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Devisenmarkt : Euro wird gegen Dollar und Franken durchgereicht

  • Aktualisiert am

Bild: Bloomberg

Der Kurs des Euro steht unter Druck. Nicht nur gegen den amerikanischen Dollar, sondern am Donnerstag auch gegen den Schweizer Franken. Die Schweizer Zentralbank hat diese auf ein neues Rekordhoch aufwerten lassen.

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          Der Kurs des Euro steht unter Druck. Nicht nur gegen den Dollar, gegen den er seit Dezember des vergangenen Jahres mehr als 15 Prozent seines damals überhöhten Wertes verloren hat, sondern am Donnerstag auch gegen den Schweizer Franken.

          Für die Entwicklung sind mehrere Dinge verantwortlich. Erstens hat die Europäische Zentralbank den Leitzins unverändert bei einem Prozent belassen. Das führt zu zunehmenden Erwartungen, die amerikanische Zentralbank werde früher als die europäische geldpolitisch restriktiver als bisher werden.

          Vieles spricht im Moment gegen den Euro ...

          Das heißt, solche Zinserwartungen, die von ausgeprägtem Wirtschaftsoptimismus in den Vereinigten Staaten ausgehen, führen taktisch du kurzfristeig zu einer tendenziellen Bevorzugung des Dollars gegenüber dem Euro.

          Zweitens wird weiterhin über ein Hilfspaket für Griechenland beraten, das vom Markt negativ bewertet und mit Euroverkäufen beantwortet wird. Denn hilft man Griechenland, so nähmen die moralischen Risiken in der Eurozone zu. Schließlich könnten sich danach auch andere Staaten selbst nach finanzpolitischem Schlendrian auf Hilfen von außen verlassen.

          Drittens besagen Gerüchte, die Schweizer Zentralbank habe nach einer überraschend hohen Inflationsrate von 1,4 Prozent im April und nach einer Ansammlung von Devisenreserven im Gegenwert von rund 118 Milliarden Dollar Ende Februar - sie dürften in den vergangenen Monaten noch deutlich zugenommen haben - die Interventionen gegen die Aufwertung des Frankens vorerst aufgegeben. Solche Marktgerüchte führten zu einem Kurssprung um 1,9 Prozent von 1,4326 auf zuletzt 1,4050 Franken je Euro.

          Nicht nur der kurzfristige Trend zeigte weiterhin nach unten. Sondern auch die allgemeinen Rahmenbedingungen, die andauernde Spekulationen gegen den Euro begünstigen, sprechen für die starke Nachfrage nach Franken als Krisenwährung und für eine weitere Aufwertung. Im Unterschied zu vielen anderen Staaten Europas steht die Schweiz sowohl wirtschaftlich als auch finanziell überaus solide da, auch wenn die Zentralbank in den vergangenen Jahren eine extrem expansive Geldpolitik verfolgt hatte. Nun scheint der Schweizer Nationalbank die Aufwertung gerade recht zu kommen, um sie gegen den Inflationstrend zu wirken, der von den hohen Energie- und Rohstoffpreisen ausgeht.

          ... wirklich schwach ist er allerdings noch lange nicht

          Auf der anderen Seite ist der Kursverlauf des Euro noch lange nicht beunruhigend. Auch wenn er in den vergangenen Wochen medial immer wieder als schwach bezeichnet wurde, so ist der das noch lange nicht. Gemessen an verschiedensten Bewertungsmodellen hat er nun allenfalls den größten Teil seiner früheren Überbewertung verloren und ist langsam fair bewertet. Selbst wenn der Kurs noch weiter fallen sollte, wäre das nicht sonderlich beunruhigend. Denn die Wechselkurse verschiedener Länder können phasenweise deutlich und auch für längere Zeit von ihre theoretischen Bewertung abweichen.

          In diesem Sinne können weitere Kursverluste kaum überraschen. Allerdings werden aufgrund der einseitigen Positionierung ausgeprägte Gegenbewegungen immer wahrscheinlicher.

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