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Devisenmarkt : Droht kommendes Jahr eine Pfund-Krise?

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Bild: FAZ.NET

Das britische Pfund konnte sich etwas erholen. Das wäre jedoch nur ein Intermezzo vor einer richtigen Währungskrise, sollte Großbritannien nicht entschieden auf budgetaire Probleme reagieren, erklärt eine Studie der UBS.

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          Nach einem massiven Ausverkauf in den Jahren 2007 und 2008 konnte sich das britische Pfund in der ersten Hälfte des laufenden Jahres etwas von seiner Schwäche erholen. Es legte gegen den Euro zu von 97,90 Pence auf zuletzt 85,75 Pence und gegen die amerikanische Währung von 1,37 auf zuletzt 1,63 Dollar je Pfund.

          In den vergangenen Wochen ist allerdings die Erholungsbewegung zumindest gegen den Dollar ins Stocken geraten, die britische Währung läuft seitwärts. Dafür ist zumindest kurzfristig sowohl das abnehmende Leistungsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten - und damit das verminderte Dollarangebot - verantwortlich, als auch die immer dann wieder zunehmende Nachfrage, sobald Anleger risikoaverser werden.

          Droht Großbritannien eine Währungskrise?

          Eine Studie der UBS zeigt, dass die Erholung der britischen Währung in den vergangenen Wochen nur ein Intermezzo hin zu einer wirklichen Währungskrise sein könnte. Immerhin seien die Parallelen zu den 70er-Jahren nicht zu übersehen. Damals seien die wirtschaftlichen Aussichten des Landes ebenso schwach sowie die Geld- und Fiskalpolitiken ebenso extrem locker gewesen wie im Moment. Im Gegensatz zu damals sei die aktuelle Lage noch prekärer, da die Öleinnahmen des Landes versiegten und das Land sogar zu Nettoölimporten gezwungen werde. Gleichzeitig könne es sich aufgrund der Krise in punkto Wachstumserwartungen nicht mehr so stark auf den Finanzsektor verlassen, wie in der Vergangenheit.

          Diese Kombination führe dazu, dass die britische Währung auf dem erreichten Niveau nicht etwa unterbewertet sei, sondern möglicherweise allenfalls ein neues Gleichgewichtsniveau erreicht habe. Gleichzeitig werde Großbritannien mit größeren Finanzrisiken konfrontiert als allgemein angenommen werde. Vergleiche man die Finanzsituation Großbritanniens mit jener Japans und berücksichtige die Währungsreserven der japanischen Zentralbank, so seien die bedrohlichen Parallelen unverkennbar.

          Reagiert eine neu gewählte Regierung entschieden genurg auf budgetaire Probleme?

          Die Herunterstufung der britischen Kreditwürdigkeit durch S&P sei in diesem Zusammenhang ein alarmierendes Zeichen. Immerhin hätten institutionelle Anleger im Rahmen der Währungskrise der 70er-Jahre den Anteil des Pfunds in ihrer Währungsallokation von sechs auf bis zu zwei Prozent im Jahr 1987 reduziert. Sollten sie auch nun das Vertrauen in die Wirtschafts-, Finanz- und Geldpolitik der Landes verlieren, sei eine weitere Abwertung des britischen Pfunds denkbar.

          Die Risiken würden dann ausgeprägt werden, sollte sich die Wirtschaft nicht erholen, sollte die Arbeitslosigkeit hoch bleiben und sollte im kommenden Jahr eine Regierung gewählt werden, die nur eine schwache Mehrheit besitze. Im Rahmen dieser Konstellation gäbe es im Falle des Falles nur geringe Möglichkeiten, darauf reagieren zu können. Richtig gefährlich werde es dann, sollte im kommenden Jahr eine schwache Regierung nicht entschieden genug auf die budgetairen Probleme reagiere und möglicherweise sogar die Entscheidungen der Zentralbank beeinflussen. Auf dieser Basis raten sie dazu, dass Pfund bei Erholungsbewegungen gegen Euro und Dollar zu verkaufen.

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