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Devisenmarkt : Jagd nach Rendite begünstigt den kolumbianischen Peso

  • Aktualisiert am

Bild: Bloomberg, HSBC Trinkaus

Deutlich im Aufwind befindet sich seit einigen Monaten der kolumbianische Peso. Angelockt werden Investoren durch vergleichsweise hohe Zinsen und dem Goldreichtum des Landes.

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          Beim Stichwort Kolumbien denken viele bestimmt noch immer automatisch an Drogen und an den bewaffneten Kampf, denn die Guerillabewegung Farc gegen den kolumbianischen Staat führt. Doch dieses Bild ist längst viel zu einseitig geprägt.

          Denn in den vergangenen Jahren hat sich unter der Führung des seit 2002 amtierenden Präsidenten Álvaro Uribe durchaus einiges zum Besseren gewendet in dem lateinamerikanischen Land.

          Das spiegelt sich unter anderem auch an den Finanzmärkten wider. So hat es der aktuell bei 11.982 Punkten notierende Aktienindex IGBC jüngst auf ein neues Rekordhoch gebracht. Ein Kunststück, mit dem sonst nur wenige andere Weltbörsen aufwarten können.

          Höhere Anleiherenditen locken Investoren an

          Im Aufwind befindet sich nach einem im Zuge der Kreditkrise erlittenen Schwächeanfall auch die Landeswährung Peso wieder. So hat der Kurs, der momentan bei 1.921 Peso für einen Dollar notiert, gegenüber der ansonsten zuletzt festen amerikanischen Währung in diesem Jahr schon rund acht Prozent zugelegt.

          In den Peso gelockt werden die Anleger neben den steigenden Aktienkursen vor allem auch von den Renditen der lokalen Staatsanleihen. So bringen die in Landeswährung denominierten Titel je nach Laufzeit Renditen von teilweise mehr als neun Prozent. Und das ist verglichen mit den relativ niedrigen Erträgen, die beispielsweise amerikanische Staatsanleihen noch immer abwerfen, ein deutliches Renditeplus.

          Punkten kann das moderat verschuldete Land (die Schulden belaufen sich auf rund 38 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt) bei den Investoren zudem mit eine relativ robusten wirtschaftlichen Entwicklung. Wie eben erst gemeldet wurde, wuchs die Wirtschaft im Vorjahr immerhin um 0,4 Prozent, was angesichts der globalen Krise als Erfolg gewertet werden kann. Die kolumbianische Wirtschaft hat die Weltwirtschaftskrise im Vergleich zu anderen Ländern Lateinamerikas damit relativ glimpflich überstanden und in diesem Jahr winkt nun ein Wachstum von bis zu drei Prozent. Zuversichtlich stimmen in dieser Hinsicht auch die wieder angesprungenen Einzelhandelsumsätze. Das ist deswegen besonders wichtig, weil der Konsum rund drei Fünftel des Bruttoinlandsproduktes ausmacht.

          HSBC Trinkaus traut dem Peso weitere Kursgewinne zu

          Bleibt das Land auf Reformkurs, dann könnte das Wachstum langfristig sogar noch deutlich besser ausfallen. Ein wichtiges Faustpfand sind dabei die Goldvorkommen. Historisch gesehen war Kolumbien mit mehr als 80 Millionen Unzen der größte Goldproduzent in Südamerika, doch in den vergangenen Jahrzehnten konnte wegen der vorherrschenden innenpolitischen Probleme das damit verbundene Potenzial nicht richtig erschlossen werden. Neuerdings zeigen aber immer mehr Unternehmen auch aus dem Goldsektor Interesse an dem Land und bei stabilen Rahmenbedingungen könnten daraus wichtige Impulse erwachsen. Nachholbedarf gibt es jedenfalls genug, leben doch noch immer bis zu 40 Prozent der rund 45 Millionen großen Bevölkerung unter der Armutsgrenze.

          Damit dieser Prozentsatz sinkt und damit es weiter aufwärts geht, wird es aber wichtig sein, wie die im Mai anstehenden Präsidentschaftswahlen ausgehen. Uribe darf da nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Aufgabe des Nachfolgers wird es sein, weiterhin Stärke gegenüber der Farc zu demonstrieren und auf einem Kompromiss mit dem Nachbarland Venezuela hinzuarbeiten. Denn Venezuela ist ein sehr wichtiger Handelspartner, doch wegen der von der venezolanischen Regierung erlassenen Handelserschwernisse haben sich die kolumbianischen Exporte nach Venezuela zuletzt in etwa halbiert.

          Unter der Prämisse, dass sich der Konflikt mit Venezuela nicht noch weiter zuspitzt, stehen die Aussichten für eine weitere Aufwertung des Peso nicht schlecht. Davon gehen auch die Analysten von HSBC Trinkaus aus, die der kolumbianischen Landeswährung bis Jahresmitte einen Anstieg bis auf 1.850 Peso zum amerikanischen Dollar zutrauen. Als größtes Risiko für diese Prognose wird ein plötzlicher Umschwung in der Risikobereitschaft der Marktteilnehmer bezeichnet, weil dann Randmärkte wie der in Kolumbien auf der Suche nach Sicherheit schnell wieder links liegen lassen werden dürften. Doch derzeit seien die Investoren vor allem auf der Suche nach einer Überrendite und solange die amerikanischen Notenbank nicht zu Zinserhöhungen übergeht, dürfte es dabei nach Einschätzung von HSBC Trinkaus-Analyst Bernhard Esser auch bleiben.

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