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Devisenmarkt : Handel mit Devisen beschert vielen Anlegern Verluste

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die erheblichen Schwankungen an den Währungsmärkten haben auch bei vielen erprobten Handelsstrategien zu Verlusten geführt.

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          Viele Anleger an den Devisenmärkten geraten in Bedrängnis: Mit Devisenhandelsstrategien verbuchten Investoren in diesem Jahr bisher so hohe Verluste wie seit rund zwei Jahrzehnten nicht mehr. "Es läuft richtig schlecht für uns", sagte John Taylor, Gründer des amerikanischen Hedgefonds FX Concepts der Finanzagentur Bloomberg. "Frustrierend ist die Tatsache, dass wir uns in einem schlechten Weltmarkt eigentlich hätten ganz gut entwickeln sollen."

          So liegen Indizes, die Strategien im Handel mit Fremdwährungen abbilden, seit Jahresanfang im Minus, zum Beispiel der Carry-Trade-Index der Royal Bank of Scotland: Der Index verbucht in diesem Zeitraum einen Rückgang von 2,7 Prozent. Der von der Deutschen Bank in Dollar aufgestellte Currency Return Index ist seit Jahresanfang um 3,1 Prozent gesunken. Das ist der größte Verlust seit einem Rückgang um 4 Prozent im Jahr 1991.

          Erfahrungswerte gelten nicht mehr

          Der Handel mit Devisen ist bei vielen Anlegern sehr beliebt, weil der Devisenmarkt besonders liquide ist. Das tägliche Handelsvolumen beträgt rund 4300 Milliarden Dollar (siehe Grafik). Es ist nicht nur ein Geschäft für Großinvestoren wie Hedgefonds und Investmentbanken. Auch Privatanleger kaufen Devisenfonds und Währungszertifikate. Zudem agieren Notenbanken im Devisenmarkt, indem sie ihre Reserven diversifizieren. Und Unternehmen sichern sich gegen Währungsschwankungen ab.

          Nach Einschätzung von Commerzbank-Analystin Antje Praefcke haben die Schwankungen auf den Devisenmärkten "in jüngster Zeit erheblich zugenommen". Die Folge: "Viele Anleger werden auf dem falschen Fuß erwischt." Am Devisenmarkt seien mittlerweile viele langjährig bewährte Erfahrungswerte nicht mehr gültig. "Der Markt ist zunehmend getrieben durch einen schnellen Stimmungswandel, es gibt immer öfter sehr erratische Bewegungen, die wir früher so nicht kannten."

          Die fundamentalen Daten, wie etwa zur Konjunkturlage eines Landes und die Zinspolitik der Notenbanken seien natürlich immer noch entscheidend, "doch auf solche Daten kann man sich im Devisenhandel nicht mehr verlassen", sagt Praefcke. "Vielmehr zählt die Marktstimmung."

          Kein Weg raus

          Hedgefonds-Manager Taylor berichtet, dass bereits Anfang dieses Jahres die Branche unter Druck geraten ist: Damals hatte die chilenische Notenbank mitgeteilt, dass sie 12 Milliarden Dollar kaufen würde, um die Peso-Aufwertung zu bremsen. Für die Währung des Landes ging es in jener Woche dann um sechs Prozent nach unten. Das machte den rund 8-prozentigen Zugewinn aus dem Vorjahr nahezu wieder zunichte. "Unsere Position war relativ groß, etwa 8 oder 9 Prozent unserer gesamten Anlagen. Und es gab keinen Weg raus", sagte Taylor. Mehr noch: "Ein paar Tage später machte Israel genau dasselbe. Dann eine Woche später oder so machte Südafrika dasselbe."

          Die Verluste sind ein Rückschlag für die Anbieter von speziellen Devisenfonds, die ihren Kunden sowohl in guten als auch in schlechten Konjunkturlagen Gewinne versprechen. Auch für Fonds, die bestimmten Trends am Devisenmarkt folgen, läuft das Geschäft schlechter. "Das Problem bei stark psychologisch getriebenen Devisenmärkten ist, dass sich die Meinung sehr schnell drehen kann", sagt Devisenanalystin Praefcke. "Das bedeutet, dass wenn ausgeprägte Trends fehlen und diese Systeme nicht reagieren können, die Investoren auch keinen Gewinn erzielen."

          Trotz der aufgelaufenen Verluste für viele Devisenhändler sind die Erlöse von Brokern gestiegen. Die CLS Bank beispielsweise rechnete nach eigenen Angaben im September pro Tag Umsätze von rund 5200 Milliarden Dollar ab, berichtet Bloomberg. Dies entspreche einem Anstieg um 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

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