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Devisenmarkt : Euro stabilisiert sich gegen den Franken

  • Aktualisiert am

Bild: Tai-Pan

Nach einer ausgeprägten Talfahrt feiert der Euro derzeit nicht nur gegenüber dem Dollar sondern auch im Verhältnis zum Franken ein Comeback. Ob mehr dahinter steckt als nur die Korrektur einer Übertreibung bleibt aber abzuwarten.

          Der Euro ist zum Wochenausklang erstmals seit gut zwei Monaten über die Marke von 1,30 Dollar gestiegen. In der Spitze kostete die Gemeinschaftswährung am Freitag 1,3007 Dollar. Gegenüber dem noch Anfang Juni markierten Jahrestief von 1,18 Dollar hat sich die Notiz damit spürbar befestigt.

          Für die meisten Marktteilnehmer ist diese Entwicklung erstaunlich. Aber fast noch überraschender wird die jüngste Entwicklung im Verhältnis zum Schweizer Franken zur Kenntnis genommen. Denn auch hier ist es der europäischen Einheitswährung immerhin gelungen, auf den höchsten Stand seit mehr als drei Wochen zu klettern.

          Die EZB hat am Freitag den Referenzkurs für einen Euro auf 1,3543 Schweizer Franken festgesetzt und am Nachmittag wurden sogar bis zu 1,3628 Franken für einen Euro gezahlt werden. Zur Erinnerung: Noch Anfang Juli war die Notiz im Rekordtief bis auf 1,3186 Franken gefallen.

          Beim Vergleich der Kaufkraftparitäten ist der Franken erheblich überbewertet

          Als Überraschung wird die Erholung auch deshalb gewertet, weil dies ausgerechnet dann passiert, nachdem die Schweizer Notenbank kürzlich ihre Stützungsmaßnahmen für den Euro aufgegeben hat. Außerdem kann sich die Bewegung im Verhältnis zum Dollar auch mit zuletzt enttäuschend ausgefallenen amerikanischen Konjunkturdaten erklären lassen. Aber ein Teil davon ist eben auch auf eine Rückführung der zuvor immens ausgebauten Wetten auf einen fallenden Euro zurückzuführen. Und diese Transaktionen werden auch in Relation zum Franken wieder abgebaut, nachdem die Angst vor der europäischen Schuldenkrise zuletzt etwas abgeebbt ist.

          Da hilft es momentan auch wenig, dass Volkswirte wie etwa die bei der UBS demnächst mit einer Straffung der Geldpolitik rechnen. Bei der Helaba hielten es die Devisenexperten wegen der Phantasie auf einen solchen Schritt für möglich, dass der Kurs des Euro zum Franken erneut Richtung 1,30 Franken abrutschen könnte. Mittelfristig ist das zwar nicht ausgeschlossen, aktuell geht es aber darum, die in den vergangenen Wochen vom Franken eingefahrenen Gewinne zu verdauen. Denn einiges von dem Anstieg war sicherlich auch eine kurzfristige irrationale Übertreibung.

          Für diese Sichtweise spricht unter anderem der reale handelsgewichtete Franken-Index, der eine massive Überbewertung signalisiert und laut Helaba notiert der Euro-Franken-Kurs auch im Vergleich zur OECD-Kaufkraftparität zu niedrig. Zudem darf nicht übersehen werden, dass die für die Schweizer Exportwirtschaft schädliche Franken-Stärke mittlerweile auch konjunkturell erste Bremsspuren hinterlässt. Zumindest gilt das für die Konjunkturerwartungen, die im Juli um 15,3 Punkte auf 2,2 Punkte gefallen sind. Damit ist der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung und der Credit Suisse ermittelte Index, der die Erwartungen der befragten Finanzmarktexperten hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung in der Schweiz auf Sicht von sechs Monaten widerspiegelt, zum dritten Mal in Folge deutlich zurückgegangen.

          Mehr eine Normalisierung als eine generelle nachhaltige Trendwende

          Da aber allgemein der globale Wachstumsschub langsam auszulaufen scheint, dürfte der Franken in seiner Funktion als sicherer Hafen auch mittelfristig nicht aus der Mode gekommen. Auch künftig sollte es sich in turbulenten Zeiten immer wieder als Stütze erweisen, dass der Schweizer Staat vergleichsweise wenig verschuldet sowie die Inflation niedrig ist und die Leistungsbilanz kontinuierlich Überschüsse aufweist.

          Alles das spricht dafür, dass bei der Parität Euro-Franken derzeit wie bereits angedeutet nur einige in den vergangenen Monaten entstandene Übertreibungen korrigiert werden. Im Zuge dieses Normalisierungsprozesses ist ein Anstieg des Euros in den Bereich von 1,40 bis 1,50 Franken durchaus vorstellbar. Mit einer dauerhaften und vor allem ausgeprägten Schwäche der Schweizer Währung ist dagegen eher weniger zu rechnen.

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