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Devisenmarkt : Euro-Yen bricht durch die 200-Tagelinie

  • Aktualisiert am

Bild: UBS Foreign Exchange Strategy

Carry Trades führten verschiedene Währungspaare in den vergangenen Jahren auf immer neue Bewertungsextreme. Ihre Auflösung scheint nun zu einer noch rascheren und ebenso deutlichen Gegenbewegung zu führen.

          3 Min.

          Trotz all der entstehenden Bewertungsverzerrungen und trotz aller Bedenken lohnte es sich im Rahmen des ausgeprägten Risikoappetits, der „ultraleicht“ verfügbaren Kredite und vor allem auch aufgrund der tiefen Volatilitäten und Risikoprämien, auf die so genannten „Cross-Country-Carry-Trades“ zu setzen.

          Damit ist die Kreditaufnahme in einer Währungen mit tiefen Zinsen gemeint und die Reinvestition der erlösten Finanzmittel in Währungsräumen mit einem höheren Zinsniveau oder gar an einer der boomenden Börsen weltweit. Das lohnte sich nicht nur für spekulative Anleger, sondern gerade in den vergangenen Jahren hatten sich vor allem in Japan normale Privatanleger dazu verleiten lassen.

          Carry Trades schwächten den Yen lange Jahre ....

          Was lag für sie angesichts der anhaltend tiefen Zinsniveaus in Japan näher, als billige Kredite aufzunehmen, um die Gelder schließlich zu attraktiven Zinsen in Neuseeland oder an den boomenden Aktienmärkten der Schwellenländern oder in Europa „arbeiten“ zu lassen? Immerhin konnten sie die längste Zeit von solchen Strategien gleich doppelt profitieren: Von hohen Zinsen oder steigenden Aktienkursen und gleichzeitig von der aufwertenden Währung im Ausland.

          Dieses Verhalten führte zu einer Eigendynamik, die Wechselkurse wie Euro-Yen, „Kiwi-Yen“ oder auch „Aussie-Yen“ auf immer neue Höhen brachte. Damit scheint es nun endgültig vorbei zu sein, nachdem sich bisherige Korrekturansätze immer wieder als Fehlalarm herauskristallisierten: In den vergangenen Jahren lohnte es sich immer wieder, nach einer Zwischenkorrektur wieder die „altbekannten“ Strategien neu zu beleben.

          Diesmal hat sich allerdings die Situation deutlicher verändert. Denn die Risiken an den Kreditmärkten sind inzwischen offensichtlich geworden. Sie haben sowohl Banken als auch Anleger dazu gebracht ihr Verhalten zu ändern. Banken vergeben Kredite nicht mehr so leichtfertig wie in den vergangenen Jahren und reduzieren gleichzeitig ihre Risikopositionen. Auf diese Weise nimmt auf der einen Seite die verfügbare Liquidität ab, die die Finanzmärkte unter anderem aufgrund der boomenden „Übernahmespiele“ immer weiter nach oben getrieben haben und die die als Wertpapiere hinterlegten Sicherheiten immer mehr wert hat werden lassen.

          In den vergangenen Tagen drehte sich die Dynamik gerade in die entgegengesetzte Richtung. Da das Vertrauen der Banken auf die Kreditfähigkeit der anderen abgenommen hat, haben sie begonnen Liquidität zu horten. Gleichzeitig sind Fonds, die im Kreditbereich investiert haben, mit dem Interesse der Anleger konfrontiert worden, ihre Gelder zurückzuerhalten. Aus diesem Grund waren sie teilweise zu Fondsschließungen gezwungen. Andere mussten liquide Wertpapiere auf den Markt werfen. Die dadurch ausgelösten Kursverluste haben die Volatilitäten anziehen lassen, die über „volatilitätsorientierte“ Risikomodelle weitere Verkäufe ausgelöst haben.

          ... ihre Auflösung können ihn in den kommenden Wochen deutlich aufwerten lassen

          Steigende Volatilitäten sind auch den Carry Trades abträglich: Selbst leichte Wechselkursveränderungen machen sie vor allem auch in Verbindung mit fallenden Kursen an den Börsen unrentabel. So dürfte es kaum verwundern, dass es auch hier nun zu einer deutlichen Gegenbewegung kommt. Was also Euro-Yen in den vergangenen Jahren scheinbar so unbeirrbar nach oben getrieben hat, kann den Kurs nun ebenso deutlich - womöglich noch rascher - nach unten fallen lassen.

          Der Aufwärtstrend ist bisher zwar noch nicht gebrochen. Aber die rasche Geschwindigkeit, mit der das Währungspaar in den vergangenen Tagen nach unten gefallen ist und die Deutlichkeit und das Ausmaß, mit und in welchem des inzwischen den gleitenden 200-Tages-Durchschnitt nach unten durchbrochen hat, spricht gegenwärtig für eine anhaltende Korrektur.

          Möglicherweise können die Kursverluste sich sogar noch beschleunigen, wenn immer mehr Anleger dieser Tatsache immer nüchterner ins Auge blicken müssen. Euro-Yen ist innerhalb von vier Wochen etwas mehr als sieben Prozent nach unten gelaufen, alleine am Mittwoch um 1,8 Prozent. Das ist viel für den Devisenmarkt - und diese Tatsache spricht für sich.

          Anleger können auf die weitere Aufwertung des Yen gegen den Euro setzen, indem sie sich beispielsweise Euro-Yen-Puts oder entsprechende Zertifikate ins Depot legen. Allerdings sollten sie eingegangene Positionen möglichst permament im Auge behalten. Denn die Zinsdifferenz zwischen Euro und Yen ist zu gross (siehe auch: Yen-Käufer haben die Terminkurve gegen sich) und die Volatilität zu hoch, als dass man sich auf solchen Papieren ausruhen könnte.

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