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Devisenmarkt : Kanada-Dollar erstaunlich robust gegen den Greenback

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Nachdem hohe Geldmengen und tiefe Zinsen lange Zeit als positiv betrachtet wurden, hat sich die Einschätzung sowohl bei den Zentralbanken als auch bei immer mehr Marktteilnehmern ins Gegenteil verkehrt. Auch in Chile und Kanada.

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          Nachdem hohe Geldmengen und tiefe Zinsen lange Zeit als positiv betrachtet wurden, hat sich die Einschätzung sowohl bei den Zentralbanken als auch bei immer mehr Marktteilnehmern ins Gegenteil verkehrt. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Die Inflationsraten steigen beinahe weltweit deutlich stärker als das, was vernünftig und tolerierbar wäre.

          Der Preisauftrieb beschneidet die reale Kaufkraft der Konsumenten. Das ist schädlich für die wirtschaftliche Entwicklung. Aus diesem Grund sind die Notenbanker beinahe weltweit dazu übergegangen, dagegen anzugehen. Das zeigte sich am Dienstag am Beispiel Chiles, wo die Zentralbank den Leitzins überraschend um einen halben Prozentpunkt auf 6,75 Prozent erhöhte. Aus gutem Grund: Die Inflationsrate des Landes hat sich seit Ende des Jahres 2006 mehr als vervierfacht auf zuletzt 8,9 Prozent im Mai.

          Kanadische Zentralbank bremst Zinssenkungserwartungen

          Ähnlich überraschend kam die Ankündigung der Bank of Canada, den Leitzins nach vier Zinssenkungen von 4,5 Prozent Ende des vergangenen Jahres bis in den April nun unverändert bei drei Prozent zu belassen. Das wurde angesichts der Schwäche der amerikanischen Konjunktur, der starken Verflechtung der kanadischen Wirtschaft mit der amerikanischen und der bisher relativ niedrigen Inflationsrate von 1,7 Prozent im April so nicht erwartet. Der Markt hatte mit der Fortsetzung des Zinssenkungszyklus gerechnet.

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          Angesichts steigender Energie- und Nahrungsmittelpreise scheint die Zentralbank nun jedoch das Inflationsziel von einem bis drei Prozent gefährdet zu sehen. Dabei sorgte die starke Währung dafür, dass entsprechende Preisimpulse von der Rohstoff- und der Importseite abgefedert wurden. Im Unterschied zu den Vereinigten Staaten, wo der Preisauftrieb alleine schon durch den schwachen Dollar stimuliert wird, laufen die Importpreise in Kanada im Trend eher nach unten als nach oben.

          Starke Währung dämpft Importpreisentwicklung - im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten

          Auf der anderen Seite dämpft die starke kanadische Währung die Exportnachfrage, vor allem in das südliche Nachbarland, in das etwa drei Viertel der Exporte gehen. Die kanadische Wirtschaft ist in den ersten Monaten des Jahres sogar geschrumpft. Im laufenden Jahr rechnet die Zentralbank mit einem Wirtschaftswachstum von gerade einmal 1,4 Prozent. Das ist zwar etwas besser als das, was in den Vereinigten Staaten zu erwarten ist.

          Allerdings sind einerseits die Auswirkungen des schwachen Wachstums in den Vereinigten Staaten auf die Entwicklung in Kanada noch nicht in ihrer vollen Dimension sichtbar. Auf der anderen Seite werden die Folgen des schwachen Dollars in den Vereinigten Staaten beim Preisauftrieb bisher sehr wahrscheinlich noch unterschätzt. Aus diesem Grund dürfte die amerikanische Zentralbank - sollte sie ernst genommen werden wollen - restriktiver werden müssen, als die kanadische. Aus diesem Grund ist es erstaunlich, dass sich der kanadische Dollar noch knapp an der Parität zum Dollar hält und nicht weiter zurückfällt, nachdem er gegen den Euro von November des vergangenen Jahres bis in den April bis zu 20 Prozent abwertete.

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