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Devisenmarkt : Gemessen an der Kaufkraft sind Rohstoffwährungen überbewertet

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Bild: Datastream; Sarasin

Die gestiegenen Rohstoffpreise haben die Kurse vieler Rohstoff-Währungen nach oben gezogen. Und kurzfristig besteht durchaus weiteres Aufwertungspotenzial. Doch laut Ursina Kübli vom Bankhaus Sarasin wird die Luft nach oben dünner.

          Investieren am Devisenmarkt ist wegen der häufig und überraschend verkommenden Kurswechsel bekanntlich keine einfache Sache. Das gilt auch mit Blick auf Prognosen zu den Rohstoff-Währungen, Denn deren Kursentwicklung wird nicht nur über die Höhe der Rohstoffpreise bestimmt.

          Allerdings ist die Preisentwicklung der Rohwaren am Devisenmarkt ein Haupttreiber. Und in einem Umfeld, in dem der breit gefasste Rohstoffindex CRB, der neben Energie auch Agrarrohstoffe, sowie Basis- und Edelmetalle umfasst, längst über sein Vorkrisenniveau gestiegen ist, spricht dies für die Währungen von Rohstoffproduzenten wie etwa Australien, Brasilien, Kanada, Russland, Norwegen oder Mexiko.

          Der scheinbar unumstößliche Zusammenhang zwischen steigenden Rohwaren und einer Aufwertung typischer Rohstoffwährungen kann jedoch irreführend sein, warnt Ursina Kübli. Denn nach Einschätzung der Sarasin-Währungsstrategin sind für die Entwicklung an den Devisenmärkten nicht nur die Rohstoffpreise maßgeblich, sondern vielmehr die Ursache für deren Anstieg.

          Rohstoffwährungen korrelieren stark mit den Aktienmärkten

          Liegt der Grund in einer hohen Nachfrage, sollten die Währungen von Rohstoffexporteuren zulegen, schreibt sie in einer Studie. Führt jedoch ein Angebotsschock zu höheren Preisen, weil sich zum Beispiel die Konflikte im Nahen Osten weiter ausbreiten, können auch große Währungsverluste entstehen. Schließlich weisen diese Währungen eine äußerst hohe positive Korrelation zu der Preisentwicklung an den Aktienmärkten auf (siehe Grafiken). Der Korrelationskoeffizient der täglichen Preisschwankungen in den vergangenen 12 Monaten des australischen Dollars und der Preisentwicklung des Aktienindex MSCI beträgt über 0.7 (eine Korrelation von 1 wäre eine Bewegung im Gleichschritt).

          Damit sind die klassischen Rohstoffwährungen Aussie-Dollar, kanadischer Dollar und norwegische Krone gemäß Kübli sogar risikosensitiver als die Währungen der Emerging Markets, etwa die indische Rupie oder der koreanische Won. Beruht der Rohstoffpreisauftrieb auf einem Angebotsschock, seien Anleger demnach besser beraten, in sichere Häfen wie den Franken, Yen oder Dollar zu investieren.

          Hauptwährungen und Devisen der Emerging Markets leiden unter steigendem Rohstoffindex

          Wie stark die jeweiligen Währungen auf den Nachfrage getriebenen Preisanstieg bei Rohstoffen reagieren, hängt laut Kübli von den makro-ökonomischen Gegebenheiten ab. Im Allgemeinen gelte folgendes: je höher der Anteil der Netto-Rohstoffexporte am Bruttoinlandprodukt (BIP), desto stärker sollte eine Währung profitieren. Tatsächlich weisen Aussie-Dollar, brasilianischer Real, norwegische Krone, mexikanischer Peso und kanadischer Dollar die höchsten positiven Korrelationen mit dem Rohstoffindex CRB auf. Die Hauptwährungen aber auch die Währungen der Emerging Markets wie thailändischer Baht, taiwanesischer Dollar oder koreanischer Won, welche Netto-Importeure von Rohstoffen sind, gehören tendenziell zu den Verlierern.

          Es gibt jedoch keine Regel ohne Ausnahme, warnt Kübli. Obschon die russische Wirtschaft maßgeblich von der Preisentwicklung von Erdöl abhängt, korreliere der Rubel kaum mit dem Rohstoffpreisindex CRB. Grund dafür sei die Währungspolitik der russischen Zentralbank. Diese gleiche die Schwankungen des Rubels gegenüber dem Dollar mit Deviseninterventionen aus. Deshalb lege die russische Valuta während einer Rohstoffhausse in der Regel gegenüber dem Dollar weniger zu als andere Rohstoffwährungen. Auch für den Singapur-Dollar sei die Geldpolitik der Zentralbank Grund für die Währungsgewinne in Zeiten steigender Rohstoffpreise, obwohl Singapur ein großer Netto-Importeur von Rohstoffen ist. Vor dem Hintergrund des rasanten Wirtschaftswachstums und des steigenden inflationären Drucks ist die Zentralbank Singapurs auf die geldpolitische Bremse getreten und lässt eine Aufwertung der Landeswährung zu.

          Die Interaktion zwischen Währungen und Rohstoffpreisen ist nach Einschätzung der Sarasin-Währungsstrategin folglich hoch komplex. Bei Anlageentscheidungen sollte man nach ihrer Ansicht deshalb jeweils die Entwicklung der Rohstoffpreise, die Ursache für deren Preisschwankungen, die makroökonomischen Gegebenheiten sowie die unterschiedliche Reaktion der Zentralbanken im Auge behalten. Angesichts der starken globalen Konjunkturkräfte, geht sie von einer vorerst weiter starken Nachfrage nach Rohstoffen aus. Dies spreche dafür, eine Übergewichtung der eng mit dem CRB-Rohstoffindex korrelierten Währungen beizubehalten.

          Austral-Dollar auf Kaufkraftbasis am teuersten

          Trotz des kurzfristigen Aufwertungspotenzials warnt Kübli aber davor, den Ausstieg aus diesen Währungen nicht zu verpassen. Denn bei den globalen konjunkturellen Vorlaufindikatoren zeichne sich langsam eine Deckenbildung ab. Angesicht der hohen Indexstände dieser Indikatoren bleibe das Wirtschaftswachstum zwar weiterhin stark und damit bleibe auch die Nachfrage nach Rohstoffen robust.

          Überschritten die globalen Wirtschaftsindikatoren ihren Zenit, dürfte jedoch der Risikoappetit an den Finanzmärkten sinken. Bei einer Konsolidierung an den Aktienmärkten dürften insbesondere diejenigen Währungen leiden, welche hoch mit der Preisentwicklung an den Aktienmärkten korrelieren, nämlich australischer und kanadischer Dollar sowie norwegische Krone.

          Insbesondere der australische Dollar, welcher im Zuge der jüngsten Rallye der Rohwaren kräftig aufgewertet hat, scheint auch aus Sicht der Bewertung mittelfristiges Rückschlagspotenzial zu haben. Gemäß der internen Berechnungen der Kaufkraftparitäten (PPP) ist der australische Dollar im Vergleich zu anderen Rohstoffwährungen am meisten überbewertet.

          Weniger dramatisch sehe die Bewertung beim mexikanischen Peso und dem kanadischen Dollar aus. Sinke der Risikoappetit an den Finanzmärkten, könnte sich eine Umschichtung in sichere Häfen lohnen. Auch diejenigen Währungen mit Deviseninterventionen, wie zum Beispiel bei der russischen Zentralbank, sollten nach dem Urteil Küblis weniger in Mitleidenschaft gezogen werden.

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