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Devisenmarkt : Euro markiert ein neues Vierjahreshoch

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Mit einem Tag Verzögerung ist dem Euro nun doch noch der Ausbruch nach oben gelungen. Mit Kursen von in der Spitze knapp über 1,10 Dollar kostet er so viel wie seit März 1999 nicht mehr.

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          Im europäischen Geschäft war der Euro am Montag noch an der Hürde von 1,0935 Dollar gescheitert (Euro testet sein Aufwärtspotenzial). Aber in der Nacht zum Dienstag hat die europäische Einheitswährung doch noch den Sprung über das bisherige Jahreshoch geschafft.

          In der Spitze wurden sogar schon 1,1005 Dollar erreicht, so dass der Euro nun an der psychologisch bedeutsamen Marke von 1,10 Dollar rüttelt. Gegen 11.25 Uhr kostet ein Euro 1,0972 Dollar nach 1,0878 Dollar am Dienstagabend in New York, was gleichbedeutend mit dem höchsten Stand seit März 1999 ist.

          Aussagen des US-Finanzministers belasten

          Verstärkt wurde die Schwäche der US-Devise, die ohnehin unter zuletzt eher dürftigen US-Konjunkturdaten und dem drohenden Irak-Krieg zu leiden hat, durch Aussagen von US-Finanzminister John Snow, der derzeitige Dollarkurs bereite keine Sorgen.

          Die Furcht vor neuerlichen Interventionen der Bank von Japan bremste den Kursrückgang des Dollar gegenüber dem Yen. Snow hatte am Dienstagabend in Washington gegenüber Journalisten zum Kursrückgang der US-Devise erklärt: „Ich bin nicht besonders besorgt darüber.“ Es gebe keine ungewöhnlichen oder gar alarmierende Bewegungen.

          „Der Dollar steigt mal etwas und sinkt mal.“ Die US-Devise bewege sich in normalen Grenzen. „Ich sehe darin nichts Besorgnis erregendes.“ Snow räumte ein, dass Sorgen über einen bevorstehenden Irak-Krieg „viele Aspekte der amerikanischen Wirtschaft und der Weltwirtschaft heute“ berührten.

          Langfristiger Stimmungsumschwung zu spüren

          Ein Sprecher des US-Finanzministeriums versicherte wenig später, dass sich die Haltung Snows zum Dollar nicht geändert habe. Der Finanzminister trete weiterhin für einen starken Dollar ein, sagte der Sprecher. Händlern zufolge wird dies aber nichts an der jüngsten Schwäche des Dollar ändern. Zumal den USA eine schwächere Landeswährung zur Ankurbelung der Exporte durchaus gelegen kommen dürfte. Die Worte von Snow werden letztlich dahingehend interpretiert, dass “die USA eine in geordneten Bahnen verlaufende Abwertung zulassen werden“, wie es Tommy Ong von der Dao Heng Bank formuliert.

          Insgesamt sei ein Stimmungsumschwung unverkennbar. Während der Dollar früher als Hort der Sicherheit gegolten habe, sähen nun immer mehr Marktteilnehmer in ihm einen Risikofaktor. Dazu trügen neben den politischen Krisen, wie die mit dem Irak oder die wachsenden Spannungen mit Nordkorea, bei denen die USA die Hauptrolle spielten, natürlich auch die strukturellen Risiken bei wie etwa das riesige Handelsbilanzdefizit der USA, die dortige Blase am Immobilienmarkt oder die Gefahr, die von den teilweise noch immer zu hoch bewerteten Aktien ausgehe.

          Charttechnische Kaufsignale für den Euro

          Charttechnisch gesehen setzen Beobachter wie Thomas Bopp vom Börsenbrief Zyklus-Analyst nun auf weitere Kursgewinne für den Euro. Sollte die Einheitswährung nicht mehr unter die Unterstützung bei 1,09 Dollar fallen, kann sich Bopp ganz langfristig betrachtet sogar einen Anstieg bis auf 1,24 Dollar vorstellen.

          Kurzfristig kann sich nach dem erfolgten Ausbruch auch Ulrich Wortberg, Währungsanalyst bei der DZ Bank, einen Eurokurs von 1,13 Dollar vorstellen. Für ihn ist der Aufschwung sogar erst dann grundsätzlich in Frage gestellt, wenn die Unterstützungen bei 1,0500 Dollar oder der bei 1,0250 Dollar verlaufende mittelfristige Abwärtstrend unterschritten würde.

          Die Zuversicht für den Euro, welche die Devisenexperten derzeit zur Schau tragen, steht vermutlich aktuell nur auf dem Spiel, wenn es zu einer überraschend positiven Wendung in der Irak-Krise kommen sollte.

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