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Devisenmarkt : IWF fordert stärkere Yuan-Aufwertung

  • Aktualisiert am

Yuan Banknoten Bild: REUTERS

China ist in den vergangenen Jahren für viele Staaten zum wichtigsten Handelspartner geworden. Sollte es zu Wachstumsstörungen kommen, wären die konjunkturellen Schockwellen. Zur Vorbeugung sollte der Yuan aufgewertet werden, erklärt der IWF.

          Fehlanreize sind für Volkswirtschaften verhängnisvoll, da sie unvermeidlich zu Fehlentwicklungen und Krisen führen. In diesem Zusammenhang sind nicht nur die bisher unbereinigten Risiko-Ertragsasymmetrien im Finanzsektor gefährlich, sondern auch die internationalen Handelsungleichgewichte.

          Sie lassen sich an ernormen Handelsüberschüssen und dem unheimlichen Aufbau von Währungsreserven in den so genannten Überschussstaaten ablesen. Beide Komponenten sind problematisch, da auf der einen Seite industrielle Überkapazitäten drohen und auf der anderen die Fehlallokation der Reserven.

          Wechselkursmanipulation führt zu Verwerfungen

          Die gewaltigen Devisenreserven der asiatischen Staaten werden für die jüngste Krise mitverantwortlich gemacht, da sie zusammen mit den zu expansiven geldpolitischen Strategien der meisten Zentralbanken unmittelbar zur Ausbildung jener Vermögenspreisblasen beigetragen haben, die schließlich platzten - allerdings nur, um in den vergangenen Monaten wieder neu zu entstehen.

          Im Unterschied zu Deutschland und der Schweiz, deren Produkte auf den internationalen Märkten trotzt der tendenziell überbewerteten Währungen gefragt sind, tendieren viele Staaten Asiens dazu, ihre Währungen unterbewertet zu halten, um den heimischen Industrien im internationalen Handel Vorteile zu verschaffen. Die als Gegengewicht zu den enormen Überschüssen im Außenhandel nötigen Interventionen lassen ihre Devisenreserven einerseits immer weiter anschwellen. Auf der anderen Seite jedoch führen sie zu allerhand Problemen weltweit und in den entsprechenden Binnenmärkten.

          Die zeigen sich beispielsweise in China in Form enormer verdeckter Inflation. Sie zeichnet sich aufgrund der Kommandowirtschaft und der administrierten Preise nur bedingt in der Entwicklung der offiziellen Inflationsraten (die ohnehin schon relativ hoch sind, vor alem in Bezug auf Nahrungsmittel) ab, sondern eher in den ausgeprägten Immobilienblasen, dem unheimlichen Auftrieb bei den Rohstoffpreisen und nicht zuletzt im enormen Wachstum der Kredite. Letzteres lässt sich kaum durch administrative Maßnahmen wie der Erhöhung von Leitzinsen und Mindestreservesätze bremsen, da es zu großen Teilen im bislang unkontrollierten Schattenbankensystem stattfindet. So bauen sich innerhalb Chinas beachtliche Risiken auf, die auch eine enorme Bedeutung für die restliche Welt haben.

          Konsequenzen für die Weltwirtschaft beachtlich

          Denn China ist in den vergangenen Jahren gemäß dem in den vergangenen Stunden vom Internationalen Währungsfonds (IWF) veröffentlichten „Spillover Report“ für viele Staaten der Welt zum wichtigsten Handelspartner geworden. Sollte es in Wachstumsprobleme geraten, wären die Konsequenzen für die Weltwirtschaft beachtlich, heißt es dort. Der IWF fordert das Land zu einer Stärkung der Landeswährung Yuan auf, um die Inflationsgefahr zu senken und eine drohende Immobilienblase zu verhindern.

          Daneben sei die Umorientierung der chinesischen Wirtschaft hin auf den Binnenmarkt notwendig, um die Ersparnisbildung der Privathaushalte zu absorbieren und die bislang tief gehaltenen Faktorpreise anzuheben. Auf diese Weise lasse sich nicht nur der Lebensstandard verbessern, sondern auch Bedenken würden abgemildert, die Wettbewerbsfähigkeit Chinas basiere auf künstlich verzerrten Kostenstrukturen. Der Yuan sei um 3 bis 23 Prozent unterbewertet, hieß es in dem IWF-Bericht. Besonders unterbewertet ist er im Verhältnis zum Euro.

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