell eng verlochten ist - hat sich die kanadische Zentralbank entschlossen, den Leitzins vorerst auf dem sehr tiefen Niveau von einem Prozent zu belassen, nachdem sie die Wachstumsprognose für das dritte Quartal von 2,8 Prozent auf 1,8 Prozent gesenkt hatte. Aus diesem Grund schafft es der kanadische Dollar auch nicht nachhaltig über die Parität zum amerikanischen Dollar und wertet gegen den Euro sogar kurzfristig deutlich ab.

          Sollte die Weltwirtschaft nach Auslaufen keynesianischer Stimuli deutlich an Dynamik verlieren, würde der gesamte Rohstoffkomplex in die Defensive geraten und Staaten wie Kanada und Australien würden die Folge ihrer überbewerteten Immobilienmärkte immer stärker spüren. Aus diesem Grund dürfte es ratsam sein, die Entwicklung der Rohstoffwährungen bei aller Euphorie immer mit der notwendigen Skepsis zu betrachten.

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