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Devisenmarkt : Euro holt trotz Schuldenkrise auf

  • -Aktualisiert am

Der Euro ist im Moment gefragt Bild: dpa

Im Mai schien die Schuldenkrise der Staaten den Ruf des Euro zu gefährden. Über Wochen verlor er an Außenwert. Doch davon ist keine Rede mehr. Nun gerät der Dollar unter Druck, weil Investoren eine inflationäre Geldpolitik befürchten.

          Die jüngste Aufwertung des Euro wird getrieben durch die Erwartung, dass die amerikanische Zentralbank Federal Reserve angesichts der moderaten Wachstumsaussichten ihre Geldpolitik weiter lockern wird.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Der Offenmarktausschuss hatte am Dienstag - wie schon der Fed-Vorsitzende Ben Bernanke Ende August - seine Bereitschaft erklärt, zu handeln, wenn es erforderlich sei. Ausdrücklich vermerkte die Fed, dass sie die Inflation derzeit und für einige Zeit für „ein wenig“ zu niedrig halte.

          Amerikanische Zentralbank bereitet weitere Anleihekäufe vor

          An den Finanzmärkten wurde die Erklärung weitgehend als Signal verstanden, dass die Zentralbank den Boden bereite, um in den kommenden Sitzungen im November oder Dezember einen abermaligen Ankauf von Staatsanleihen zu beginnen. Der Euro gewann daraufhin am Mittwoch mehr als 2 Prozent auf gut 1,34 Dollar je Euro. Das ist der höchste Wert seit fünf Monaten. Der Euro ist damit so hoch bewertet wie vor der Zuspitzung der europäischen Schuldenkrise, die im Mai zu einem mehr als 850 Milliarden Euro schweren Garantieprogramm des Internationalen Währungsfonds und der europäischen Staaten führte. Seit dem im Juni erreichten Jahrestief von 1,19 Dollar hat der Euro rund 13 Prozent gegenüber der amerikanischen Währung aufgeholt. Obwohl die Risikoprämien für finanzschwache Euro-Länder wie Irland, Griechenland und Portugal auf Rekordniveau oder knapp darunter liegen, sei die Schuldenkrise auf dem Devisenmarkt in den Hintergrund gerückt, berichten Frankfurter Analysten. „Es gibt keine neuen und überraschenden schlechten Nachrichten“, sagt Antje Praefcke, Währungsspezialistin bei der Commerzbank. Zudem gelang es Portugal am Mittwoch mit der Aufstockung zweier Anleihe, Schuldtitel im Wert von 750 Millionen Euro zu begeben. Allerdings zu hohen Zinsen, die um rund eine Prozentpunkt höher lagen als bei den zurückliegenden Auktionen. Am Vortag war Griechenland und Irland Ähnliches gelungen.

          Im Vergleich zum Jahresbeginn liegt der Außenwert des Euro gleichwohl noch deutlich im Minus. Daran änderten auch die jüngsten Äußerungen der amerikanischen Notenbank nichts. Die Fed neige einer weiteren quantitativen Lockerung zu, kommentierten viele Analysten. Die Fed beließ den Leitzins am Dienstag bei 0 bis 0,25 Prozent und sicherte abermals zu, das „extrem niedrige Zinsniveau“ für eine ausgedehnte Zeit beizubehalten.

          Zinsabstand zu Europa verringern

          Die Kerninflationsrate ohne die schwankungsanfälligen Preise für Nahrungsmittel und Energie lag in Amerika im August den fünften Monat nacheinander bei 0,9 Prozent. Das ist niedriger als die Spanne von 1,5 bis 2 Prozent, die die Mitglieder des Offenmarktausschusses für angemessen halten. Obwohl die Fed keine Deflation erwartet, fühlt sie sich mit der niedrigen Inflation zunehmend unwohl.

          Die Betonung der Inflation in der Fed-Erklärung gilt auch als Signal, dass Bernanke daran arbeitet, im Offenmarktausschuss eine Mehrheit für eine weitere Lockerung zu erzielen. Die Diskussion dreht sich darum, ob eine Wiederaufnahme der direkten Käufe von Staatsanleihen die langfristigen Zinssätze noch deutlich senken kann. Dies würde den Zinsabstand zu Europa weiter verringern und den Euro wohl weiter stärken. Im Euro-Raum ist zwar auch nicht von einer Zinserhöhung die Rede, aber hierzulande soll im nächsten Jahr zumindest die Diskussion über die Rückführung der umfangreichen Liquiditätshilfen für die Banken beginnen.

          Nach der Zinsentscheidung der Fed waren die Zinssätze für amerikanische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit von zuvor 2,66 Prozent auf 2,52 Prozent am Mittwoch gefallen. Auch in Europa stiegen die Kurse der Staatsanleihen. Zehnjährige Bundesanleihen gewannen knapp ein Prozent an Wert, wodurch die Rendite von 2,45 auf 2,34 Prozent zurückging.

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