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Devisenmarkt : Israels Schekel zeigt ungewohnte Stärke

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Die Lage in Israel sorgt an den Märkten nicht per se für Aufruhr Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Längerfristig betrachtet wertet Israels Schekel ab. Doch in den vergangenen Wochen zeigt die Währung dank guter Wirtschaftsdaten und der Zinserhöhungspolitik der Notenbank ungewohnte Kraft.

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          Wer gemeinhin an Israel denkt, verbindet dies nicht unbedingt mit einem Anlegerparadies. Die chronisch kritische politische Lage, in der sich das Land befindet kommt in beständigen Meldungen über Terroranschläge, Vergeltungsmaßnahmen und nicht zuletzt in einer schwankungsanfälligen parteipolitischen Lage zum Ausdruck.

          Wie indes auf die aktuellen wirtschaftlichen Daten blickt, ist nicht selten überrascht. Das Land erfreut sich eines Ratings im Investment-Grade-Bereich von A2/A-, das dem Südafrikas, Polens oder Chinas entspricht. Die Verschuldung des Landes ist vergleichsweise gering, was nicht zuletzt an der großzügigen Unterstützung durch die jüdische Gemeinschaft außerhalb des Landes liegt. Das Haushaltsdefizit rangiert unter drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

          Wirtschaft auf anhaltendem Wachstumskurs

          Das Bruttoinlandsprodukt stieg im vergangenen Jahr um 5,2 Prozent im vergangenen Jahr. Das Land erreichte damit die höchste Wachstumsrate seit dem Jahr 2000 und den vorläufigen Höhepunkt einer seit drei Jahren anhaltenden Expansion. Auch in diesem Jahr soll das Wachstum nach der Prognose des Internationalen Währungsfonds mit 4,2 Prozent auf hohem Niveau bleiben.

          Träger der Entwicklung sind nicht zuletzt ausländische Direktinvestitionen, die im vergangenen Jahr auf 10,4 Milliarden Dollar anwuchsen. Auch der Privatisierungskurs der Regierung hat dazu beigetragen, der auch der Börse gut bekommen ist. Jedenfalls befindet sich der Tel Aviv Ta-100 Index seit nunmehr bald vier Jahren in einem deutlichen Aufwärtstrend, nicht zuletzt weil Israel von der allgemeinen Schwellenlandphantasie profitiert.

          Auch die Landeswährung, der Neue Schekel hat in den vergangenen Monaten deutlich profitiert. Zwar befindet sich die Devise langfristig betrachtet weiter in einem Abwertungstrend. Auch bekamen ihr die politischen Ereignisse des vergangenen Jahres genausowenig wie die politische Unsicherheit nach dem Schlaganfall des ehemaligen Ministerpräsidenten Scharon.

          Notenbank fürchtet Inflationsdruck

          Doch seit sich die Verhältnisse im Umfeld der jüngsten Parlamentswahlen wieder beruhigt haben, zeigt sich der Schekel seit einigen Wochen deutlich stärker. Allein in diesem Monat wertete die Devise um drei Prozent auf. Wurden Anfang März für den Dollar noch rund 4,70 Schekel bezahlt, erreichte die Währung am Dienstag ein Sieben-Monats-Hoch und notiert aktuell bei 4,53 Schekel. Gegenüber dem Euro zeigt sich die Währung nur unwesentlich stärker, da die europäische Devise sich jüngst gegenüber dem Dollar stärker präsentiert. Kostete der Euro Mitte März noch 5,69 Schekel so wird er derzeit zu 5,62 Schekel gehandelt.

          Mit zur aktuellen Aufwertungstendenz beigetragen dürfte auch die Zinserhöhungspolitik, die die Bank of Israel im Herbst des vergangenen Jahres eingeschlagen hat. Am Montag erhöhten die Notenbanker den Leitzins mittlerweile zum sechsten Mal um einen Viertel Prozentpunkt auf 5,25 Prozent und damit auf einen neuen Höchststand seit Ende des Jahres 2003, nachdem der Zins vor sechs Monaten noch auf einem Rekordtief von 3,5 Prozent gestanden hatte.

          „Das Wirtschaftswachstum und die verstärkte Ausschöpfung der Kapazitätsreserven führen zu einem erhöhten Inflationsdruck bei Preisen und Löhnen“, hieß es am Montag bei der Notenbank.

          Zinserhöhungen werden auch kritisch gesehen

          Auch wenn Volkswirte den Schritt erwartet hatten, waren die Stimmen bisweilen kritisch. Notenbankchef Stanley Fischer habe seine Augen auf die amerikanische statt die heimische Wirtschaft gerichtet, sagte Schlomo Maoz, Chefökonom bei Excellence Nessuah Zannex Securities. „Die Wirtschaft wächst, die Märkte laufen gut - es gibt so viele Gründe die Zinsen derzeit nicht zu erhöhen“. Jonathan Katz von Leader Capital Markets sieht einen erheblich geringeren Inflationsdruck. Er rechnet mit einem Absinken der Inflationsrate von 3,6 auf 2,4 Prozent in den kommenden zwölf Monaten.

          Andere Volkswirte vermuten, daß die Notenbank sich um die fiskalische Disziplin sorgt. Noch sind die Koalitionsverhandlungen in Israel nicht abgeschlossen und gleich wie die Regierung aussehen wird, wird mit einer lockereren Fiskalpolitik gerechnet.

          „Die Bank of Israel könnte im kommenden Monat die Zinsen weiter erhöhen, je nachdem wie sich der Dollarkurs verhält und ob die Verbraucherpreise stärker als um ein Prozent steigen“, sagt Vered Dar, Chefökonom bei Psagot Ofek. Das könnte dem Schekel weiteren Auftrieb verleihen. Dror Sachs, Chefwährungshändler bei der First International Bank, erwartet jedenfalls eine weitere Aufwertung bis auf ein Niveau von 4,35 Schekel je Dollar.

          Starke Entwicklung einer vernünftig bewerteten Börse

          Eine stärkere Entwicklung des Schekel könnte auch dem Kursen an der Börse in Tel Aviv weiter zugute kommen - und umgekehrt. Im Schnitt sind die israelischen Aktien auch noch vergleichsweise moderat bewertet. Der TA-25-Index kommt auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 14,6. Mit einem KGV von 41,25 ist der TA-100 erheblich höher bewertet. Indes verzerren einige Ausreißer wie das Software-Unternehmen Formula Systems mit einem KGV von 1.207 das Bild.

          Nicht alle Werte sind jedoch preisgünstig. Gerade die Aktien, die an ausländischen Börsen gehandelt werden, wie Teva, Nice Systems oder Elbit Systems, sind deutlich höher bewertet. Daher kommt als Alternative das von der UBS herausgegebene Endlos-Zertifikat auf den TA-25 (ISIN: CH0021606196) in Frage.

          Derzeit stehen die Chancen für eine weitere Aufwertung des Schekel nicht schlecht. Indes ist die Währung chronisch durch die instabile politische Lage gefährdet. Ein einzelner Anschlag vermag die Märkte nicht unbedingt in Aufruhr zu versetzen. Doch sollte Israel etwa beispielsweise die Palästinensergebiete erneut besetzen, könnte dies auch an den Devisenmärkten für Druck auf den Schekel sorgen.

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