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Devisenmarkt : Ifo bringt dem Euro kurzfristig die ersehnte Erleichterung

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Der Euro wird immer mehr wert Bild: Dieter Rüchel

Hat der Euro noch vor zwei Tagen aufgrund der frisch aufgekommenen Zinserhöhungsphantasie ein neues Rekordhoch von 1,6018 Dollar markiert, so gerät er am Donnerstag nach einem schwachen Ifo-Index zumindest kurzfristig in die Defensive.

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          Hat der Euro noch vor zwei Tagen aufgrund der frisch aufgekommenen Zinserhöhungsphantasie ein neues Rekordhoch von 1,6018 Dollar markiert, so konsolidierte er danach zunächst leicht und gerät am Donnerstag zumindest kurzfristig in die Defensive.

          Am Mittag liegt der mit einem Kursverlust von einem Prozent bei 1,5732 Dollar. Der Grund liegt in der Stimmung der deutschen Unternehmen. War sie angesichts der amerikanischen Wirtschafts- und der globalen Finanzkrise, der hohen Energie- und Rohstoffkosten sowie der starken Währung erstaunlich robust, so scheint sie nun doch zurückzugehen.

          Schwächelndes Geschäftsklima bringt dem Euro etwas Gegenwind

          Das zeigt sich m Ifo-Index. Der Geschäftsklima-Index fiel im April deutlich und stärker als befürchtet auf 102,4 Punkte, nachdem er im März noch bei 104,8 Zähler gelegen hatte. Die Finanzkrise drücke auf die Stimmung der deutschen Unternehmen, die Finanzierungsbedingungen der Firmen hätten sich zuletzt leicht verschärft, sagte der beim Münchner Ifo-Institut für die Unternehmensbefragungen zuständige Klaus Abberger am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Das sei ein klares Warnsignal, sagte Abberger, „eine Kreditklemme droht aber nicht,“ sagte er jedoch gleichzeitig optimistisch.

          Euro-Dollar am 24. April 2008

          Es fragt sich nur, wo er diesen Optimismus hernimmt, wenn er im deutschen Einzelhandel keine Besserung erwartet. Der Konsum sei nicht die erhoffte Stütze der Wirtschaft, erklärte er. Das dürfte kaum verwundern. Denn die deutschen Konsumenten werden nicht nur von hohen Energie- und Nahrungsmittelkosten belastet, sondern auch durch die Mehrwertsteuererhöhung und durch die starke Belastung der Einkommen durch Steuern und Lohnnebenkosten. Auch der unproduktive öffentliche Sektor greift ungeniert in die Taschen der Verbraucher. Fiel die Steigerung der Kosten und Gebühren in diesem Bereich schon in den vergangenen Jahren überproportional aus, so dürften großzügige Lohnabschlüsse in der Zukunft diese Tendenz noch verstärken.

          Der hohe Euro senkt die Gewinne und drückt auf die Margen

          In den vergangenen Jahren lebte die deutsche Wirtschaft eindeutig vom Export. „Die Exporterwartungen sind weiter gut, die Firmen optimistisch für den Absatz. Der hohe Euro senkt aber die Gewinne, drückt auf die Margen“, erklärte Abberger nun jedoch. Früher oder später dürfte auch hier die Stimmung umschlagen, wenn sich das globale Wachstum weiter abkühlen sollte. Genau das könnte jedoch immerhin dazu beitragen, dass der Preisauftrieb auf der Energie- und Rohstoffseite nachlassen könnte. Das wiederum würde den Druck von der Europäischen Zentralbank nehmen, die Zinsen weiter nach oben zu nehmen.

          Auf der anderen Seite gibt es gewisse Anzeichen dafür, dass die amerikanische Zentralbank angesichts des inflationären Drucks, der vom schwachen Dollar, hohen Energie-, Rohstoff- und Importpreisen ausgeht, nicht mehr primär auf Zinssenkungen setzt, um die selbst verschuldete Krise zu bekämpfen. Das könnte die amerikanische Währung, zusammen mit einer zunehmenden Exportnachfrage nach amerikanischen Gütern und zunehmenden Direktinvestitionen im Dollarraum, zumindest stabilisieren oder gar aufwerten lassen.

          In diesem Sinne dürfte der Euro früher oder später sein Hoch und der Dollar zumindest ein Zwischentief ausbilden. Die europäische Einheitswährung ist gegen die amerikanische schon viel zu weit gelaufen. Noch deutlicher ist die Fehlbewertung jedoch im Verhältnis zu den asiatischen Währungen. Diese müssten angesichts der Handelsströme gegen den Euro deutlich aufwerten, allen voran der Yuan und der Yen.

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