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Devisenmarkt : Dollarabwertungstrend vorerst gebrochen

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Bild: FAZ.NET

Der amerikanische Dollar scheint seinen im März wieder aufgenommenen Abwertungstrend gebrochen zu haben. Eine zyklische Dollaraufwertung ist denkbar. Früher oder später würde ihr jedoch aufgrund enttäuschenden Wachstums die Puste ausgehen.

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          Der amerikanische Dollar scheint seinen im März wieder aufgenommenen Abwertungstrend gebrochen zu haben. In den vergangenen drei Wochen erholte er sich gegen den Euro um fünfeinhalb Prozent auf zuletzt 1,43 Dollar je Euro, nachdem Anfang des Monats noch bis zu knapp 1,51 Einheiten der amerikanischen Währung notwendig gewesen waren, um im professionellen Handel einen Euro erwerben zu können.

          Auch gegen den Yen wertet die amerikanische Währung in dieser Zeit auf. Nach 86,31 Yen Ende November sind inzwischen 90,46 Yen nötig, um einen Dollar kaufen zu können.

          Eine zyklische Dollaraufwertung ist denkbar ...

          Ob das mehr ist als das Resultat von den mit Hinblick auf die Weihnachtsfeiertage und das Jahresende in dünnem Handel getätigte Risikoreduktionen, wird sich erst noch zeigen müssen. Optimisten gehen zwar davon aus, dass die amerikanische Währung wegen dem in den vergangenen Wochen aufgekommenen Wachstumsoptimismus und entsprechenden Zinsphantasien aufwerten wird.

          Andere jedoch erklären, der Dollar werde sich schon dann erholen, wenn die amerikanische Zentralbank aufhöre, weniger expansiv als in den vergangenen Monaten zu werden. Das führe zu einer relativen Dollarknappheit und damit zu ähnlichen Effekten, wie sie im Rahmen der Kreditkrise zu beobachten gewesen waren. Damals hatten plötzlich viele Unternehmen und Banken, die sich aufgrund der allgemeinen Liquiditätsillusion extrem kurzfristig in der im Trend abwertenden amerikanischen Währung refinanziert hatten, „Dollarmangelerscheinungen“ und mussten diese beinahe um jeden Preis lindern.

          Die Strategie, sich in Dollar aufgrund der extrem tiefen Zinsen und des schwachen Kurses, zu refinanzieren erlebte in den vergangenen Monaten wieder aufgekommenen Risikoappetits eine Renaissance. Sie führte sogar dazu, dass Anleger statt Yen- nun Dollar-Carry-Trades tätigten. Die Folge war nicht nur eine zwischenzeitlich überraschende Aufwertung der japanischen Währung, sondern eine einseitige „Anti-Dollar-Positionierung“ vieler Anleger. Aus diesem Grund kann eine rasche und deutliche Gegenbewegung bei veränderten Erwartungen kaum überraschen.

          Die Dollarerholung kann unter Umständen vergleichsweise weit tragen. Denn erstens dauert es eine gewisse Zeit, bis alle spekulativen und strategischen Positionen gedeckt sind, die sich gegen die amerikanische Währung ausgerichtet hatten. Zweitens müssen amerikanische Konsumenten, Firmen und nicht zuletzt auch der Staat künftig ihre Gürtel wegen den hohen Verschuldung enger als bisher schnallen. Das wird zumindest theoretisch dazu beitragen, dass das amerikanische Handelsbilanzdefizit abnehmen wird. Auch auf diese Weise schrumpft das Dollarangebot.

          ... allerdings ist ihre Tragfähigkeit fragwürdig

          Da viele Schwellenländer extrem expansive Geld- und Fiskalpolitiken betreiben, dürften sich in diesen Regionen am ehesten inflationäre Tendenzen bemerkbar machen. Auch sie werden direkt oder indirekt dazu beitragen, dass die Handelsungleichgewichte zurückgehen. Denn steigende Importpreise in den großen Importstaaten werden automatisch die Nachfrage nach diesen Produkten dämpfen.

          Dazu kommen schließlich strukturelle Schwierigkeiten, die in Europa immer deutlicher werden. Sie zeigen sich nicht nur in Form der maroden öffentlich-rechtlichen Banken in Deutschland, sondern den schwachen Wirtschafts- und Finanzstrukturen in Griechenland, Irland, Spanien, Italien und einigen Staaten Mittel- und Osteuropas.

          Zusammen genommen können solche Faktoren den Dollar zyklisch unter Umständen deutlich aufwerten lassen. Er würde allerdings spätestens dann wieder nach unten drehen, wenn klar würde, dass sich die amerikanische Volkswirtschaft nicht oder nur schwach erholen wird. Denn daraufhin wird die amerikanische Zentralbank wahrscheinlich wieder extrem expansiv werden.

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