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Devisenmarkt : Dollarschwäche begünstigt globale Rolle des Euro

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Die schwache Verfassung hilft dem Euro beim Versuch, im Wettstreit mit dem Dollar um die Vormachtstellung als Weltwährungsreserve Boden gutzumachen. Allerdings handelt es sich dabei um langwierige Anpassungsprozesse.

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          Mehr Konkurrenz zum Dollar und damit zu Amerika hatten einige führende europäische Politiker im Sinn, als sie in den neunziger Jahren die Einführung einer gemeinsamen Währung beschlossen. Mit der nun seit Monaten andauernden Schwäche der amerikanischen Währung steigen Analysten zufolge tatsächlich die Chancen des Euro, eine wichtigere Rolle im internationalen Finanzsystem einzunehmen.

          Weltweit greifen Notenbanken auf den Euro als Reservewährung neben dem Dollar zurück. Als Emissionswährung hat er sich ebenfalls etabliert und seine Bedeutung im Welthandel wächst stetig. „Mittel- bis langfristig - also über die nächsten sieben bis zehn Jahre - werden wir von einem unilateralen, auf den Dollar fixierten Finanzsystem zu einem bilateralen Finanzsystem übergehen, in dem der Euro zunehmend an Gewicht gewinnen wird", sagt Folker Hellmeyer, Analyst der Bremer Landesbank, voraus.

          Weltweit wichtigerer Euro politisch angestrebt

          Einige Politiker bezweckten mit der Einführung des Euro bewußt, dem Dollar einen Rivalen entgegenzustellen. Der damalige Bundesfinanzminister Theo Waigel etwa sprach von einer „wirklichen Alternative zum Dollar". Frankreichs Präsident Jacques Chirac sagte: „Der Euro, die Währung der größten Wirtschafts- und Handelsmacht des Planeten, wird eine der großen internationalen Währungen sein - gemeinsam mit dem Dollar und dem Yen.“ Otmar Issing, heute Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), stellte fest, nicht wenige sähen im Euro eine Gefährdung der Vormachtstellung des Dollar.

          Die EZB selbst fördert einen Bedeutungszuwachs des Euro nicht aktiv. „Das Eurosystem hat weder die Intention, die Entwicklung des Euro zu einer internationalen Währung zu fördern, noch diese zu verhindern", sagte EZB-Gründungspräsident Wim Duisenberg Anfang 1999. Die Finanzmärkte sollten dies bestimmen.

          Analysten rechnen mit weiterem Höhenflug des Euro

          Einen Bedeutungsgewinn des Euro belegt der Monatsbericht der EZB vom November: „Der Euro hat seine Bedeutung als zweitwichtigste internationale Währung in den ersten vier Jahren der Währungsunion gefestigt.“ Analyst Dieter Schwarz von Helaba Trust sagt: „Auf jeden Fall hat die andauernde Schwäche des Dollar dies gefördert.“ Trotz vereinzelter Erwartungen eines baldigen Endes des Aufwärtstrends des Euro gehen Analysten mehrheitlich von einer weiteren Dynamik aus und schließen Kurse von 1,40 Dollar zum Jahresende nicht aus. Am Freitag wurde der Euro mit 1,2385 Dollar gehandelt - ein Plus von mehr als 50 Prozent gegenüber seinem im Oktober 2000 erreichten Tief von 0,8225 Dollar. Anfang Januar hatte er mit knapp 1,29 Dollar seinen bisherigen Höchststand erreicht.

          Als Ursache der Dollarschwäche nennen Experten hohe Defizite in Leistungsbilanz und Staatshaushalt der Amerikaner. Die Regierung habe nichts unternommen diese zu reduzieren. „Den Menschen wird zunehmend bewußt, daßdie exklusive Verankerung des westlichen Finanzsystems im Dollar zur Disposition steht", sagt Hellmeyer. Michael Klawitter von der WestLB stellt fest: „Das Vertrauen in den Dollar geht zurück.“ Schwarz zufolge profitiert der Euro am deutlichsten von der Schwäche des Dollar.

          Daneben könnte anderen Analysten zufolge auch eine Währung aus dem asiatischen Raum mehr Gewicht erlangen. „Hinter den Kulissen wird schon über eine asiatische Korbwährung diskutiert", sagt Hellmeyer. „Daraus könnte ein trilaterales internationales Finanzsystem entstehen.“ Andere Analysten halten dies aber für ferne Zukunftsmusik, zumal der chinesische Yuan zwar an Bedeutung gewinne, aber noch lange keine voll konvertierbare Währung sei.

          Abrücken von unipolarem Dollar-Finanzsystem langer Prozeß

          Von heute auf morgen wird eine Ablösung des Dollar als einzigem Anker des globalen Finanzsystems wohl nicht vonstatten gehen. „Es ist nur sehr allmählich möglich, eine andere Exportwährung neben dem Dollar stärker durchzusetzen", sagt Klawitter. Schwarz stellt fest, der Dollar habe weltweit immer noch das größte Gewicht, obwohl der Euro stark aufgeholt habe. „Eine neue Wachstumsdynamik durch weitere Strukturreformen in der Euro-Zone würde den Euro international stärker begünstigen.“

          Ein Trend zu einer breiteren Streuung der Währungsreserven weltweit sei aber schon zweifellos festzustellen, sagt Klawitter. „Für eine wachsende Bedeutung des Euro sprechen die Debatten darüber, ob Rohstoffe künftig auch in Euro abgerechnet werden sollen.“ Teils geschieht dies schon bei den Erdölexporten Rußlands. In der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) wird über die Einführung eines internationalen Währungskorbs zur Festlegung des Ölpreises diskutiert.

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