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Devisenmarkt : Eine weitere Aufwertung des Yuan liegt nahe

  • Aktualisiert am
Yuan Banknoten
          2 Min.

          Hohe Energie- und Rohstoffkosten machen sich unter anderem aufgrund des angesichts der im Außenhandel erzielten Überschüsse zu tief gehaltenen Wechselkurses der eigenen Währung immer deutlicher in Form steigender Inflationsraten bemerkbar.

          Nach den am Freitag veröffentlichten Informationen lag sie im März bei 5,4 Prozent und damit sowohl am oberen Rand der Erwartungen als auch auf dem höchsten Stand seit 32 Monaten. Der Trend zeigt weiterhin nach oben, nachdem die Inflationsrate im Februar noch bei 4,9 Prozent gelegen hatte.

          Starke Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln

          Besonders stark stiegen die Nahrungsmittelpreise. Denn in diesem Bereich lag die Inflationsrate bei 11,7 Prozent. Trotz der Bemühungen, die Kreditvergabe mittels deutlich steigender Mindestreservesätze zu bremsen, wurden die ohnehin in weiten Teilen des Landes schon völlig überteuerten Immobilien - gemessen an den Hauspreisen - im Vergleich mit dem Vorjahr um weitere 6,6 Prozent teurer. Dagegen legten die Preise ex Nahrungsmittel und Immobilien nur um 2,7 Prozent zu. Dafür dürften unter anderem Subventionen mit verantwortlich sein.

          Bild: F.A.Z.

          Die Produzentenpreise stiegen im März im Vergleich mit dem Vorjahr um 7,3 Prozent. Das ist der höchste Zuwachs seit 30 Monaten. Auf der anderen Seite stiegen die Einzelhandelsumsätze um 17,4 Prozent und die Industrieproduktion legte im März im Vergleich mit den Vorjahresvergleichsperiode um 14,8 Prozent zu. Diese beiden Zahlen lagen über den ohnehin schon hohen Erwartungen des Marktes.

          Diese Kombination an Zahlen und Fakten schürt zusammen mit den weiterhin stark steigenden Devisenreserven Chinas die Vermutung, die Geldpolitik Chinas werde künftig noch restriktiver werden. Im ersten Quartal seien die Dollar-Liquiditätsbestände um weitere 197,3 Milliarden auf 3004 Milliarden Dollar gestiegen, hatte die chinesische Zentralbank schon am Donnerstag mitgeteilt. Sie sind nach Ansicht von Kritikern das Resultat einer zu einseitig auf den Export ausgerichteten und durch eine zu schwache Währung subventionierten Wirtschaft.

          Handels- und Finanzungleichgewichte dieser Art führen am Devisenmarkt unter anderem zu einem gewissen Aufwertungsdruck auf den Kurs des Euro, obwohl er an sich schon deutlich überbewertet ist. Alleine aus Risikoaspekten sind Staaten, die immer mehr Währungsreserven ansammeln, gezwungen, einen Teil davon in Euro zu konvertieren. Denn nur auf diese Weise können sie den Abwertungsbemühungen der amerikanischen Zentralbank wenigstens in Ansätzen ausweichen. In den vergangenen Monaten haben aus diesem Grund auch die Währungen Australiens, Kanadas, Norwegens und der Schweiz deutlich aufgewertet. Allerdings ist ihre Liquidität und die damit verbundene „Aufnahmekapazität“ beschränkt.

          Riesige und stark steigende Währungsreserven

          Diese Entwicklung lässt vermuten, dass China auf dem Treffen von Finanzfachleuten der 20 wichtigsten Volkswirtschaften (G 20) und der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington im Rahmen der Diskussionen über den Abbau von Ungleichgewichten in den Handels- und Finanzströmen, die als Mitverursacher für die Krise gelten, weiter unter Druck geraten wird, den Yuan weiter aufwerten zu lassen und gegen die überzogene Spekulation mit Rohstoffen vorzugehen.

          Denn in den vergangenen Monaten ist das Wachstum der Geldmenge in China zwar zurückgegangen. Trotzdem wurden in den Jahren 2009 und 2010 unheimlich viele Kredite vergeben. Restriktive Maßnahmen wurden unter anderem dadurch umgangen, dass Rohstoffe wie Kupfer in großem Stile importiert und als Sicherheit für die Vergabe von Krediten verwendet wurden. Der hohe Kupferpreis sei nur bedingt auf die industrielle Endnachfrage zurückzuführen, als vielmehr auch auf solche Umgehungsgeschäfte, erklärte beispielsweise Dan Smith von Standard Chartered Research.

          Da die Aufwertung eine Möglichkeit darstellt, inflationäre Tendenzen zu kontern, liegt eine weitere Aufwertung des Yuan letztlich auch im Interesse Chinas selbst.

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