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Devisenmarkt : Franken notiert zum Euro auf dem tiefsten Stand seit März 2000

  • Aktualisiert am

Bild: Calyon

Der Euro bewegt sich gegenüber dem Franken in einem soliden Aufwärtstrend. Gestützt wird er vor allem durch den bestehenden Renditevorsprung, den Euro-Anlagen bieten. Experten rechnen für 2007 mit einer Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau.

          Der Schweizer Franken gilt gemeinhin als Hort der Stabilität. Dieser Ruf hat bis heute nicht wirklich nachhaltig gelitten. Aber etwas ins Wanken geraten ist der Mythos bei genauer Betrachtung doch etwas.

          Gegenüber dem Euro hat die Schweizer Landeswährung jedenfalls zuletzt kontinuierlich an Wert verloren. Die Verluste bewegen sich zwar in überschaubaren Bahnen, aber immerhin hat es der Euro zuletzt mit 1,6105 Franken auf den höchsten Stand seit März 2000 geschafft.

          In diesem Jahr beträgt das Minus, das der Franken eingefahren hat, mehr als drei Prozent und seit September 2001 summieren sich die Abschläge auf mehr als elf Prozent.

          Intakter Aufwärtstrend spricht für weiter steigenden Euro

          Charttechnisch gesehen kann von einem intakten Aufwärtstrend zugunsten der europäischen Einheitswährung gesprochen wird. Das Chartbild lässt derzeit jedenfalls einen baldigen Angriff auf das kurz nach der Euro-Einführung im Januar 1999 markierte Rehordhoch von 1,6168 Franken erwarten.

          Bevorzugt wird der Euro von den Akteuren am Devisenmarkt derzeit vor allem wegen dem Zinsvorsprung, den Euro-Anlagen verglichen mit festvedrzinslichen Anlagen aufweisen, die auf Schweizer Franken lauten. Und so wie es aussieht, dürfte dieser Renditevorsprung auch künftig Bestand haben. Denn während sich die Konjunktur speziell in Deutschland momentan relativ robust präsentiert, gibt es in der Schweiz erste Anzeichen für eine wirtschaftliche Abschwächung.

          Im dritten Quartal hat sich das Wachstum der Schweizer Wirtschaft mit einem Plus von 2,4 Prozent jedenfalls bereits etwas verlangsamt. Und auch die Schweizer Notenbank geht in ihren Vorhersagen zumindest davon aus, daß sich das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im kommenden Jahr auf zwei Prozent abschwächen wird, nach vermutlich drei Prozent in diesem Jahr. Diese Erwartungshaltung deckt sich mit der Meldung vom Berichtstag, wonach die Frühindikatoren zuletzt deutlich gesunken sind.

          Zins- und Renditevorsprung stützt den Euro

          Die Notenbank hat trotzdem deutlich gemacht, daß sie wahrscheinlich an ihrem ZInserhöhungskurs festhalten wird. Zuletzt wurde der Leitzins erst am 14. Dezember um 25 Basispunkte auf zwei Prozent erhöht. Das war die fünfte Zinserhöhung in einem Jahr und legt man die Signale zu Grunde, die vom Terminmarkt kommen, dann rechnen Beobachter in den kommenden neun Monaten mit zwei weiteren Zinsschritten nach oben.

          Ob dies dem Franken auf die Sprünge helfen wird, bleibt aber abzuwarten. Denn die Europäische Notenbank steht sogar etwas mehr unter Zugzwang als die Schweizer Kollegen. Auch von ihr werden weitere Zinserhöhungen erwartet und nachdem die Geldmenge stärker steigt als erwartet, ist diese Annahme auch mehr als realistisch. Zuletzt hatte sie ihren Leitzins eine Woche früher als die Schweizer Notenbank um 25 Basispunkte auf 3,50 Prozent erhöht, so daß die Zinsdifferenz letztlich unverändert erhalten blieb.

          Eile, die Zinsdifferenz auszugleichen, hat die Schweizer Notenbank eigentlich nicht. Denn trotz des ansprechenden Wirtschaftswachstums bleibt die Inflation niedrig. So veranschlagt die österreichische Raiffeisenbank die Inflationsrate im Jahr 2006 auf moderate 1,1 Prozent und 2007 sollen es sogar nur 0,7 Prozent werden. Das liegt jeweils deutlich unter dem Inflationsziel der Schweizerischen Nationalbank, das zwei Prozent beträgt.

          Experten rechnen mit Seitwärtsbewegung im Jahr 2007

          Vor diesem Hintergrund kommt Roland Plasser, Volkswirt bei der Raiffeisenbank zu folgendem Schluß: „Da die Zinsdifferenz zwischen der Schweiz und der Eurozone als dominierendes Argument für die Wechselkursentwicklung von Euro/Franken auf absehbare Zeit konstant bleiben dürfte, sollte sich der Euro/Franken auf hohem Niveau zur Seite bewegen. Der Abwertungsdruck, der durch Kreditaufnahmen im Schweizer Franken (bedingt durch das niedrige Zinsniveau) entsteht, wird durch den Aufwertungsdruck infolge der vergleichsweise tiefen Inflation und des hohen Leistungsbilanzüberschusses kompensiert.

          Er sieht den Wechselkurs deshalb das ganze Jahr 2007 volatil um die Marke von 1,59 Franken schwanken. Als hauptsächliche Schwankungsbreite nennt er den Bereich von 1,57 bis 1,62 Franken. Das sehen die meisten anderen Marktbeobachter ähnlich. Sie veranschlagen den Euro-Kurs im vierten Quartal 2007 im Schnitt auf 1,57 Franken.

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