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Devisenmarkt : Dollarkurs weiter im Aufwind

Frisch gedruckte 100-Dollar-Scheine mit dem Konterfei von Benjamin Franklin. Bild: AFP

Bleibt die amerikanische Währung weiterhin stark? Glaubt man der Marktanalyse eines Hedgefondsmanagers, sprechen drei Gründe für eine steigende Nachfrage nach dem Dollar.

          Der Dollar erscheint heute als eine starke Währung, der in den vergangenen Monaten nicht nur gegenüber dem Euro aufgewertet hat. Wer aber nur ein wenig weiter zurück schaut, wird zu einem gegenteiligen Eindruck gelangen. Denn in den Jahren 2002 bis 2014 hat sich der Dollar gegenüber vielen anderen Währungen bestenfalls gehalten, aber auch oft abgewertet. Warum? Unter anderem, weil damals die Zinsen in den Vereinigten Staaten niedriger waren als in vielen anderen Ländern.

          Aus dieser Niedrigzinsphase lassen nach Ansicht des in London ansässigen Hedgefondsmanagers Stephen Jen (SLJ Macro Partners) Effekte ableiten, die in Zukunft die Nachfrage nach Dollar stark treiben und die amerikanische Währung weiter aufwerten lassen werden. Mit Blick auf den Dollar sei die Welt strukturell „short“, schreibt Jen in einer Marktanalyse. Und weil es diese fundamentalen Gründe für eine weitere Dollaraufwertung gebe, mache es wenig Sinn, von Spekulationen über den Zeitpunkt einer ersten Leitzinserhöhung der Fed wichtige Erkenntnisse über den Wechselkurs der amerikanischen Währung ableiten zu wollen.

          Gründe für eine zunehmende Dollarnachfrage

          Jen nennt im wesentlichen drei Gründe, warum die Nachfrage nach Dollar zunehmen wird. Der erste Grund ist, und hier greift Jen auf Arbeiten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zurück, die hohe Dollarverschuldung von Unternehmen und Privatpersonen außerhalb der Vereinigten Staaten - und hier besonders in Schwellenländern. Die niedrigeren Zinsen in den Vereinigten Staaten machten diese Verschuldung in Dollar für die Kreditnehmer attraktiv.

          Andererseits haben viele Vermögensverwalter aus den Industrienationen in den vergangenen Jahren Dollaranleihen von Schuldnern aus Schwellenländern gerne gekauft. Diese Schulden müssen aber irgendwann getilgt werden, und je mehr der Dollar aufwertet, umso mehr wird diese Tilgung teuer für Unternehmen, die in amerikanischer Währung verschuldet sind, aber Einnahmen überwiegend in ihrer Heimatwährung haben.

          Zweitens haben Vermögensverwalter aus den Vereinigten Staaten in den vergangenen Jahren erhebliche Bestände an Aktien und Direktinvestitionen in Schwellen- und Entwicklungsländern aufgebaut. Sorgen vor einer schwachen Wirtschaftsentwicklung in den Schwellenländern und einer weiteren Abwertung von Währungen aus Schwellenländern können für eine starke Nachfrage nach Dollar sorgen. Denn entweder werden die Anleger aus dem Dollarraum ihre Anlagen in Schwellenländern gegen Wechselkursverluste durch Käufe von Dollar am Terminmarkt absichern - oder aber sie verkaufen ihre Anlagen in den Schwellenländern direkt und kehren in ihre Heimatwährung Dollar zurück.

          Zentralbanken ändern ihre Strategie

          Den dritten Grund für eine strukturell starke Nachfrage nach Dollar sieht Jen in einer sich verändernden Anlagepolitik von Zentralbanken. Bis in das Jahr 2014 tendierten viele Zentralbanken in der Verwaltung ihrer Währungsreserven zu Dollarverkäufen, um stattdessen Anlagen unter anderem im Euro, im australischen und im kanadischen Dollar zu erwerben. Dieser Trend ist im vergangenen Jahr zu einem Ende gekommen. Frühere Vermutungen, die Bedeutung des Dollars als internationales Zahlungsmittel und als Anlagewährung werde sich als Folge einer immer weiter gehenden Verflechtung der Weltwirtschaft reduzieren, haben sich zumindest bisher nicht bestätigt.

          Seit einigen Monaten werden Verkäufe von Euro und Käufe von Dollar durch Zentralbanken beobachtet. Andere Zentralbanken sollen auch zu den Verkäufern von Eurostaatsanleihen zählen, die seit einigen Wochen von der Europäischen Zentralbank erworben werden. Zentralbanken legen gewöhnlich keinen Wert auf Anleihen mit einer negativen Rendite in ihren Kapitalanlagen, und es gibt auch keine Vorschriften, die sie zwingen, solche Papiere zu halten.

          Diese Analysen wirken fraglos überzeugend, aber nicht verschwiegen sei auch, dass Jen traditionell eher optimistisch für den Dollar ist und damit in den vergangenen Jahren nicht immer richtiggelegen hat.

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